Klarheit ist Ungetrübtheit, ist reinstes Licht. Der Lieblingsjünger Jesu, Johannes, schreibt in seinem 1. Brief: "Dies ist die Botschaft, die wir von Ihm vernommen haben und die wir euch verkünden: GOTT ist LICHT, und keine Finsternis ist in Ihm." (I Jo 1,5) Gott ist also Licht, Er ist das Licht, so wie er die Wahrheit und das Leben ist. JESUS ist die Mensch gewordene Wahrheit, und Er ist die Mensch gewordene Klarheit, das zugänglich gewordene Licht, das jeder Mensch sehen kann. (Vergleiche: 1. Timotheus 6,16: "der da wohnt im unzugänglichen Lichte, den kein Mensch gesehen hat, noch sehen kann"...). Am Beginn der Schöpfung sprach GOTT: "Es werde Licht" (Gn 1,3). JESUS kam in die Schöpfung und sprach: "Es werde Licht!" CHRISTUS ist das Licht, ist die Klarheit - für die Welt. ER brachte Licht und Klarheit in dieses Dunkel. Sein Leben, Seine Lehre, Sein Leiden und Sterben ist Licht und Klarheit. "Keine Finsternis ist in Ihm." JESUS ist "des Ewigen Lichtes Ablganz, ein makelloser Spiegel von Gottes Wirksamkeit und Seiner Güte Abbild". (Weish. 7,26) "Meine Wahrheit mache Ich zum Lichte für die Völker." (Is 51,4) "Im Finstern strahlt als Leuchte dem Gerechten der Allerbarmer, mild und gütig." (Ps 111,4) "Alle gute Gabe und alles vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter." (Jak. 1,17)
Gott ist das Ewige Licht der Seinen. Die Verklärten (= die in die Ewige Klarheit Eingegangenen) schauen Sein Angesicht; Sein Name steht auf ihrer Stirne. Nacht gibt es keine mehr; sie brauchen weder Fackellicht noch Sonnenschein; denn Gott, der Herr, ist Selbst ihr Licht." (Offb. 22,4) "Zum Tageslicht dient nicht die Sonne dir (dem Neuen Sion), noch braucht des Mondes Schimmer dir zu leuchten: ein Ewig Licht ist dir der Herr." (Is 60,19) "In Deinem Lichte schauen wir das Licht." (Ps 35,10)
"Mit Freuden sollt ihr dem Vater Dank sagen; denn Er hat uns zur Teilnahme befähigt am Erbe der Heiligen im Licht." (Kol. 1,12) "Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk... und sollt die Großtaten dessen verkünden, der euch aus der Finsternis in Sein wunderbars Licht berufen hat." (1 Petr 2,9) "Der Herr ist mein Licht, mein Heil, wen soll ich fürchten?" (Ps 26,1) "Ich aber will aufschauen zum Herrn... Und wenn ich auch im Finstern sitze: der Herr wird mir zum Licht." (Mich 7,7) "Sende aus Dein Licht und Deine Wahrheit, daß sie mich leiten zu Deinem heiligen Berg, zu Deinen Wohnungen mich führen." (Ps 42,3) "Auf, werde Licht! Dein Licht will kommen; die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf über dir." (Is 60,1-3) "Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Führt euern Wandel als Kinder des Lichtes!" (Eph 5,8) "Wenn wir behaupten, Gemeinschaft mit Ihm zu haben, und wandeln doch in der Finsternis, so lügen wir... Wenn wir aber im Lichte wandeln, wie Er Selbst im Lichte ist, so haben wir Gemeinschat miteinander." (1 Jo 1,6.7) "Ihr alle seid Kinder des Lichtes..." (1 Thess 5,5) "(Seid) Gotteskinder, untadelig, inmitten einer verkehrten und verdrehten Menschheit, unter der ihr scheint wie helleuchtende Sterne inmitten der Welt." (Phil 2,14) "Laßt uns wandlen im Lichte des Herrn!" (Is 2,5)
"Herr, Gott, allmächtiger Vater, Du unvergängliches Licht und Schöpfer alles Lichtes, segne dieses Licht, das von Dir, dem Erleuchter der ganzen Welt, geheiligt und gesegnet ist: dies Licht mache uns hell, und das Feuer Deiner Herrlichkeit umstrahle uns. Wie Du dem Moses beim Auszug aus Ägypten Leuchte warst, so erleuchte unsere Herzen und Sinne, damit wir zum Ewigen Leben und Lichte gelangen." (Missale, Karsamstag, Feuerweihe)
"Komm, o Geist der Heiligkeit, aus des Himmels Herrlichkeit sende Deines Lichtes Strahl."
"Wir bitten Dich, o Herrr, erhelle unsern Geist mit dem Lichte Deiner Klarheit, damit wir sehen können, was zu tun ist, und auszuführen vermögen, was recht ist." (Miss. Quat.-Mittw. i.d. Fastenzeit).
"Gott erleuchtet auch die vernüftigen Geschöpfe mit seinem Lichte, damit sie immer in der Liebe Gottes erhalten werden und niemals sich in das Irdische verlieren." (Hieronymus) "Wie die äußere, sichtbare Sonne diese Körperwelt beleuchtet, so leuchtet Gott, die Sonne der Geister, in unserem Innern; daher ist das natürliche Licht der Vernunft, das unserer Seele innewohnt, eine Erleuchtung von Gott, wodurch es Licht wird in uns, ein Abbild des göttlichen Wesens selbst." (Thomas v. Aquin)
"Ach, zieh mich, Herr, empor zu Dir, so werd' ich rein und klar; läßt Du mich mir, so bleibe ich in Dunkel und Schwere immerdar." (Mechthild von Magdeburg)
Freitag, Juli 14, 2006
Mittwoch, Juni 14, 2006
Wie steht es mit der katholischen Mission?
Die katholische Kirche ist eine Weltkirche. Ein immenses "Sammelbecken" von Menschen unterschiedlichster Eigenschaften, Gaben und Auffassungen. Alle sollten aber eine Gemeinsamkeit haben: den einzigen wahren christlichen Glauben. Den ganzen, unverkürzten, unverfälschten römisch-katholischen, apostolischen Glauben. Heute aber zählen und rechnen sich zu ihr unüberschaubar viele, die weder den vollständigen, noch einen irrtumsfreien Glauben bekennen. Zu ihr gehörig fühlen sich heute Menschen, die Anschauungen vertreten, die vor 50 Jahren dafür mit dem Kirchenbann belegt worden wären, heute aber als hohe Hirten, große Theologen gefeiert, ausgezeichnet werden und als Leitbilder gelten.
Fragt man Jung und alt konkret: was hältst Du, was halten Sie von dieser oder jener (alten, allzeit gültigen) Glaubenswahheit, so bekommt man die überraschendsten Antworten. Die meisten sind nicht einmal mehr fähig, auf die schlichtesten Katechismusfragen eine einigermaßen akzeptable, geschweige denn die richtige, erschöpfende Antwort zu geben. Viele sehen auch schon keinen grundsätzlichen Unterschied mehr zwischen Katholisch und Evangelisch-Protestantisch. Die Oekumene hat für viele, wenn nicht die Mehrheit, die Grenzen schon völlig verwischt. Konfirmation ist gleich Firmung, evangelischer Wortgottesdienst gleich Eucharistie und Abendmahl gleich Kommunion. Evangelischer Pastor ist gleich Priester, anglikanischer Bischof ist gleich katholischer Bischof, Sündenbekenntnis vor "Mitchristen" gleich Beichte. Und je "Gebildeter" der Gefragte ist, desto schlimmer fallen allzuoft die Antworten aus. "Mischehen" sind ebenso nichts Arges mehr wie gemischte oder "neutrale" Schulen .Vielmehr gilt das als Bereicherung, Ergänzung, ja als das eigentlich Richtige. Der katholische Glaube und die katholische Kirche werden schlicht auf der selben Ebene mit den anderen (christlichen) "Konfessionen" gesehen.
Das alles ist an sich schon schlimm genug; denn es gehört zu den wesentlichsten Lehrsätzen unserer Kirche, daß die römisch-katholische, apostolische Kirche die alleinige Kirche Christi und damit die alleinige, einzige Heilsanstalt Gottes auf Erden ist und immer war und allzeit bleiben wird. Sie allein ist heilwirkend, seligmachend. Was sich Gutes, Heilsames in anderen christlichen Konfessionen (und auch in anderen nichtchristlichen "Religionen") findet, macht nicht diese anderen Konfessionen und "Religionen" aus, sondern gehört "eo ipso" der christlichen katholischen Wahrheit, der Kirche Gottes an und zu. Nur das sich vom Katholischen Unterscheidende macht das Lutherische, Zwinglianische, Anglikanische, Neuapostolische, Islamische, Jüdische etc. aus . Und unterscheiden kann man sich vom wahren Katholischen nur durch Negatives, durch das Leugnen von Wahrheiten, durch Antikatholisches und damit Antichristliches, Antigöttliches.
Viel schlimmer und geradezu katastrophal ist es aber, wenn heute Christen, gleich welcher Denomination, in ihrer Oekumene so weit gehen, daß sie sogar in den nichtchristlichen "Religionen" legitime Heilswege sehen, die deren Anhänger dann dementsprechend nicht mehr eigentlich missionieren und bekehren wollen, nicht einmal durch den Dialog, sondern nur oder höchstens noch eine "Einheit in der Vielfalt" herstellen wollen.
