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Donnerstag, April 19, 2007

Das Tridentinisch-Vatikanische Glaubensbekenntnis



Ich N.N. glaube mit fester Überzeugung und bekenne alles und jedes, was in dem Glaubensbekenntnisse, dessen sich die heilige römische Kirche bedient, enthalten ist, nämlich:
Ich glaube an einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und an einen Herrn Jesum Christum, den eingebornen Sohn Gottes, der aus dem Vater geboren ist von Ewigkeit, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gotte; geboren, nicht erschaffen, einer Wesenheit mit dem Vater; durch den alles erschaffen ist. Der wegen uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen ist; der durch den Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau Fleisch angenommen hat und Mensch geworden ist; der auch unter Pontius Pilatus für uns gekreuzigt worden ist, gelitten hat und begraben wurde; am dritten Tage aber ist er nach der Schrift wieder auferstanden; er ist aufgefahren in den Himmel, sitzet zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; und seines Reiches wird kein Ende sein. Ich glaube auch an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebendigmacher, der vom Vater und dem Sohne ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht wird, der durch die Propheten geredet hat. Ich glaube an eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden und erwarte die Auferstehung der Toten und das künftige ewige Leben. Amen.
Die apostolischen und kirchlichen Traditonen (Überlieferungen) samt den übrigen Gebräuchen und Satzungen der Kirche nehme ich an und verharre dabei fest.
Ebenso nehme ich die Heilige Schrift nach dem Sinne an, den die heilige Mutter, die Kirche, angenommen hat und annimmt, der es zusteht, über den wahren Sinn und die wahre Auslegung der Heiligen Schrift zu urteilen. Niemals will ich dieselbe anders als nach dem einstimmigen Sinne der Väter annehmen und auslegen.
Ich bekenne ferner, daß es sieben wahre und eigentliche Sakramente des Neuen Bundes gibt, die von Jesus Christus, unserm Herrn, eingesetzt und zum Heile des menschlichen Geschlechtes notwendig sind, obwohl nicht einem jeden Menschen alle, nämlich die Taufe, die Firmung, das Sakrament des Altars, die Buße, die Letzte Ölung, die Priesterweihe und die Ehe; und daß sie Gnade erteilen, und von diesen die Taufe, die Firmung und die Priesterweihe ohne Gottesraub nicht zweimal empfangen werden können.
Auch die Gebräuche, die bei feierlicher Erteilung aller dieser Sakramente in der katholischen Kirche eingeführt und genehmigt sind, nehme ich an und billige sie.
Alles und jedes, was im heiligen Tridentinischen Kirchenrate über die Erbsünde und die Rechtfertigung entschieden und erklärt worden ist, erkenne ich und nehme ich an.
Ich bekenne auch, daß in der Messe Gott ein wahres, eigentliches und versöhnendes Opfer für die Lebendigen und die Gestorbenen dargebracht wird, und daß in dem heiligsten Sakramente des Altars wahrhaft, wirklich und wesentlich der Leib und das Blut unseres Herrn Jesu Christi mit seiner Seele und Gottheit zugegen ist, und daß die ganze Substanz (Wesenheit) des Brotes in den Leib, und die ganze Substanz des Weines in das Blut verwandelt wird, welche Verwandlung die katholische Kirche Transsubstantiation (das ist Verwandlung einer Wesenheit in die andere) heißt.
Ich bekenne zugleich, daß auch bloß unter einer Gestalt Christus ganz und ungeteilt und das wahre Sakrament empfangen wird.
Ich glaube standhaft, daß es einen Reinigungsort gibt, und daß die Seelen darin durch die Fürbitte der Gläubigen Hilfe erhalten.
Auf gleiche Weise glaube ich, daß die Heiligen, die mit Christus regieren, zu verehren und anzurufen seien, und daß sie bei Gott ihr Gebet für uns darbringen, und daß ihre Reliquien in Ehren zu halten seien.
Ich nehme ganz fest an, daß die Bilder Christi und der allzeit jungfräulichen Gottesgebärerin, wie auch anderer Heiligen beizubehalten sind, und daß wir ihnen die schuldige Ehre und Verehrung erweisen sollen.
Auch bekenne ich, daß die Gewalt, Ablässe zu erteilen von Christus in der Kirche hinterlassen worden, und daß deren Gebrauch dem christlichen Volke sehr heilsam ist.
Die heilige, katholische und apostolische römische Kirche erkenne ich als Mutter und Lehrmeisterin aller Kirchen an, und dem römischen Papste, als dem Nachfolger des heiligen Apostelfürsten Petrus und dem Statthalter Jesu Christi, verspreche und gelobe ich wahren Gehorsam.
Auch alles übrige, was von den heiligen Kirchensatzungen und allgemeinen Kirchenversammlungen und besonders von dem Tridentinischen Kirchenrate, wie auch vom allgemeinen Vatikanischen Konzil, zumal über den Primat und das unfehlbare Lehramt des Papstes, überliefert, entschieden und erklärt worden ist, nehme ich unbezweifelt an und bekenne es; und alles, was entgegen ist, und jede von der Kirche verworfene Lehre, verwerfe auch ich. – Diesen wahren katholischen Glauben, außer dem niemand selig werden kann, den ich gegenwärtig freiwillig bekenne und in Wahrheit habe, will ich ganz und unverletzt bis zum letzten Hauche meines Lebens mit Gottes Hilfe aufs standhafteste behalten und bekennen, und ich werde mich, soviel an mir liegt, bemühen, daß er auch von meinen Untergebenen oder denjenigen, deren Sorge mir in meinem Amte obliegen wird, gehalten, gelehrt und verkündet werde.
(Jetzt legt derjenige, der das Glaubensbekenntnis betet, seine rechte Hand auf ein geöffnetes Evangelienbuch und spricht:)
Das verspreche, gelobe und schwöre ich N.N., so wahr mit Gott helfe und diese heiligen Evangelien Gottes!