Fragt man Jung und alt konkret: was hältst Du, was halten Sie von dieser oder jener (alten, allzeit gültigen) Glaubenswahheit, so bekommt man die überraschendsten Antworten. Die meisten sind nicht einmal mehr fähig, auf die schlichtesten Katechismusfragen eine einigermaßen akzeptable, geschweige denn die richtige, erschöpfende Antwort zu geben. Viele sehen auch schon keinen grundsätzlichen Unterschied mehr zwischen Katholisch und Evangelisch-Protestantisch. Die Oekumene hat für viele, wenn nicht die Mehrheit, die Grenzen schon völlig verwischt. Konfirmation ist gleich Firmung, evangelischer Wortgottesdienst gleich Eucharistie und Abendmahl gleich Kommunion. Evangelischer Pastor ist gleich Priester, anglikanischer Bischof ist gleich katholischer Bischof, Sündenbekenntnis vor "Mitchristen" gleich Beichte. Und je "Gebildeter" der Gefragte ist, desto schlimmer fallen allzuoft die Antworten aus. "Mischehen" sind ebenso nichts Arges mehr wie gemischte oder "neutrale" Schulen .Vielmehr gilt das als Bereicherung, Ergänzung, ja als das eigentlich Richtige. Der katholische Glaube und die katholische Kirche werden schlicht auf der selben Ebene mit den anderen (christlichen) "Konfessionen" gesehen.
Das alles ist an sich schon schlimm genug; denn es gehört zu den wesentlichsten Lehrsätzen unserer Kirche, daß die römisch-katholische, apostolische Kirche die alleinige Kirche Christi und damit die alleinige, einzige Heilsanstalt Gottes auf Erden ist und immer war und allzeit bleiben wird. Sie allein ist heilwirkend, seligmachend. Was sich Gutes, Heilsames in anderen christlichen Konfessionen (und auch in anderen nichtchristlichen "Religionen") findet, macht nicht diese anderen Konfessionen und "Religionen" aus, sondern gehört "eo ipso" der christlichen katholischen Wahrheit, der Kirche Gottes an und zu. Nur das sich vom Katholischen Unterscheidende macht das Lutherische, Zwinglianische, Anglikanische, Neuapostolische, Islamische, Jüdische etc. aus . Und unterscheiden kann man sich vom wahren Katholischen nur durch Negatives, durch das Leugnen von Wahrheiten, durch Antikatholisches und damit Antichristliches, Antigöttliches.
Viel schlimmer und geradezu katastrophal ist es aber, wenn heute Christen, gleich welcher Denomination, in ihrer Oekumene so weit gehen, daß sie sogar in den nichtchristlichen "Religionen" legitime Heilswege sehen, die deren Anhänger dann dementsprechend nicht mehr eigentlich missionieren und bekehren wollen, nicht einmal durch den Dialog, sondern nur oder höchstens noch eine "Einheit in der Vielfalt" herstellen wollen.
Montag, Mai 22, 2006
Bist Du (noch) katholisch?
Anhand des nachstehenden Fragenkataglos können wir unseren Status hinsichtlich des Katholischseins überprüfen:
(Die Zahlen in Klammern sind die Kennziffern des "Enchiridion symbolorum" von Denzinger)
1. Glaubst Du, daß mit göttlichem und katholischem Glauben all das zu glauben ist, was im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist und von der Kirche in feierlichem Entscheid oder durch gewöhnliche und allgemeine Lehrverkündigung als von Gott geoffenbart zu glauben vorgelegt wird? (1792)
2. Glaubst Du, daß immer jener Sinn der heiligen Glaubenswahrheiten beibehalten werden muß, der einmal von der heiligen Mutter der Kirche dargelegt worden ist und daß man nie von diesem Sinn unter dem Schein und Namen einer höheren Erkenntnis und entsprechend dem Fortschritt der Wissenschaft abweichen darf, daß nicht das Glaubensgegenstand ist, was entsprechend der Kultur eines jeden Zeitabschnittes besser und passender scheinen könnte, sondern daß niemals in verschiedener Weise geglaubt, nie anders verstanden, aufgefaßt wird die absolute, unabänderliche Wahrheit, die seit Anfang von den Aposteln gepredigt wurde? (1800, 1818, 2145, 2147)
3. Glaubst Du, daß es nichts Festeres, Standhafteres, Sichereres, Bestimmteres, Heiligeres gibt als der katholische Glaube, als die Dogmen dieses Glaubens und daß es nichts Unsichereres gibt als die menschliche Vernunft, die verschieden nach der Verschiedenheit der Geister und unzähligen Täuschungen und Irrungen unterworfen ist? (1636, 1637, 1638, 1642)
4. Glaubst Du, daß die göttliche Offenbarung vollständig ist (seit dem Tode des letzten Apostels) und daher keinem steten unbegrenzten Fortschritt unterworfen ist, der dem Fortschritt der menschlichen Vernunft entsprechen muß? (1705)
5. Glaubst Du, daß diejenigen, die einmal den Glauben unter dem kirchlichen Lehramt angenommen haben, niemals einen gerechten Grund haben können, diesen Glauben zu wechseln oder in Zweifel zu ziehen? (1794, 1815)
6. Glaubst Du, daß jede Behauptung, die der Wahrheit des erleuchteten Glaubens widerspricht, falsch ist, Irrtum ist, der durch den Schein der Wahrheit trügt? (1797, 1798)
7. Glaubst Du, daß sich die Geheimnisse des Glaubens durch vollständig zutreffende und nicht nur durch sogenannt angenäherte und ständig wandelbare Begriffe ausdrücken lassen? (2310)
8. Hältst Du es für widersinnig und für durchaus nicht notwendig, daß die Theologie die alten Begriffe durch neue ersetzt? (2310)
9. Glaubst Du, daß es nicht erlaubt ist, von dogmatischen Begriffen abzugehen? (2311)
10. Glaubst Du, daß ein und derselbe Gott Urheber des Alten und Neuen Bundes, d.h. des Gesetzes, der Propheten und des Evangeliums ist, daß die Heiligen der beiden Bünde auf Eingebung ein und desselben Heiligen Geistes gesprochen haben, daß die ganzen Bücher mit allen ihren Teilen, wie sie in der katholischen Kirche gelesen werden und in der alten lateinischen Vulgata-Ausgabe enthalten sind, als heilig und kanonisch betrachtet werden müssen und die Offenbarung ohne Irrtum enthalten, daß sie mit allen ihren Teilen unter Eingebung des Heiligen Geistes verfaßt sind, und da der göttlichen Eingebung kein Irrtum unterlaufen kann, nachdem sie ihrem Wesen nach jeden Irrtum ausschließt, es nutzlos ist, sich darauf zu berufen, daß der Heilige Geist Menschen als Werkzeuge zum Schreiben benützt habe: so seien nicht dem eigentlichen Urheber, sondern den inspirierten Verfassern Irrtümer unterlaufen. Denn mit übernatürlicher Kraft hat Er sie so zum Schreiben angeregt und bestimmt, ist ihnen so beim Schreiben zur Seite gestanden, daß sie alles das, aber auch nur das, was er sie hieß, richtig im Geist auffaßten, getreu niederschreiben wollten und auch passend in unfehlbarer Wahrheit ausdrückten. (706, 784, 785, 1787, 1951, 1952)
11. Glaubst Du, daß kein Christgläubiger Ansichten, die als der Glaubenslehre widersprechend erkannt werden - besonders wenn sie von der Kirche verworfen sind -, als echte Ergebnisse der Wissenschaft verteidigen darf; daß er sie vielmehr für Irrtümer halten muß, die durch den Schein der Wahrheit trügen? (1798)
12. Glaubst Du, daß Wunder und Prophezeiungen geschehen können, daß also die überlieferten Wunderberichte und Prophetien, auch die in der Heiligen Schrift enthaltenen, nicht unter die Legenden und Mythen zu verweisen sind und daß die Wunder und Prophezeiungen sicher erkannt werden können und durch sie der göttliche Ursprung der christlichen Religion ganz sicher und rechtmäßig bewiesen werden kann, daß sie ganz sichere und der Fassungskraft aller angemessene Zeichen der göttlichen Offenbarung sind? (1790, 1813, 2145)
13. Hältst Du daran fest, daß niemand gegen die einstimmige Väterlehre die Heilige Schrift erklären darf? (1788, 1944, 1945)
14. Glaubst Du an den geschichtlichen Wortsinn der ersten Kapitel der Genesis, wo es sich um die Tatsachen handelt, die in diesen Kapiteln erzählt werden und die Grundlagen der christlichen Religion berühren: wie u.a. an die Schöpfung aller Dinge durch Gott zu Beginn der Zeit, an die besondere Schöpfung des Menschen, die Bildung der ersten Frau aus dem ersten Menschen, die Einheit des Menschengeschlechts, das ursprüngliche Glück der Stammeltern im Stand der Gerechtigkeit, Unversehrtheit und Unsterblichkeit, das von Gott dem Menschen gegebene Gebot, um seinen Gehorsam zu erproben, die Übertretung des Gebots, zu der der Teufel unter der Gestalt der Schlange riet, den Ausschluß der Stammeltern aus dem ersten Stand der Unschuld, und schließlich an die Verheißung des kommenden Erlösers? (2123)
15. Glaubst Du, daß die Gläubigen nicht die Ansicht halten können, deren Vertreter behaupten, es habe nach Adam auf unserer Erde wirkliche Menschen gegeben, die nicht aus ihm, als dem Stammvater aller, auf dem Wege natürlicher Zeugung ihren Ursprung hätten, oder "Adam" bedeute eine Mehrheit von Stammvätern? (2328)
16. Glaubst Du mit den heiligen Vätern, daß die heilige und immer jungfräuliche und unbefleckte Maria als Gottesgebärerin eigentlich und wahrhaft das göttliche Wort selbst, das vom Vater vor aller Zeit gezeugt, in den letzten Zeiten, ohne Samen, vom Heiligen Geiste empfangen und unversehrt geboren hat, indem unverlezt blieb ihre Jungfrauschaft auch nach der Geburt? (256)
17. Glaubst Du, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt blieb? (1641)
18. Glaubst Du, daß in der Verkündigung die Zustimmung der Jungfrau an Stelle der gesamten menschlichen Natur erwartet wurde, so daß man in vollem Sinn als wahr behaupten darf: Von jenem großen Gnadenschatz, den der Herr gebracht hat - durch Christus sind uns ja Wahrheit und Gnade geworden (Joh. 1,17) - fließt uns nach Gottes Willen nichts zu außer durch Maria. Wie deshalb zum höchsten Vater niemand hintreten kann außer durch den Sohn, so kann gewissermaßen niemand zu Christus hintreten außer durch die Mutter. (1940a)
19. Glaubst Du, daß die seligste Jungfrau Maria so innig an Christi Leiden Anteil genommen hat, daß sie, wenn es möglich gewesen wäre, viel lieber alle Qualen auf sich genommen hätte, die ihr Sohn trug (Bonaventura), und daß sie durch diese Gemeinschaft in Leid und Wille zwischen ihr und Christus mit Recht verdiente, Wiederherstellerin der verlorenen Welt zu werden und somit Ausspenderin aller Güter, die Jesus uns durch seinen Tod und sein Blut erwarb? (1978a)
20. Glaubst Du, daß die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist, daß sie also als herrliche Krone aller ihrer Ehrenvorzüge erhielt, daß sie von der Verwesung im Grab verschont blieb und wie ihr Sohn nach dem Sieg über den Tod mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen wurde, um dort zur Rechten ihres Sohnes, des unsterblichen Königs der Ewigkeit, als Königin zu erstrahlen? (2331, 2333)
21. Glaubst Du, daß der römische Bischof, wenn er in höchster Lehrgewalt (ex cathedra) spricht, das heißt, wenn er seines Amts als Hirt und Lehrer aller Christen waltend in höchster, apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben oder Sitten sei von der ganzen Kirche festzuhalten, er auf Grund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit besitzt, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren ausgerüstet haben wollte, und daß deshalb diese endültigen Entscheidungen des römischen Bischofs aus sich und nicht auf Grund der Zustimmung der Kirche unabänderlich sind? (1840)
22. Bekennst Du mit Herz und Mund bis aufs letzte Wort eigentlich und wahrhaft all das, was von den heiligen Vätern und von den allgemeinen (oekumenischen) verehrungswürdigen Kirchenversammlungen der heiligen katholischen Kirche Gottes überliefert und verkündet worden ist und nimmst Du die ganze kirchliche Überlieferung an, die geschriebene wie die ungechriebene? (270, 308)
Siehe dazu auch: Das Credo des Gottesvolkes (von Papst Paul VI.)
(Die Zahlen in Klammern sind die Kennziffern des "Enchiridion symbolorum" von Denzinger)
1. Glaubst Du, daß mit göttlichem und katholischem Glauben all das zu glauben ist, was im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist und von der Kirche in feierlichem Entscheid oder durch gewöhnliche und allgemeine Lehrverkündigung als von Gott geoffenbart zu glauben vorgelegt wird? (1792)
2. Glaubst Du, daß immer jener Sinn der heiligen Glaubenswahrheiten beibehalten werden muß, der einmal von der heiligen Mutter der Kirche dargelegt worden ist und daß man nie von diesem Sinn unter dem Schein und Namen einer höheren Erkenntnis und entsprechend dem Fortschritt der Wissenschaft abweichen darf, daß nicht das Glaubensgegenstand ist, was entsprechend der Kultur eines jeden Zeitabschnittes besser und passender scheinen könnte, sondern daß niemals in verschiedener Weise geglaubt, nie anders verstanden, aufgefaßt wird die absolute, unabänderliche Wahrheit, die seit Anfang von den Aposteln gepredigt wurde? (1800, 1818, 2145, 2147)
3. Glaubst Du, daß es nichts Festeres, Standhafteres, Sichereres, Bestimmteres, Heiligeres gibt als der katholische Glaube, als die Dogmen dieses Glaubens und daß es nichts Unsichereres gibt als die menschliche Vernunft, die verschieden nach der Verschiedenheit der Geister und unzähligen Täuschungen und Irrungen unterworfen ist? (1636, 1637, 1638, 1642)
4. Glaubst Du, daß die göttliche Offenbarung vollständig ist (seit dem Tode des letzten Apostels) und daher keinem steten unbegrenzten Fortschritt unterworfen ist, der dem Fortschritt der menschlichen Vernunft entsprechen muß? (1705)
5. Glaubst Du, daß diejenigen, die einmal den Glauben unter dem kirchlichen Lehramt angenommen haben, niemals einen gerechten Grund haben können, diesen Glauben zu wechseln oder in Zweifel zu ziehen? (1794, 1815)
6. Glaubst Du, daß jede Behauptung, die der Wahrheit des erleuchteten Glaubens widerspricht, falsch ist, Irrtum ist, der durch den Schein der Wahrheit trügt? (1797, 1798)
7. Glaubst Du, daß sich die Geheimnisse des Glaubens durch vollständig zutreffende und nicht nur durch sogenannt angenäherte und ständig wandelbare Begriffe ausdrücken lassen? (2310)
8. Hältst Du es für widersinnig und für durchaus nicht notwendig, daß die Theologie die alten Begriffe durch neue ersetzt? (2310)
9. Glaubst Du, daß es nicht erlaubt ist, von dogmatischen Begriffen abzugehen? (2311)
10. Glaubst Du, daß ein und derselbe Gott Urheber des Alten und Neuen Bundes, d.h. des Gesetzes, der Propheten und des Evangeliums ist, daß die Heiligen der beiden Bünde auf Eingebung ein und desselben Heiligen Geistes gesprochen haben, daß die ganzen Bücher mit allen ihren Teilen, wie sie in der katholischen Kirche gelesen werden und in der alten lateinischen Vulgata-Ausgabe enthalten sind, als heilig und kanonisch betrachtet werden müssen und die Offenbarung ohne Irrtum enthalten, daß sie mit allen ihren Teilen unter Eingebung des Heiligen Geistes verfaßt sind, und da der göttlichen Eingebung kein Irrtum unterlaufen kann, nachdem sie ihrem Wesen nach jeden Irrtum ausschließt, es nutzlos ist, sich darauf zu berufen, daß der Heilige Geist Menschen als Werkzeuge zum Schreiben benützt habe: so seien nicht dem eigentlichen Urheber, sondern den inspirierten Verfassern Irrtümer unterlaufen. Denn mit übernatürlicher Kraft hat Er sie so zum Schreiben angeregt und bestimmt, ist ihnen so beim Schreiben zur Seite gestanden, daß sie alles das, aber auch nur das, was er sie hieß, richtig im Geist auffaßten, getreu niederschreiben wollten und auch passend in unfehlbarer Wahrheit ausdrückten. (706, 784, 785, 1787, 1951, 1952)
11. Glaubst Du, daß kein Christgläubiger Ansichten, die als der Glaubenslehre widersprechend erkannt werden - besonders wenn sie von der Kirche verworfen sind -, als echte Ergebnisse der Wissenschaft verteidigen darf; daß er sie vielmehr für Irrtümer halten muß, die durch den Schein der Wahrheit trügen? (1798)
12. Glaubst Du, daß Wunder und Prophezeiungen geschehen können, daß also die überlieferten Wunderberichte und Prophetien, auch die in der Heiligen Schrift enthaltenen, nicht unter die Legenden und Mythen zu verweisen sind und daß die Wunder und Prophezeiungen sicher erkannt werden können und durch sie der göttliche Ursprung der christlichen Religion ganz sicher und rechtmäßig bewiesen werden kann, daß sie ganz sichere und der Fassungskraft aller angemessene Zeichen der göttlichen Offenbarung sind? (1790, 1813, 2145)
13. Hältst Du daran fest, daß niemand gegen die einstimmige Väterlehre die Heilige Schrift erklären darf? (1788, 1944, 1945)
14. Glaubst Du an den geschichtlichen Wortsinn der ersten Kapitel der Genesis, wo es sich um die Tatsachen handelt, die in diesen Kapiteln erzählt werden und die Grundlagen der christlichen Religion berühren: wie u.a. an die Schöpfung aller Dinge durch Gott zu Beginn der Zeit, an die besondere Schöpfung des Menschen, die Bildung der ersten Frau aus dem ersten Menschen, die Einheit des Menschengeschlechts, das ursprüngliche Glück der Stammeltern im Stand der Gerechtigkeit, Unversehrtheit und Unsterblichkeit, das von Gott dem Menschen gegebene Gebot, um seinen Gehorsam zu erproben, die Übertretung des Gebots, zu der der Teufel unter der Gestalt der Schlange riet, den Ausschluß der Stammeltern aus dem ersten Stand der Unschuld, und schließlich an die Verheißung des kommenden Erlösers? (2123)
15. Glaubst Du, daß die Gläubigen nicht die Ansicht halten können, deren Vertreter behaupten, es habe nach Adam auf unserer Erde wirkliche Menschen gegeben, die nicht aus ihm, als dem Stammvater aller, auf dem Wege natürlicher Zeugung ihren Ursprung hätten, oder "Adam" bedeute eine Mehrheit von Stammvätern? (2328)
16. Glaubst Du mit den heiligen Vätern, daß die heilige und immer jungfräuliche und unbefleckte Maria als Gottesgebärerin eigentlich und wahrhaft das göttliche Wort selbst, das vom Vater vor aller Zeit gezeugt, in den letzten Zeiten, ohne Samen, vom Heiligen Geiste empfangen und unversehrt geboren hat, indem unverlezt blieb ihre Jungfrauschaft auch nach der Geburt? (256)
17. Glaubst Du, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt blieb? (1641)
18. Glaubst Du, daß in der Verkündigung die Zustimmung der Jungfrau an Stelle der gesamten menschlichen Natur erwartet wurde, so daß man in vollem Sinn als wahr behaupten darf: Von jenem großen Gnadenschatz, den der Herr gebracht hat - durch Christus sind uns ja Wahrheit und Gnade geworden (Joh. 1,17) - fließt uns nach Gottes Willen nichts zu außer durch Maria. Wie deshalb zum höchsten Vater niemand hintreten kann außer durch den Sohn, so kann gewissermaßen niemand zu Christus hintreten außer durch die Mutter. (1940a)
19. Glaubst Du, daß die seligste Jungfrau Maria so innig an Christi Leiden Anteil genommen hat, daß sie, wenn es möglich gewesen wäre, viel lieber alle Qualen auf sich genommen hätte, die ihr Sohn trug (Bonaventura), und daß sie durch diese Gemeinschaft in Leid und Wille zwischen ihr und Christus mit Recht verdiente, Wiederherstellerin der verlorenen Welt zu werden und somit Ausspenderin aller Güter, die Jesus uns durch seinen Tod und sein Blut erwarb? (1978a)
20. Glaubst Du, daß die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist, daß sie also als herrliche Krone aller ihrer Ehrenvorzüge erhielt, daß sie von der Verwesung im Grab verschont blieb und wie ihr Sohn nach dem Sieg über den Tod mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen wurde, um dort zur Rechten ihres Sohnes, des unsterblichen Königs der Ewigkeit, als Königin zu erstrahlen? (2331, 2333)
21. Glaubst Du, daß der römische Bischof, wenn er in höchster Lehrgewalt (ex cathedra) spricht, das heißt, wenn er seines Amts als Hirt und Lehrer aller Christen waltend in höchster, apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben oder Sitten sei von der ganzen Kirche festzuhalten, er auf Grund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit besitzt, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren ausgerüstet haben wollte, und daß deshalb diese endültigen Entscheidungen des römischen Bischofs aus sich und nicht auf Grund der Zustimmung der Kirche unabänderlich sind? (1840)
22. Bekennst Du mit Herz und Mund bis aufs letzte Wort eigentlich und wahrhaft all das, was von den heiligen Vätern und von den allgemeinen (oekumenischen) verehrungswürdigen Kirchenversammlungen der heiligen katholischen Kirche Gottes überliefert und verkündet worden ist und nimmst Du die ganze kirchliche Überlieferung an, die geschriebene wie die ungechriebene? (270, 308)
Siehe dazu auch: Das Credo des Gottesvolkes (von Papst Paul VI.)