Alle katholischen Geistlichen sind zur Ablegung dieses Tridentinisch-Vatikanischen Glaubensbekenntnisses verpflichtet: Zum erstenmal vor ihrer Subdiakonatsweihe und später jedesmal vor Antritt eines höheren Amtes – auch vor der Teilnahme an einem Konzil.

Vorher veröffentlicht in: «DAS ZEICHEN MARIENS», 23. Jahrgang, Nr. 2, Juni 1989, Seite 7220

Samstag, März 17, 2007

Wer ist katholisch? - Wer nicht? - Zum Vierten

Katholisch kann auch nur sein, wer in Übereinstimmung ist mit der GANZEN katholischen Vergangenheit. Wer einen Widerwillen hat gegen das wesentliche Gewesene, lehnt sich implizit gegen das wesentliche Katholische auf. Umgekehrt, wer sich nur wohlfühlt im modernen, zeitgemäßen Katholischen, (was immer er sich darunter einbildet) bekundet damit, daß er entweder keine Ahnung oder kein genügendes Wissen hat von der katholischen (Heils-)Geschichte, was in der Regel auf schuldhaftes mangelndes Interesse und Engagement für die eigene Bildung und Weiterbildung zurückzuführen ist, oder daß er - darum wohl (einigermaßen) wissend - seinen Glauben aus freier Entscheidung lieber so praktiziert, wie es der verweltlichten "katholischen" Welt heute gefällt, weil diese Art (vermeintlich) leichter, angenehmer zu leben ist. Insofern sich das heutige, moderne "katholische" Leben aber vom früheren, vergangenen, offiziell-traditionellen, heilig-gesprochenen inhaltlich unterscheidet, ist es nicht mehr echt und wahr katholisch. Wer abschätzig denkt und spricht und handelt über die Vergangenheit der katholischen Kiche, wer die Rechtgläubigkeit, Heiligkeit der von der Kirche in den verflossenen Jahrhunderten anerkannten, ausgezeichneten Personen (Selige und Heilige), Werke (Orden, Institutionen, Missionen bis hin zu den Kreuzzügen), Frömmigkeitsformen (Liturgie-n, Sakramentenspendung, Ablaßwesen, Andachten) gewichtig kritisiert, bzw. ihre Gottwohlgefälligkeit in Zweifel zieht, kann sich nicht zurecht katholisch nennen.
Jede ernstgemeinte Opposition gegen das eigentliche Katholische ist eine Gegnerschaft gegen Jesus Christus, gegen GOTT! Unser Heiland und Erlöser identifiziert Sich mit Seiner Kirche! Er ist allzeit bei ihr und mit ihr. Der Beistand, den Er nicht nur einmal und einstmals sandte, sondern immerzu sendet, hat ihr NIE gefehlt. Deshalb ist alles, was die katholische Kirche in den 2000 Jahren offiziell, immer und überall geglaubt, gelehrt, gewirkt, (aus)geübt hat HEILIG. Und deshalb ist derjenige, der auch nur einen Teil davon ablehnt, anti-katholisch. Und wer anti-katholisch ist, verliert automatisch seine Autorität über die Gläubigen. Ein "Vorsteher", ein "Hirt", gleich welcher Stufe, der Mietling, der Verräter, der irrgläubig bis ungläubig ist, verliert eo ipso Amt und Würde.
Nicht daß man eins ist mit dem gerade aktuellen Bischof, garantiert die Katholizität. Es hat ja schließlich auch in der Vergangenheit oft genug (selbst reihenweise) treulose, per-fide, abgefallene "Bischöfe" gegeben (denken wir nur an die Reformationszeit). Der gute Hirt kennt die seinen, und die seinen kennen ihn! (vgl. Joh 10,14) Wer wahrhaft katholisch ist, erkennt (im Heiligen Geist, auf Dauer) auch, welches die guten Hirten sind, und er hat die Christenpflicht, diesen und nur diesen zu folgen.