Montag, Mai 15, 2006
Jesus kann alles; das Vertrauen wirkt Wunder
Wir haben tatsächlich vergessen, daß die heilige Gertrud die Große all die unermeßlichen Gnaden, die sie empfangen hatte, allein ihrem Vertrauen zuschrieb; daß sie auch alle Freunde des göttlichen Herzens Jesu einladet, ein unbegrenztes Vertrauen zu demselben zu hegen, um unbegrenzte Gnaden von Ihm zu erlangen.
Einst bat die Heilige den Herrn um die Rettung einer überaus großen Anzahl gefährdeter Seelen. Sie wagte dabei nicht zu sagen, daß es Seelen im Zustande der Tosünde seien. Da machte ihr der Herr einen sanften Vorwurf, weil sie dadurch ihrem Vertrauen und damit auch Seiner göttlichen Barmherzigkeit Schranken setze. Nun bat St. Gertrud entsprechend der unbegrenzten Barmherzigkeit des göttlichen Herzens Jesu und fragte den Herrn, was sie tun müsse, um diese große Gnade zu erlangen. Der Heiland antwortete ihr: "DAS VERTRAUEN KANN ALLES LEICHT ERLANGEN!" Und Er gewährte der heiligen Gertrud in Seiner Güte all das, worum sie Ihn vertrauensvoll gebeten.
Die heilige Mechtildis, eine Zeitgenossin der heiligen Gertrud, erklärte wiederholt: "Es ist unmöglich, daß der Mensch nicht alles erlange, was er vertrauensvoll geglaubt und gehofft hat." - "Das kommt daher", fügte der Heiland hinzu, da Er ihr diessen Grundsatz einprägte, "weil es Mir so große Freude macht, daß die Menschen große Dinge von Mir erhoffen. ICH WERDE SIE STETS ÜBER IHRE ERWARTUNG ERHÖREN!" (Prevot, Liebe, Freude im Herzen Jesu.)
Wer hat in unserer Zeit wohl tiefer erkannt und besser zum Ausdruck gebrachht, wie überaus wertvoll das unbegrenzte Vertrauen auf die barmherzige Liebe des göttlichen Herzens Jesu ist, als die heilige Theresia vom Kinde Jesu. Sie schreibt:
"Das Vertrauen und zwar das Vertrauen ganz allein ist es, das uns zur Liebe führt. Die Furcht führt uns zur strengen Gerechtigkeit. Von dieser strengen Gerechtigkeit wird der Herr keinen Gebrauch machen gegenüber denen, die Ihn lieben. Er berücksichtigt unsere Schwächen, Er kennt vollkommen die Gebrechlichkeit unserer Natur! Wovor sollte ich Angst haben?"
"Die Erinnerung an meine Fehler verdemütigt mich und bestimmt mich, mich niemals auf meine eigene Kraft zu stützen, die nur Schwäche ist. Mehr noch. Sie weckt in mir das Vertrauen auf Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Wie sollten diese Fehler, wenn man sie mit kindlichstem Vertrauen in den verzehrenden Glutofen der Liebe wirft, nicht für immer verzehrt sein?"
"Aus Liebe leben, heißt die Furcht verbannen, vergang'ner Sünden nimmer ängstlich denken auch. Von meiner Schuld floh jede Spur von dannen, im Gottesfeuer schwandsie hin wie Rauch."
"Ich bin weit entfernt, auf dem Wege der Furcht zu wandeln. Ich weiß immer das Mittel zu finden, glücklich zu sein und aus meiner Armseligkeit Nutzen zu ziehen. Der Heiland selbst ermutigt mich auf diesem Wege."
"Ja, schon seit langem dachte ich, daß der Herr zärtlicher ist als eine Mutter, und ich kenne mehr als ein Mutterherz gründlich! Ich weiß, daß eine Mutter immer bereit ist, die kleinen unfreiwilligen Fehler ihres Kindes zu verzeihen."
Ihre Zuversicht aber geht noch weiter. Außer der Verzeihung hofft sie von Gott auch einen Lohn.
"Ich vertraue Jesus aalles an", schrieb sie. "Ich erzähle Ihm meine Untreuen bis ins Einzelne, da ich in meiner kühnen Hingabe denke, so mehr Gewalt über Sein Herz zu elangen. Auf diese Weise werde ich mir die Liebe dessen, Der nicht gekommen ist, die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder, um so vollständiger erlangen."
"Es ist wahr, ich bin nicht immer treu. Aber ich werde niemals mutlos, sondern überlasse mich den Armen des Herrn.."
"JESUS KANN ALLES: DAS VERTRAUEN WIRKT WUNDER."
Die kleine heiligeTheresia vom Kinde Jesu wagt folgendes zu behaupten: "Da der liebe Gott so reich und mächtig ist, verlangt Seine Ehre, daß Er uns nicht enttäusche; wenn wir etwas von Ihm erhoffen, was Er uns nicht zu geben vorhatte, so gibt Er es uns ... Aber wir müssen Ihm sagen: Ich weiß wohl, nie werde ich dessen, was ich erhoffte, wert sein. Ich strecke Dir nur meine Hand, vollständiger Erhörung sicher, gleich einer kleinen Bettlerin entgegen."
"WAS JESUS KRÄNKT UND SEIN HERZ VERLETZT, IST DER MANGEL AN VERTRAUEN!" (D. W. Mut)
Mögen JESUS und MARIA uns allen DIESES Vertrauen in reichster Fülle schenken, das ist mein Wunsch für Sie, liebe Leser, und für meine eigene Armseligkeit. (POS)
Sonntag, April 30, 2006
Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments - Vulgata - Allioli
Deckblatt (Frontispice) der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments, Aus der Vulgata mit Bezug auf den Grundtext neu übersetzt und mit kurzen Anmerkungen erläutert von Dr. Joseph Franz Allioli. Mit Approbation des apostolischen Stuhles. Mit Holzschnitten nach Zeichnungen der ersten Künstler Deutschlands. Landsut. Vogel'sche Verlagsbuchhandlung. München. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta'schen Buchhandlung.VORWORT
Vielfältige Anfragen und Aufforderungen haben mich veranlaßt, von meinem Bibelwerke die vorliegende Handausgabe mit verkürzter Erläuterung des Textes zu veranstalten. Wenige Worte werden genügen, diese neue Ausgabe zu rechtfertigen und den geneigten Leser mit ihrer inneren Einrichtung bekannt zu machen.
Die Vorschrift der katholischen Kirche, Bibelübersetzungen in der Volkssprache nicht ohne erläuternde Anmerkungen dem gemischten Publikum zu übergeben, bezieht sich auf jene Stellen der Schrift, welche von minder unterrichteten Lesern leicht mißverstanden und im Widerspruche mit der katholischen Glaubens- und Sittenlehre aufgefaßt werden könnten. Die Kirche, eine sorgsame Mutter, will ihre Kinder, die Gläubigen,vor solcher Gefahr schützen. Es sind aber solcher Stellen nicht so viele, als etwa manche glauben möchten. Jener Bestandtheil der Schrift nämlich, der es unmittelbar mit Lehre und Sitte zu thun hat, eine Stütze unseres Glaubens und sittlichen Wandels, unsere Hoffnung, unser Trost in den Wechselfällen dieses vergänglichen Lebens seyn soll, ist für arglose Gemüther größtentheils klar und deutlich, und bedarf nur weniger Nachhilfe, um vor Mißverständnissen und irrthümlicher Auffassung geschützt zu werden. Die bei weitem meiste Dunkelheit liegt auf jenen Theilen der Schrift, die mit der Erbauung des Lesers, seiner Förderung im Glauben und sittlichen Wandel nur in entfernter Beziehung stehen. Dazu gehört alles, was die Schrift von der Geschichte der alten Völker, ihren Gesetzen und politischen Einrichtungen, ihren Sitten und Gebräuchen, ihren Länderstrichen und Wohnsitzen, ihren Erlebnissen und Schicksalen erwähnt, ja selbst vieles von den darin vorzugsweise aufgeführten Geschichten und Eigenthümlichkeiten des israelitischen Volkes. Diese in die Bibel verwebten Nachrichten über alterthümliche Zustände sind allerdings häufig sehr schwer verständlich und erfordern für solche, welche sich die Schrift nach jeglicher Richtung hin möglichst klar machen wollen, eine mehr oder weniger ausführliche Erläuterung; aber für Leser, welche nur Erbauung bezwecken, und solcher Art sind wohl die meisten, haben sie und ihre Erläuterung nur ein sehr untergeodnetes Interesse, und kann diese darum in Bibeln, die den Zweck der Erbauung verfolgen, füglich weggelassen und sich auf jene Bermerkungen beschränkt werden, die den oben erwähnten Mißverständnissen begegnen sollen. Ist eine solche Beschränkung des erklärenden Bestandtheiles der Volklsbibeln an und für sich zweckgemäß, so hat sie auch noch den Vortheil, daß sie es möglich macht, den Schatz des göttlichen Wortes in einem bequemeren und billigeren Gefäße darzubieten und dadurch zugänglicher zu machen, ohne doch dem Gesammtinhalte desselben, dessen Theile innig mit einander verbunden und unzertrennlich sind, einen eigentlichen Abbruch zu thun.