Samstag, Februar 03, 2007

Wer ist katholisch? - Wer nicht? - Zum Dritten

Christus selbst hat uns nichts Schriftliches hinterlassen und hat auch seinen Jüngern in keiner Weise befohlen, seine Worte aufzuzeichnen. Aber er hat mehr getan. Er hat seiner Stiftung der Kirche, seinen Geist, den Heiligen Geist, die dritte göttliche Person, gesandt zu einer doppelten Aufgabe. Der Geist soll die Jünger alles lehren und sie an alles erinnern, was er gesagt hat (Jo 14,26). Damit aber nicht genug. Der Geist der Wahrheit wird die Jünger hinführen zur vollen Wahrheit, weil sie jetzt "es nicht tragen können" (Jo 16, 13. 12). Die Wahrheit, die Christus verkündete, hat somit noch nicht ihre letzte Entfaltung erreicht, dies zu tun, ist Sache des Heiligen Geistes. Der Herr beschreitet demnach, wie so oft den Weg der Mitte. Was er den Seinen hinterläßt als Erbe ist nichts Starres, Unbewegliches, aber auch kein planloses Ausufern, sondern eine durch den Heiligen Geist vollzogene Entwicklung jener Warheit und Lehre, die Christus von dem hat, der ihn gesandt hat, vom Vater (Jo 7, 16; 8, 26. 28). Nun ist ein Teil von dem, was Jesus im Auftrag des Vaters gesagt und verkündet hat (Jo 12, 49) im neuen Testament schriftlich niederlegt. Aber wer bürgt nach Abschluß der neutestamentlichen Offenbarung für die Weitergabe der Wahrheit durch den Heiligen Geist? Wer garantiert, daß die Hinführung zur "vollen" Wahrheit in der richtigen Weise erfolgt? Zu diesem Zweck hat Christus das Lehramt der Kirche eingesezt, bestehend aus den Nachfolgern der Apostel, aus Papst und Bischöfen, und er hat es so stark an sich gebunden, daß er sagen konnte: "Wer euch hört, der hört mich" (Lk 10, 16). Nun darf man ja nicht meinen, daß das Charisma der Wahrheit sich beschränke auf Papst und Bischöfe. Es gibt in der Kirche keine Glaubenserkenntnis, "die nur ein Erkennen einzelner und nicht zugleich auch ein Erfahren und Lieben der vielen wäre im Heiligen Geist. Jedes neue Dogma ist in diesem Sinn auch zugleich aus der Liebe geboren, aus dem Liebesleben der Glaubensgemeinschaft, aus dem Herzen der betenden Kirche. Jedes Dogma trägt die Weihe der Ehrfurcht und des Ernstes, der Gewissenhaftigkeit und der Treue, der Innigkeit und der Hingabe, mit der die Gemeinschaft der Glieder Christi in Liebe festgewurzelt und gegründet (Eph 3, 17) das Zeugnis Christi in sich befestigt (vgl 1 Kor 1, 6). Es ist in der Regel das "Gesetz des Betens" (lex orandi), das ungeschriebene Gesetz des betend erlebten, durchlebten Glaubens, das seiner autoritativen Formulierung als Glaubensgesetzt (lex credendi) vorausgeht". ...
"Danken wir Gott, daß wir wenigstens in religiösen Fragen noch eine Autorität bestizen, die kraft ihres obersten Lehramtes in Sachen des Glaubens und der Sitte das letzte, entscheidende Wort zu sprechen hat! Die religiösen Fragen bilden einen so unveräußerlichen Anteil des menschlichen Geisteslebens, daß der ehrlich forschende Menschengeist unvermeidlich immer wieder auf das religiöse Fragegebiet kommt. Sucht dann der forschende Geist Antwort auf die letzten Fragen und Ziele des Lebens, dann weist das kirchliche Lehramt Weg und Richtung, damit wir nicht "umhergetrieben werden von jedem Windstoß der Meinung, preisgegeben menschlichem Trug und hinterlistiger Verführung " (Eph 4,14). Werden die göttlichen Wahrheiten mit menschlichen Irrtümern vermischt, dann nimmt das kirchliche Lehramt die Wurfschaufel zur Hand, um den Weizen von der Spreu zu sondern. Drängen sich religiöse Kurpfuscher an das Volk heran, die ihm Steine statt Brot und Schlangen statt Fische reichen, dann erhebt der heutige Petrus seine Stimme mit den Worten des ersten Petrus: "Brüder, nehmt euch in acht, damit ihr nicht durch den Irrtum der Toren mitfortgerissen werdet und eure eigene Festigkeit verliert" (2 Petr 3, 17). (Kardinal Faulhaber)

(Bischof) + Rudolf Graber, Regensburg, 2. Juni 1978, am Fest des göttlichen Herzens Jesu in "Summa Pontificia".

Freitag, Dezember 15, 2006

Wer ist katholisch - Wer nicht? - Zum Zweiten

Christus hat Seine Kirche auf (den Apostel) Petrus als sichtbare, lebendige Person gegründet und nicht auf ein (sein) Bekenntnis: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will Ich Meine Kirche gründen (bzw. aufbauen), und Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben." (Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regis coelorum.) (Jo 1,42) Simon Bar Jonas = Simon, Sohn des Jonas, Bruder des Andreas, Fischer aus Bethsaida, wurde von Jesus "Petrus", bzw. "Kephas", d.h. "Stein", "Felsen" genannt, weil er ihn zum Grundstein, zum Fundament der Kirche setzte, weil Er ihn als menschliche Person zu Seinem Stellvertreter berief in der Hirtenaufgabe über Seine Schafe, zum Hohenpriester mit umfassender Binde- und Lösegewalt, mit Voll-Macht: "ALLES, was du auf Erden binden/lösen wirst, wird auch im Himmel gebunden/gelöst sein"! (Mt 16,18f.) "Stärke deine Brüder!" (Lk 22,32) "Weide Meine Lämmer... Meine Schafe!" (Jo 21,15 f.) Und ihm wurde damit der Leitungs- oder Regierungsvorrang (der Primat) über die ganze Kirche Gottes von Christus dem Herrn unmittelbar und direkt verheißen und übertragen. Unter den Zwölfen wurde also Einer erwählt, damit alle ein Haupt haben und so aller Anlaß zur Spaltung behoben sei.
R.H. Benson schrieb in seinen "Bekenntnisse eines Konvertiten": "Der Anspruch Petri bedarf keines Schürfens (in der Heiligen Schrift); wie ein funkelnder Diamant liegt er vor uns, sobald wir uns einmal den Staub antikatholischer Voreingenommenheit aus den Augen gerieben haben... Ich fand im ganzen 29 Stellen in der Heiligen Schrift, später noch einige mehr, aus denen der Vorrang Petri jedenfalls hervorging, und ich entdeckte nicht eine, die dem Auftrag entgegengestanden hätte oder mit ihm unvereinbar gewesen wäre."