In Erwägung dieses Verhälnisses mußte es angemessen erscheinen für solche Leser, denen es nicht so fast um Kenntniß des alterthümlichen Schauplatzes der Bibel, als um Erbauung zu thun ist, aus dem größeren Werke einen solchen Auszug gleichsam als Handausgabe zu veranstalten, der sich zur Aufgabe machte, dem Hauptzwecke christlicher Erbauung genügende Rechnung zu tragen, ohne sich doch in das Feld der erbauenden Schrifterklärung zu verlieren.
Um diese Aufgabe zu lösen, war von dem größeren Werke manches beizubehalten, anderes wegzulassen.
Beibehalten mußte werden der päpstlich approbirte vollständige Text der deutschen Uebersetzung, dann jene erläuternden Anmerkungen, welche dogmatischen und moralischen Mißverständnissen vorzubeugen suchen. Diese wurden entweder vollständig oder im Auszuge gegeben, entweder unter dem Texte oder in mehr oder weniger ausführlichen Summarien an der Spitze der Capitel, je nachdem das eine oder andere in den vorkommenden Fällen passender erschien. Ferner da sich die Schrift häufig selbst erklärt, wurden am Ende der Verse die erklärenden Parallelstellen eingeschaltet, theils zur nächsten Erläuterung, theils um dem forschenden Leser ein weiteres Feld der Betrachtung zu öffenen. Endlich wurden die in dem Texte der größeren Ausgabe befindlichen Notenziffern auch in den Text dieser Handausgabe eingesetzt, um den wißbegierigen Leser, der etwa noch weitere Erklärung wünscht, dahin zu verweisen, wo er sie finden könnte.
Dagegen mußte alles wegglassen weren, was gelehrter Bestandtheil der größeren Ausgabe ist, also die Bemerkungen über die Abweichungen der Vulgata von dem hebräischen, chaldäischen und griechischen Texte, dann die archälologischen und historischen Erläuterungen jeder Art, da wo sie nicht zur Hebung obiger Mißverständnisse unumgänglich nothwendig waren.
Damit glaubte ich nicht nur zur Erreichung des Zweckes anzuleiten, den die Schrift selbst (2. Tim. 3, 16. 17.) bei der Lesung der Schrift erreicht wissen will, sondern mich auch innerhalb der von dem apostolischen Stuhle in seiner Druckbewilligung meines größeren Werkes gesetzten Bedingungen zu halten, die sich lediglich auf eine treue Uebersetzung der Vulgata und die Beigabe von Erläuterungen im katholischen Sinne und Geiste beziehen, ohne ein bestimmtes Maß dieser Erläuterungen vorzuschreiben.
In dieser letzteren Beziehung aber war ich verpflichtet, nur einen solchen Auszug meiner Bibel dem katholischen Publikum zu übergeben, der auch eine kirchliche Billigung für sich hätte, und darum erscheinen die einzelnen Hefte dieser Handausgabe unter ausdrücklicher Druckbewilligung meines hochwürdigsten Ordinariates, das mir die Durchsicht und Prüfung derselben gnädigst zugesichert hat.
Möge auch diese Ausgabe meiner Bibel zur Ehre Gottes und zum Heile seiner Seelen gereichen!
Augsburg, am Feste der Geburt des Herrn 1850. - Dr. Joseph Franz Allioli
Siehe auch diese weiteren Deckblätter dieser Bibel-Ausgabe
Samstag, April 29, 2006
Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments

Aus der Vulgata mit Bezug auf den Grundtext neu übersetzt und mit kurzen Anmerkungen erläutert von Dr. Joseph Franz Allioli. Mit Approbationdes apostolischen Stuhles. Mit Holzschnitten nach Zeichnungen der ersten Künstler Deutschlands. Landshut. Vogel'sche Verlagsbuchhandlung. München. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta'schen Buchhandlung.
Freitag, April 14, 2006
Wer ist ein Christ? Wer nicht? - Zum Sechsten
Und nocheinmal anders kann man den Christen vom Nichtchristen unterscheiden:
Gott ist die Liebe. Und all sein Sein und Wirken ist nichts als LIEBE. Und ALLES, was aus Ihm hervorgeht, ist LIEBE. Wer also die(se) Liebe hat und in der (in dieser) Liebe bleibt, der ist aus Gott und bleibt in Gott, ist also Geschöpf und Kind Gottes und damit kern- und wesenhaft CHRIST.
Der hl. Kirchenvater Augustinus hat in der Osterwoche des Jahres 416, also „auf dem Höhepunkt seiner bischöflichen Wirksamkeit und seines geistigen Lebens", in der Kathedrale zu Hippo (Nordafrika) eine Reihe von Predigten über den ersten Johannesbrief gehalten, die zum Schönsten gehören, was wir vom diesem großen lateinischen Kirchenlehrer besitzen. Sie behandeln sein Lieblingsthema, den Zentralgegenstand seiner ganzen Theologie: die Liebe, die Caritas.
Vielleicht die wertvollste dieser Predigten ist die fünfte, der die folgende Auswahl entnommen ist. Ich entlehne sie der Übersetzung von Dr. Fritz Hofmann, der vor Jahrzehnten die Predigten des hl. Augustinus über den ersten Johannesbrief unter dem Titel „Gott ist die Liebe" als Band der Sammlung „Zeugen des Wortes" herausgegeben hat. Da es sich dabei um einen Kommentar des Textes der johanneischen Epistel handelt, schicke ich die in Betracht kommenden Abschnitte nach der Übersetzung von Rösch voraus:
«Wer aus Gott geboren ist, tut keine Sünde. Sein Lebenskeim bleibt in ihm. Er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. Daran erkennt man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels: Wer das Rechte nicht tut, ist nicht aus Gott. Ebensowenig, wer seinen Bruder nicht liebt. Das ist ja die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt: Wir sollen einander lieben. Nicht wie Kain, der vom Bösen herkam und seinen Bruder erschlug. Und warum erschlug er ihn? Weil sein Tun böse war, das seines Bruders aber gerecht. Wundert euch nicht, Brüder, wenn die Welt euch haßt. Wir wissen, daß wir aus dem Tode zum Leben gekommen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer keine Liebe hat, bleibt im Tode. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder. Und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Leben in sich trägt. – Daran haben wir die Liebe Gottes erkannt, daß er sein Leben für uns hingegeben hat. So müssen auch wir das Leben für unsere Brüder hingeben. Wer die Güter der Welt besitzt und seinen Bruder Not leiden sieht, und doch sein Herz vor ihm verschließt: wie kann in dem die Liebe Gottes wohnen? Kinder, laßt uns nicht mit Worten und mit der Zunge lieben, sondern in der Tat und in der Wahrheit!» (1 Jo. 3,9-19)
Dazu nun der Kommentar, die Auslegung des hl. Augustinus:
Dieser (Johannes-) Brief, der allen köstlich ist, deren Herz einen gesunden Geschmack hat, Gottes Brot zu schmecken, und der in der heiligen Kirche Gottes in hohem Ansehen steht, legt besonders die Liebe ans Herz. Von nichts anderem fast spricht er ja als von der Liebe. Wer ein inneres Organ zum Hören hat, wird mit Freude darauf horchen müssen. So wird diese Lesung ihm sein wie Öl ins Feuer. Wenn da etwas ist, das genährt werden kann, dann erhält es Nahrung und wächst und bleibt. Desgleichen soll es für manche so sein wie Feuer auf den Zunder, so daß er, wenn er vorher nicht brannte, durch die Predigt entzündet wird. Denn bei den einen findet Nahrung, was bereits da ist, bei den andern wird entflammt, was noch fehlt, so daß wir alle in einer einzigen Liebe unsere Freude finden. Wo aber die Liebe ist, da ist der Friede; und wo die Demut ist, da ist die Liebe. So wollen wir ihn jetzt hören und auch zu euch über seine Worte reden, was der Herr eingibt, auf daß ihr sie recht versteht.
Die Liebe also empfehlen wir; die Liebe empfiehlt dieser Brief. Nur um das eine fragt der Herr nach der Auferstehung den Petrus: „Liebst du mich?“ Und es war ihm nicht genug, einmal zu fragen; ein zweites und ein drittes Mal stellt er keine andere Frage. Obgleich Petrus die dritte Frage als Kränkung empfand, als wollte er ihm nicht glauben, als wüßte er nicht, was in ihm vorging, fragte er ihn dennoch ein erstes, zweites, drittes Mal. Dreimal verleugnete die Furcht, dreimal bekannte die Liebe. Siehe, Petrus liebt den Herrn. Was wird er ihm geben? Beunruhigt nicht auch ihn jenes Psalmwort: „Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was er mir getan hat?" Der Sänger des Psalmes dachte nämlich daran, wieviel Gott ihm gegeben hatte; und er fragte, wie er es Gott vergelten sollte, und fand keine Antwort. Alles, womit du ihm vergelten willst, hast du ja von ihm empfangen, um es ihm zu geben. Und was fand er zur Vergeltung? Wir sagten es schon, Brüder, was er von ihm empfangen hatte, das fand er als Gegengabe. „Den Kelch des Heiles will ich ergreifen, und den Namen des Herrn will ich anrufen" (Ps.115,12f). Denn wer sonst hatte ihm den Kelch des Heils gegeben als der, dem er vergelten wollte? Den Kelch des Heils ergreifen und den Namen des Herrn anrufen, das heißt aber an der Liebe sich sättigen und sich in einem solchen Maße sättigen, daß du den Bruder nicht nur nicht hassest, sondern bereit bist, für den Bruder zu sterben. Das ist die vollkommene Liebe, daß du bereit bist, für den Bruder zu sterben. Diese Liebe hat der Herr für seine eigene Person getätigt, da er für alle starb und für seine Kreuziger betend die Worte sprach: „Vater, verzeihe ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun" (Luk 23,34). Aber er war nicht der Meister, wenn er allein dies tat, wenn er keine Schüler hatte. Es folgten ihm die Schüler und handelten ebenso. Gesteinigt wurde Stephanus und betete gebeugten Knies: „Herr, rechne es ihnen nicht zur Sünde an!" (Apg. 7,59). Er liebte die, von denen er getötet wurde, weil er ja sogar für sie starb. Höre auch den Apostel Paulus: „Ich selbst will mich hingeben für euere Seelen" (2 Kor. 12,15). Er war ja unter denen, für die Stephanus Fürbitte eingelegt hatte, als er durch ihre Hand starb. Das also ist die vollkommene Liebe. Wenn einer so große Liebe hat, daß er bereit ist, für den Bruder sogar zu sterben, dann ist die Liebe in ihm vollkommen. Ist sie aber, sobald sie entsteht, auch schon ganz vollkommen? Nein! Damit sie vollkommen werde, wird sie geboren; ist sie geboren, wird sie genährt; durch die Nahrung wird sie gekräftigt; wenn sie gestärkt ist, dann wird sie vollendet. Wie aber spricht sie, wenn sie vollkommen geworden ist? „Leben ist für mich Christus und Sterben Gewinn. Ich wünschte aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein; denn das ist bei weitem das Bessere. Das Verbleiben aber im Fleisch ist notwendig um euretwillen" (Phil. 1,21,23f). Um derentwillen, für die er bereit war zu sterben, wollte er leben.
(Ist die Deutung des Wortes, daß „jeder der aus Gott geboren ist, keine Sünde tut“, auf die Liebe, bzw. die Sünde gegen die Liebe auch nicht willkürlich, sondern sachlich begründet?) Möge also Johannes uns belehren, welche Sünde er meint, damit nicht etwa nur ich aufs geratewohl erkläre, daß diese Sünde in der Verletzung der Liebe liege, weil er vorher sagte: „Wer seinen Bruder haßt, ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen verblendet hat" (2,11). Vielleicht weist Johannes im Folgenden ausdrücklich auf die Liebe hin. Seht, daß jener zusammengehörige Textabschnitt dieses Ende hat, diesen Ausgang nimmt: «Jeder, der aus Gott geboren ist, sündigt nicht; denn sein Same bleibt in ihm.» Der Same Gottes ist das Wort Gottes, weshalb der Apostel sagt: «Durch das Evangelium habe ich euch gezeugt» (1 Kor. 4,15). «Ja, er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.» Sage er also und sehen wir, worin er nicht sündigen kann! «Darin sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels offenbar: Jeder, der nicht gerecht ist und der seinen Bruder nicht liebt, ist nicht von Gott» (3,9f). Jetzt ist es offenbar, weshalb er sagt: «Wer seinen Bruder nicht liebt.» Die Liebe allein scheidet die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels. Mögen alle mit dem Zeichen des Kreuzes sich bezeichnen; mögen alle antworten Amen; mögen alle Alleluja singen; mögen alle getauft werden, in die Kirche eintreten - der Unterschied zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Teufels liegt einzig in der Liebe. Die die Liebe haben, sind aus Gott geboren; die sie nicht haben, sind nicht aus Gott geboren. Ein großes Zeichen, eine große Unterscheidung! Habe, was immer du willst. Hast du dies eine nicht, nützt es dir nichts; wenn du anderes nicht hast. So habe nur dies, und du hast das Gesetz erfüllt. «Denn wer den Nächsten liebt, der hat das Gesetz erfüllt», sagt der Apostel und: «Die Fülle des Gesetzes ist die Liebe» (Röm.13,8.10). Ich glaube, daß das die Perle ist, die der Kaufmann nach der Schilderung des Evangeliums gesucht hat, jene Perle, die er fand und für die er alles verkaufte, was er hatte, und die er erwarb (vgl. Matth.13,46). Das ist die kostbare Perle, die Liebe, ohne die dir nichts nützt, soviel du auch hast; und die dir genügt, wenn du sie und sonst nichts besitzest. Jetzt siehst du im Glauben, dereinst wirst du in der Schau sehen. Denn wenn wir lieben, wo wir nicht sehen, wie werden wir erst umfangen, wo wir sehen?
Aber wie müssen wir uns darauf üben? Durch die Bruderliebe. Du kannst mir sagen: Ich habe Gott nicht gesehen! Kannst du mir etwa auch sagen: Ich habe den Menschen nicht gesehen? Liebe den Bruder! Denn wenn du den Bruder, den du siehst, liebst, wirst du zugleich auch Gott schauen; denn du wirst die Liebe schauen, und in ihrem Innersten wohnt Gott.
«Wer nicht gerecht ist und wer seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott. Denn das ist die Kunde» – höre, wie er es bekräftigt: «Denn das ist die Kunde, die wir von Anfang an vernommen haben, daß wir einander lieben sollen» (3,10f). Er macht es uns vollkommen klar, daß er mit Bezug darauf sagt: Wer gegen dieses Gebot handelt, der ist in jener verwerflichen Sünde, in die solche nicht fallen, die aus Gott geboren werden.
«Wundert euch nicht, Brüder, wenn euch die Welt haßt» (3,13). Wie oft muß ich es euch noch sagen, was die Welt ist? Die Welt in schlechtem Sinn sind jene, die die Welt lieben; die Welt in gutem Sinn sind Himmel und Erde und was an Werken Gottes darin ist. Darum heißt es: «Und die Welt ist durch ihn gemacht worden» (Joh. 1,10). Ebenso ist die Welt die ganze Erde, wie Johannes sagt: «Der Versöhner ist er nicht nur für unsere Sünden, sondern für die der ganzen Welt» (2,2). „Welt" meint hier alle Gläubigen, die über den Erdkreis hin verstreut sind. Die Welt in schlechtem Sinn aber sind die, welche die Welt lieben. Die die Welt lieben, können den Bruder nicht lieben.
«Wenn uns die Welt haßt, so wissen wir» -was wissen wir?: «Daß wir vom Tode zum Leben übergegangen sind.» Woher wissen wir es? «Weil wir die Brüder lieben.» Niemand frage einen andern Menschen, jeder halte Einkehr in sein Herz! Wenn er dort die Bruderliebe findet, so sei er ohne Sorge; denn er ist vom Tod zum Leben übergegangen. Schon ist er auf der rechten Seite; nicht achte er darauf, daß seine Herrlichkeit jetzt verborgen ist; wenn der Herr kommt, dann wird das Leben in Herrlichkeit erscheinen. Schon jetzt besitzt er das Leben, aber noch wie im Winter. Die Wurzel ist voll Lebenskraft, aber die Zweige sind gleichsam noch dürr; innen ist das Mark, in dem der Saft quillt, innen sind die Blätter der Bäume, innen die Frucht; sie warten nur auf den Sommer. Also «wissen wir, daß wir vom Tode zum Leben übergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, der bleibt im Tode» (3,14). Glaubt nicht, Brüder, daß es nicht darauf ankomme, zu hassen oder nicht zu lieben; hört noch, was folgt: «Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder.» Wird also einer, der seinen Bruder nicht achtet, auch den Menschenmord in seinem Herzen schon gering achten? Er rührt die Hand nicht, um einen Menschen zu töten, und schon wird er vom Herrn für einen Mörder gehalten; jener lebt, und dieser wird bereits als Mörder verurteilt. «Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder; und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Leben hat, das in ihm bleibt» (3,15).
«Daran erkennen wir die Liebe», die Vollkommenheit der Liebe meint er, jene vollkommene Liebe, die wir euch ans Herz gelegt haben; «Darum erkennen wir die Liebe, daß jener für uns sein Leben eingesetzt hat; und so müssen auch wir das Leben für unsere Brüder einsetzen» (3,16). Nun sieh den Sinn des «Petrus, liebst du mich? Weide meine Schafe!» Damit ihr wißt, daß er nach seinem Willen seine Schafe so leiten sollte, daß er sein Leben für sie einsetzte, fügte er sogleich hinzu: «Da du ein Jüngling warst, gürtetest du dich selbst und gingest, wohin du wolltest; wenn du aber älter geworden bist, wird ein anderer dich gürten und wird dich bringen, wohin du nicht willst. Das aber sagte er – bemerkt der Evangelist –, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde" (Joh. 21,156), um den zu lehren, daß er sein Leben für seine Schafe einsetzen müsse, zu dem er gesagt hatte: «Weide meine Schafe».