Montag, Dezember 04, 2006

Wer ist katholisch? Wer nicht? - Zum Ersten

KATHOLISCH ist, wer JESUS CHRISTUS als Mensch und GOTT bekennt, Ihn als (einzigen, alleinigen) Retter und Erlöser annimmt und ALLE Seine Gebote und Lehren ohne Einschränkungen (nach Maßgabe seiner Fähigkeiten) hält. Seine Gebote und Lehren sind in der Heiligen Schrift festgehalten oder dort grundgelegt. Aber die Bibel enthält nicht das ganze (explizite) WORT Gottes.
Joh 16,12-15: "Noch VIELES habe Ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht (er)tragen. Wenn aber Jener kommt, DER GEIST DER WAHRHEIT (der Heilige Geist), wird Er EUCH in die GANZE Wahrheit führen. Denn Er wird nicht aus Sich selbst heraus reden, sondern Er wird sagen, was Er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird Mich verherrlichen; denn Er wird von dem, was Mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist Mein; darum habe Ich gesagt: Er nimmt von dem, was Mein ist und wird es euch verkünden."
Wer also die GANZE Wahrheit, bzw. ALLE Wahrheit aus den Heiligen Schriften ALLEIN erkennen wollte, wäre nicht katholisch. Mt 28, 19-20: "Darum gehet hin und LEHRET alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und LEHRET sie halten alles, was Ich euch geboten habe. Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt".
Wer nun nicht auf diejenigen hört, die Christus zu Seinen Lehrern und Gesandten gemacht hat, der kann sich nicht katholisch nennen. Der Heilige Geist, also die dritte Person in der Heiligsten Dreifaltigkeit, der also "von dem nimmt, was Christi ist", was nach Seiner Auferstehung und Himmelfahrt Seine Erwählten erst noch "in die GANZE Wahrheit einführt", vollendet folglich das Werk des HERRN im Laufe der Heilszeit(en), in der Zeit nach Christi Wandel auf Erden, in der Zeit, "die kommen wird". Die Kirche Christi wird mithin "bis ans Ende der Welt" "in die GANZE (explizite) Wahrheit geführt". Wer deshalb die vom Heiligen Geist zu Aposteln und Hirten Bestimmten und Eingesetzten ablehnt, kann sich nicht katholisch nennen.

Montag, Mai 22, 2006

Bist Du (noch) katholisch?

Anhand des nachstehenden Fragenkataglos können wir unseren Status hinsichtlich des Katholischseins überprüfen:
(Die Zahlen in Klammern sind die Kennziffern des "Enchiridion symbolorum" von Denzinger)

1. Glaubst Du, daß mit göttlichem und katholischem Glauben all das zu glauben ist, was im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist und von der Kirche in feierlichem Entscheid oder durch gewöhnliche und allgemeine Lehrverkündigung als von Gott geoffenbart zu glauben vorgelegt wird? (1792)

2. Glaubst Du, daß immer jener Sinn der heiligen Glaubenswahrheiten beibehalten werden muß, der einmal von der heiligen Mutter der Kirche dargelegt worden ist und daß man nie von diesem Sinn unter dem Schein und Namen einer höheren Erkenntnis und entsprechend dem Fortschritt der Wissenschaft abweichen darf, daß nicht das Glaubensgegenstand ist, was entsprechend der Kultur eines jeden Zeitabschnittes besser und passender scheinen könnte, sondern daß niemals in verschiedener Weise geglaubt, nie anders verstanden, aufgefaßt wird die absolute, unabänderliche Wahrheit, die seit Anfang von den Aposteln gepredigt wurde? (1800, 1818, 2145, 2147)