Wo aber nimmt die Liebe ihren Anfang, Brüder? Worin sie vollendet wird, das habt ihr gehört. Ihr Ziel und Maß hat der Herr selbst im Evangelium nahegelegt: «Eine größere Liebe hat niemand, sagt er, als daß er sein Leben hingibt für seine Freunde» (Joh. 15,13). Ihre Vollendung also zeigt er im Evangelium. Doch ihr fragt euch: Können wir je diese Liebe haben? Verzweifle nicht vorschnell! Vielleicht ist sie schon geboren, aber nur noch nicht vollendet; nähre sie, damit sie nicht ersticke! Doch du wirst mir sagen: Woher kann ich das wissen, daß sie in mir schon geboren ist? Von der Vollendung der Liebe haben wir gehört; vernehmen wir nun ihren Anfang! Johannes fährt fort mit den Worten: «Wer aber die Güter der Welt hat und seinen Bruder hungern sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie wird die Liebe Gottes in ihm bleiben können?» (3,17) Siehe da, wo die Liebe ihren Anfang nimmt! Wenn du noch nicht bereit bist, für den Bruder zu sterben, so solltest du doch schon bereit sein, dem Bruder von deinen Gütern mitzuteilen. Möge die Liebe dein Herz bewegen, daß du nicht aus Ruhmsucht, sondern aus lauterster Barmherzigkeit handelst, daß du ihn rein in seiner Bedürftigkeit siehst. Denn wenn du dem Bruder nicht einmal von deinem Überfluß geben kannst, kannst du dann für ihn dein Leben einsetzten? An deinem Busen birgst du das Gold, das dir Diebe stehlen können; und wenn es nicht Diebe wegnehmen, wirst du es im Tode lassen müssen, auch wenn es dich bei Lebzeiten nicht verläßt. Was wirst du also tun? Es hungert dein Bruder, er befindet sich in einer Notlage; vielleicht ist er in großer Verlegenheit, von einem Gläubiger bedrängt; er besitzt selbst nichts, du hast etwas: Dein Bruder ist er; zumal seid ihr erkauft um den nämlichen Preis, beide seid ihr durch das Blut Christi erlöst; sieh, daß du dich seiner erbarmst, weil du weltliche Güter hast! Was geht das mich an?, sagst du vielleicht. Soll ich mein Geld hingeben, damit jener vor einer Unannehmlichkeit bewahrt bleibt? Wenn dir dein Herz so antwortet, dann bleibt die Liebe des Vaters nicht in dir. Wenn die Liebe des Vaters nicht in dir bleibt, bist du nicht aus Gott geboren. Wie kannst du dich da rühmen, ein Christ zu sein? Den Namen hast du wohl, die Taten hast du nicht. Wenn du aber mit dem Namen die Tat verbindest, dann mag einer dich einen Heiden schelten, du erweisest dich durch die Tat als Christ! Denn wenn du dich nicht im Werk als Christ erweisest, mögen alle dich einen Christen nennen, was nützt dir der Name, wo dir die Wirklichkeit fehlt? «Wer aber die Güter der Welt hat und seinen Bruder Not leiden sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie kann die Liebe Gottes in einem solchen bleiben?» Und Johannes fährt fort: «Kindlein, nicht nur im Worte und nicht bloß mit der Zunge laßt uns lieben, sondern in der Tat und in der Wahrheit!» (3,18)
Gott ist die Liebe. Und all sein Sein und Wirken ist nichts als LIEBE. Und ALLES, was aus Ihm hervorgeht, ist LIEBE. Wer also die(se) Liebe hat und in der (in dieser) Liebe bleibt, der ist aus Gott und bleibt in Gott, ist also Geschöpf und Kind Gottes und damit kern- und wesenhaft CHRIST.
Der hl. Kirchenvater Augustinus hat in der Osterwoche des Jahres 416, also „auf dem Höhepunkt seiner bischöflichen Wirksamkeit und seines geistigen Lebens", in der Kathedrale zu Hippo (Nordafrika) eine Reihe von Predigten über den ersten Johannesbrief gehalten, die zum Schönsten gehören, was wir vom diesem großen lateinischen Kirchenlehrer besitzen. Sie behandeln sein Lieblingsthema, den Zentralgegenstand seiner ganzen Theologie: die Liebe, die Caritas.
Vielleicht die wertvollste dieser Predigten ist die fünfte, der die folgende Auswahl entnommen ist. Ich entlehne sie der Übersetzung von Dr. Fritz Hofmann, der vor Jahrzehnten die Predigten des hl. Augustinus über den ersten Johannesbrief unter dem Titel „Gott ist die Liebe" als Band der Sammlung „Zeugen des Wortes" herausgegeben hat. Da es sich dabei um einen Kommentar des Textes der johanneischen Epistel handelt, schicke ich die in Betracht kommenden Abschnitte nach der Übersetzung von Rösch voraus:
«Wer aus Gott geboren ist, tut keine Sünde. Sein Lebenskeim bleibt in ihm. Er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. Daran erkennt man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels: Wer das Rechte nicht tut, ist nicht aus Gott. Ebensowenig, wer seinen Bruder nicht liebt. Das ist ja die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt: Wir sollen einander lieben. Nicht wie Kain, der vom Bösen herkam und seinen Bruder erschlug. Und warum erschlug er ihn? Weil sein Tun böse war, das seines Bruders aber gerecht. Wundert euch nicht, Brüder, wenn die Welt euch haßt. Wir wissen, daß wir aus dem Tode zum Leben gekommen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer keine Liebe hat, bleibt im Tode. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder. Und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Leben in sich trägt. – Daran haben wir die Liebe Gottes erkannt, daß er sein Leben für uns hingegeben hat. So müssen auch wir das Leben für unsere Brüder hingeben. Wer die Güter der Welt besitzt und seinen Bruder Not leiden sieht, und doch sein Herz vor ihm verschließt: wie kann in dem die Liebe Gottes wohnen? Kinder, laßt uns nicht mit Worten und mit der Zunge lieben, sondern in der Tat und in der Wahrheit!» (1 Jo. 3,9-19)
Dazu nun der Kommentar, die Auslegung des hl. Augustinus:
Dieser (Johannes-) Brief, der allen köstlich ist, deren Herz einen gesunden Geschmack hat, Gottes Brot zu schmecken, und der in der heiligen Kirche Gottes in hohem Ansehen steht, legt besonders die Liebe ans Herz. Von nichts anderem fast spricht er ja als von der Liebe. Wer ein inneres Organ zum Hören hat, wird mit Freude darauf horchen müssen. So wird diese Lesung ihm sein wie Öl ins Feuer. Wenn da etwas ist, das genährt werden kann, dann erhält es Nahrung und wächst und bleibt. Desgleichen soll es für manche so sein wie Feuer auf den Zunder, so daß er, wenn er vorher nicht brannte, durch die Predigt entzündet wird. Denn bei den einen findet Nahrung, was bereits da ist, bei den andern wird entflammt, was noch fehlt, so daß wir alle in einer einzigen Liebe unsere Freude finden. Wo aber die Liebe ist, da ist der Friede; und wo die Demut ist, da ist die Liebe. So wollen wir ihn jetzt hören und auch zu euch über seine Worte reden, was der Herr eingibt, auf daß ihr sie recht versteht.
Die Liebe also empfehlen wir; die Liebe empfiehlt dieser Brief. Nur um das eine fragt der Herr nach der Auferstehung den Petrus: „Liebst du mich?“ Und es war ihm nicht genug, einmal zu fragen; ein zweites und ein drittes Mal stellt er keine andere Frage. Obgleich Petrus die dritte Frage als Kränkung empfand, als wollte er ihm nicht glauben, als wüßte er nicht, was in ihm vorging, fragte er ihn dennoch ein erstes, zweites, drittes Mal. Dreimal verleugnete die Furcht, dreimal bekannte die Liebe. Siehe, Petrus liebt den Herrn. Was wird er ihm geben? Beunruhigt nicht auch ihn jenes Psalmwort: „Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was er mir getan hat?" Der Sänger des Psalmes dachte nämlich daran, wieviel Gott ihm gegeben hatte; und er fragte, wie er es Gott vergelten sollte, und fand keine Antwort. Alles, womit du ihm vergelten willst, hast du ja von ihm empfangen, um es ihm zu geben. Und was fand er zur Vergeltung? Wir sagten es schon, Brüder, was er von ihm empfangen hatte, das fand er als Gegengabe. „Den Kelch des Heiles will ich ergreifen, und den Namen des Herrn will ich anrufen" (Ps.115,12f). Denn wer sonst hatte ihm den Kelch des Heils gegeben als der, dem er vergelten wollte? Den Kelch des Heils ergreifen und den Namen des Herrn anrufen, das heißt aber an der Liebe sich sättigen und sich in einem solchen Maße sättigen, daß du den Bruder nicht nur nicht hassest, sondern bereit bist, für den Bruder zu sterben. Das ist die vollkommene Liebe, daß du bereit bist, für den Bruder zu sterben. Diese Liebe hat der Herr für seine eigene Person getätigt, da er für alle starb und für seine Kreuziger betend die Worte sprach: „Vater, verzeihe ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun" (Luk 23,34). Aber er war nicht der Meister, wenn er allein dies tat, wenn er keine Schüler hatte. Es folgten ihm die Schüler und handelten ebenso. Gesteinigt wurde Stephanus und betete gebeugten Knies: „Herr, rechne es ihnen nicht zur Sünde an!" (Apg. 7,59). Er liebte die, von denen er getötet wurde, weil er ja sogar für sie starb. Höre auch den Apostel Paulus: „Ich selbst will mich hingeben für euere Seelen" (2 Kor. 12,15). Er war ja unter denen, für die Stephanus Fürbitte eingelegt hatte, als er durch ihre Hand starb. Das also ist die vollkommene Liebe. Wenn einer so große Liebe hat, daß er bereit ist, für den Bruder sogar zu sterben, dann ist die Liebe in ihm vollkommen. Ist sie aber, sobald sie entsteht, auch schon ganz vollkommen? Nein! Damit sie vollkommen werde, wird sie geboren; ist sie geboren, wird sie genährt; durch die Nahrung wird sie gekräftigt; wenn sie gestärkt ist, dann wird sie vollendet. Wie aber spricht sie, wenn sie vollkommen geworden ist? „Leben ist für mich Christus und Sterben Gewinn. Ich wünschte aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein; denn das ist bei weitem das Bessere. Das Verbleiben aber im Fleisch ist notwendig um euretwillen" (Phil. 1,21,23f). Um derentwillen, für die er bereit war zu sterben, wollte er leben.
(Ist die Deutung des Wortes, daß „jeder der aus Gott geboren ist, keine Sünde tut“, auf die Liebe, bzw. die Sünde gegen die Liebe auch nicht willkürlich, sondern sachlich begründet?) Möge also Johannes uns belehren, welche Sünde er meint, damit nicht etwa nur ich aufs geratewohl erkläre, daß diese Sünde in der Verletzung der Liebe liege, weil er vorher sagte: „Wer seinen Bruder haßt, ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen verblendet hat" (2,11). Vielleicht weist Johannes im Folgenden ausdrücklich auf die Liebe hin. Seht, daß jener zusammengehörige Textabschnitt dieses Ende hat, diesen Ausgang nimmt: «Jeder, der aus Gott geboren ist, sündigt nicht; denn sein Same bleibt in ihm.» Der Same Gottes ist das Wort Gottes, weshalb der Apostel sagt: «Durch das Evangelium habe ich euch gezeugt» (1 Kor. 4,15). «Ja, er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.» Sage er also und sehen wir, worin er nicht sündigen kann! «Darin sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels offenbar: Jeder, der nicht gerecht ist und der seinen Bruder nicht liebt, ist nicht von Gott» (3,9f). Jetzt ist es offenbar, weshalb er sagt: «Wer seinen Bruder nicht liebt.» Die Liebe allein scheidet die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels. Mögen alle mit dem Zeichen des Kreuzes sich bezeichnen; mögen alle antworten Amen; mögen alle Alleluja singen; mögen alle getauft werden, in die Kirche eintreten - der Unterschied zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Teufels liegt einzig in der Liebe. Die die Liebe haben, sind aus Gott geboren; die sie nicht haben, sind nicht aus Gott geboren. Ein großes Zeichen, eine große Unterscheidung! Habe, was immer du willst. Hast du dies eine nicht, nützt es dir nichts; wenn du anderes nicht hast. So habe nur dies, und du hast das Gesetz erfüllt. «Denn wer den Nächsten liebt, der hat das Gesetz erfüllt», sagt der Apostel und: «Die Fülle des Gesetzes ist die Liebe» (Röm.13,8.10). Ich glaube, daß das die Perle ist, die der Kaufmann nach der Schilderung des Evangeliums gesucht hat, jene Perle, die er fand und für die er alles verkaufte, was er hatte, und die er erwarb (vgl. Matth.13,46). Das ist die kostbare Perle, die Liebe, ohne die dir nichts nützt, soviel du auch hast; und die dir genügt, wenn du sie und sonst nichts besitzest. Jetzt siehst du im Glauben, dereinst wirst du in der Schau sehen. Denn wenn wir lieben, wo wir nicht sehen, wie werden wir erst umfangen, wo wir sehen?
Aber wie müssen wir uns darauf üben? Durch die Bruderliebe. Du kannst mir sagen: Ich habe Gott nicht gesehen! Kannst du mir etwa auch sagen: Ich habe den Menschen nicht gesehen? Liebe den Bruder! Denn wenn du den Bruder, den du siehst, liebst, wirst du zugleich auch Gott schauen; denn du wirst die Liebe schauen, und in ihrem Innersten wohnt Gott.
«Wer nicht gerecht ist und wer seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott. Denn das ist die Kunde» – höre, wie er es bekräftigt: «Denn das ist die Kunde, die wir von Anfang an vernommen haben, daß wir einander lieben sollen» (3,10f). Er macht es uns vollkommen klar, daß er mit Bezug darauf sagt: Wer gegen dieses Gebot handelt, der ist in jener verwerflichen Sünde, in die solche nicht fallen, die aus Gott geboren werden.
«Wundert euch nicht, Brüder, wenn euch die Welt haßt» (3,13). Wie oft muß ich es euch noch sagen, was die Welt ist? Die Welt in schlechtem Sinn sind jene, die die Welt lieben; die Welt in gutem Sinn sind Himmel und Erde und was an Werken Gottes darin ist. Darum heißt es: «Und die Welt ist durch ihn gemacht worden» (Joh. 1,10). Ebenso ist die Welt die ganze Erde, wie Johannes sagt: «Der Versöhner ist er nicht nur für unsere Sünden, sondern für die der ganzen Welt» (2,2). „Welt" meint hier alle Gläubigen, die über den Erdkreis hin verstreut sind. Die Welt in schlechtem Sinn aber sind die, welche die Welt lieben. Die die Welt lieben, können den Bruder nicht lieben.
«Wenn uns die Welt haßt, so wissen wir» -was wissen wir?: «Daß wir vom Tode zum Leben übergegangen sind.» Woher wissen wir es? «Weil wir die Brüder lieben.» Niemand frage einen andern Menschen, jeder halte Einkehr in sein Herz! Wenn er dort die Bruderliebe findet, so sei er ohne Sorge; denn er ist vom Tod zum Leben übergegangen. Schon ist er auf der rechten Seite; nicht achte er darauf, daß seine Herrlichkeit jetzt verborgen ist; wenn der Herr kommt, dann wird das Leben in Herrlichkeit erscheinen. Schon jetzt besitzt er das Leben, aber noch wie im Winter. Die Wurzel ist voll Lebenskraft, aber die Zweige sind gleichsam noch dürr; innen ist das Mark, in dem der Saft quillt, innen sind die Blätter der Bäume, innen die Frucht; sie warten nur auf den Sommer. Also «wissen wir, daß wir vom Tode zum Leben übergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, der bleibt im Tode» (3,14). Glaubt nicht, Brüder, daß es nicht darauf ankomme, zu hassen oder nicht zu lieben; hört noch, was folgt: «Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder.» Wird also einer, der seinen Bruder nicht achtet, auch den Menschenmord in seinem Herzen schon gering achten? Er rührt die Hand nicht, um einen Menschen zu töten, und schon wird er vom Herrn für einen Mörder gehalten; jener lebt, und dieser wird bereits als Mörder verurteilt. «Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder; und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Leben hat, das in ihm bleibt» (3,15).
«Daran erkennen wir die Liebe», die Vollkommenheit der Liebe meint er, jene vollkommene Liebe, die wir euch ans Herz gelegt haben; «Darum erkennen wir die Liebe, daß jener für uns sein Leben eingesetzt hat; und so müssen auch wir das Leben für unsere Brüder einsetzen» (3,16). Nun sieh den Sinn des «Petrus, liebst du mich? Weide meine Schafe!» Damit ihr wißt, daß er nach seinem Willen seine Schafe so leiten sollte, daß er sein Leben für sie einsetzte, fügte er sogleich hinzu: «Da du ein Jüngling warst, gürtetest du dich selbst und gingest, wohin du wolltest; wenn du aber älter geworden bist, wird ein anderer dich gürten und wird dich bringen, wohin du nicht willst. Das aber sagte er – bemerkt der Evangelist –, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde" (Joh. 21,156), um den zu lehren, daß er sein Leben für seine Schafe einsetzen müsse, zu dem er gesagt hatte: «Weide meine Schafe».
Wo aber nimmt die Liebe ihren Anfang, Brüder? Worin sie vollendet wird, das habt ihr gehört. Ihr Ziel und Maß hat der Herr selbst im Evangelium nahegelegt: «Eine größere Liebe hat niemand, sagt er, als daß er sein Leben hingibt für seine Freunde» (Joh. 15,13). Ihre Vollendung also zeigt er im Evangelium. Doch ihr fragt euch: Können wir je diese Liebe haben? Verzweifle nicht vorschnell! Vielleicht ist sie schon geboren, aber nur noch nicht vollendet; nähre sie, damit sie nicht ersticke! Doch du wirst mir sagen: Woher kann ich das wissen, daß sie in mir schon geboren ist? Von der Vollendung der Liebe haben wir gehört; vernehmen wir nun ihren Anfang! Johannes fährt fort mit den Worten: «Wer aber die Güter der Welt hat und seinen Bruder hungern sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie wird die Liebe Gottes in ihm bleiben können?» (3,17) Siehe da, wo die Liebe ihren Anfang nimmt! Wenn du noch nicht bereit bist, für den Bruder zu sterben, so solltest du doch schon bereit sein, dem Bruder von deinen Gütern mitzuteilen. Möge die Liebe dein Herz bewegen, daß du nicht aus Ruhmsucht, sondern aus lauterster Barmherzigkeit handelst, daß du ihn rein in seiner Bedürftigkeit siehst. Denn wenn du dem Bruder nicht einmal von deinem Überfluß geben kannst, kannst du dann für ihn dein Leben einsetzten? An deinem Busen birgst du das Gold, das dir Diebe stehlen können; und wenn es nicht Diebe wegnehmen, wirst du es im Tode lassen müssen, auch wenn es dich bei Lebzeiten nicht verläßt. Was wirst du also tun? Es hungert dein Bruder, er befindet sich in einer Notlage; vielleicht ist er in großer Verlegenheit, von einem Gläubiger bedrängt; er besitzt selbst nichts, du hast etwas: Dein Bruder ist er; zumal seid ihr erkauft um den nämlichen Preis, beide seid ihr durch das Blut Christi erlöst; sieh, daß du dich seiner erbarmst, weil du weltliche Güter hast! Was geht das mich an?, sagst du vielleicht. Soll ich mein Geld hingeben, damit jener vor einer Unannehmlichkeit bewahrt bleibt? Wenn dir dein Herz so antwortet, dann bleibt die Liebe des Vaters nicht in dir. Wenn die Liebe des Vaters nicht in dir bleibt, bist du nicht aus Gott geboren. Wie kannst du dich da rühmen, ein Christ zu sein? Den Namen hast du wohl, die Taten hast du nicht. Wenn du aber mit dem Namen die Tat verbindest, dann mag einer dich einen Heiden schelten, du erweisest dich durch die Tat als Christ! Denn wenn du dich nicht im Werk als Christ erweisest, mögen alle dich einen Christen nennen, was nützt dir der Name, wo dir die Wirklichkeit fehlt? «Wer aber die Güter der Welt hat und seinen Bruder Not leiden sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie kann die Liebe Gottes in einem solchen bleiben?» Und Johannes fährt fort: «Kindlein, nicht nur im Worte und nicht bloß mit der Zunge laßt uns lieben, sondern in der Tat und in der Wahrheit!» (3,18)
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