3. Glaubst Du, daß es nichts Festeres, Standhafteres, Sichereres, Bestimmteres, Heiligeres gibt als der katholische Glaube, als die Dogmen dieses Glaubens und daß es nichts Unsichereres gibt als die menschliche Vernunft, die verschieden nach der Verschiedenheit der Geister und unzähligen Täuschungen und Irrungen unterworfen ist? (1636, 1637, 1638, 1642)

4. Glaubst Du, daß die göttliche Offenbarung vollständig ist (seit dem Tode des letzten Apostels) und daher keinem steten unbegrenzten Fortschritt unterworfen ist, der dem Fortschritt der menschlichen Vernunft entsprechen muß? (1705)

5. Glaubst Du, daß diejenigen, die einmal den Glauben unter dem kirchlichen Lehramt angenommen haben, niemals einen gerechten Grund haben können, diesen Glauben zu wechseln oder in Zweifel zu ziehen? (1794, 1815)

6. Glaubst Du, daß jede Behauptung, die der Wahrheit des erleuchteten Glaubens widerspricht, falsch ist, Irrtum ist, der durch den Schein der Wahrheit trügt? (1797, 1798)

7. Glaubst Du, daß sich die Geheimnisse des Glaubens durch vollständig zutreffende und nicht nur durch sogenannt angenäherte und ständig wandelbare Begriffe ausdrücken lassen? (2310)

8. Hältst Du es für widersinnig und für durchaus nicht notwendig, daß die Theologie die alten Begriffe durch neue ersetzt? (2310)

9. Glaubst Du, daß es nicht erlaubt ist, von dogmatischen Begriffen abzugehen? (2311)

10. Glaubst Du, daß ein und derselbe Gott Urheber des Alten und Neuen Bundes, d.h. des Gesetzes, der Propheten und des Evangeliums ist, daß die Heiligen der beiden Bünde auf Eingebung ein und desselben Heiligen Geistes gesprochen haben, daß die ganzen Bücher mit allen ihren Teilen, wie sie in der katholischen Kirche gelesen werden und in der alten lateinischen Vulgata-Ausgabe enthalten sind, als heilig und kanonisch betrachtet werden müssen und die Offenbarung ohne Irrtum enthalten, daß sie mit allen ihren Teilen unter Eingebung des Heiligen Geistes verfaßt sind, und da der göttlichen Eingebung kein Irrtum unterlaufen kann, nachdem sie ihrem Wesen nach jeden Irrtum ausschließt, es nutzlos ist, sich darauf zu berufen, daß der Heilige Geist Menschen als Werkzeuge zum Schreiben benützt habe: so seien nicht dem eigentlichen Urheber, sondern den inspirierten Verfassern Irrtümer unterlaufen. Denn mit übernatürlicher Kraft hat Er sie so zum Schreiben angeregt und bestimmt, ist ihnen so beim Schreiben zur Seite gestanden, daß sie alles das, aber auch nur das, was er sie hieß, richtig im Geist auffaßten, getreu niederschreiben wollten und auch passend in unfehlbarer Wahrheit ausdrückten. (706, 784, 785, 1787, 1951, 1952)

11. Glaubst Du, daß kein Christgläubiger Ansichten, die als der Glaubenslehre widersprechend erkannt werden - besonders wenn sie von der Kirche verworfen sind -, als echte Ergebnisse der Wissenschaft verteidigen darf; daß er sie vielmehr für Irrtümer halten muß, die durch den Schein der Wahrheit trügen? (1798)

12. Glaubst Du, daß Wunder und Prophezeiungen geschehen können, daß also die überlieferten Wunderberichte und Prophetien, auch die in der Heiligen Schrift enthaltenen, nicht unter die Legenden und Mythen zu verweisen sind und daß die Wunder und Prophezeiungen sicher erkannt werden können und durch sie der göttliche Ursprung der christlichen Religion ganz sicher und rechtmäßig bewiesen werden kann, daß sie ganz sichere und der Fassungskraft aller angemessene Zeichen der göttlichen Offenbarung sind? (1790, 1813, 2145)

13. Hältst Du daran fest, daß niemand gegen die einstimmige Väterlehre die Heilige Schrift erklären darf? (1788, 1944, 1945)

14. Glaubst Du an den geschichtlichen Wortsinn der ersten Kapitel der Genesis, wo es sich um die Tatsachen handelt, die in diesen Kapiteln erzählt werden und die Grundlagen der christlichen Religion berühren: wie u.a. an die Schöpfung aller Dinge durch Gott zu Beginn der Zeit, an die besondere Schöpfung des Menschen, die Bildung der ersten Frau aus dem ersten Menschen, die Einheit des Menschengeschlechts, das ursprüngliche Glück der Stammeltern im Stand der Gerechtigkeit, Unversehrtheit und Unsterblichkeit, das von Gott dem Menschen gegebene Gebot, um seinen Gehorsam zu erproben, die Übertretung des Gebots, zu der der Teufel unter der Gestalt der Schlange riet, den Ausschluß der Stammeltern aus dem ersten Stand der Unschuld, und schließlich an die Verheißung des kommenden Erlösers? (2123)

15. Glaubst Du, daß die Gläubigen nicht die Ansicht halten können, deren Vertreter behaupten, es habe nach Adam auf unserer Erde wirkliche Menschen gegeben, die nicht aus ihm, als dem Stammvater aller, auf dem Wege natürlicher Zeugung ihren Ursprung hätten, oder "Adam" bedeute eine Mehrheit von Stammvätern? (2328)

16. Glaubst Du mit den heiligen Vätern, daß die heilige und immer jungfräuliche und unbefleckte Maria als Gottesgebärerin eigentlich und wahrhaft das göttliche Wort selbst, das vom Vater vor aller Zeit gezeugt, in den letzten Zeiten, ohne Samen, vom Heiligen Geiste empfangen und unversehrt geboren hat, indem unverlezt blieb ihre Jungfrauschaft auch nach der Geburt? (256)

17. Glaubst Du, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt blieb? (1641)

18. Glaubst Du, daß in der Verkündigung die Zustimmung der Jungfrau an Stelle der gesamten menschlichen Natur erwartet wurde, so daß man in vollem Sinn als wahr behaupten darf: Von jenem großen Gnadenschatz, den der Herr gebracht hat - durch Christus sind uns ja Wahrheit und Gnade geworden (Joh. 1,17) - fließt uns nach Gottes Willen nichts zu außer durch Maria. Wie deshalb zum höchsten Vater niemand hintreten kann außer durch den Sohn, so kann gewissermaßen niemand zu Christus hintreten außer durch die Mutter. (1940a)

19. Glaubst Du, daß die seligste Jungfrau Maria so innig an Christi Leiden Anteil genommen hat, daß sie, wenn es möglich gewesen wäre, viel lieber alle Qualen auf sich genommen hätte, die ihr Sohn trug (Bonaventura), und daß sie durch diese Gemeinschaft in Leid und Wille zwischen ihr und Christus mit Recht verdiente, Wiederherstellerin der verlorenen Welt zu werden und somit Ausspenderin aller Güter, die Jesus uns durch seinen Tod und sein Blut erwarb? (1978a)

20. Glaubst Du, daß die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist, daß sie also als herrliche Krone aller ihrer Ehrenvorzüge erhielt, daß sie von der Verwesung im Grab verschont blieb und wie ihr Sohn nach dem Sieg über den Tod mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen wurde, um dort zur Rechten ihres Sohnes, des unsterblichen Königs der Ewigkeit, als Königin zu erstrahlen? (2331, 2333)

21. Glaubst Du, daß der römische Bischof, wenn er in höchster Lehrgewalt (ex cathedra) spricht, das heißt, wenn er seines Amts als Hirt und Lehrer aller Christen waltend in höchster, apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben oder Sitten sei von der ganzen Kirche festzuhalten, er auf Grund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit besitzt, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren ausgerüstet haben wollte, und daß deshalb diese endültigen Entscheidungen des römischen Bischofs aus sich und nicht auf Grund der Zustimmung der Kirche unabänderlich sind? (1840)

22. Bekennst Du mit Herz und Mund bis aufs letzte Wort eigentlich und wahrhaft all das, was von den heiligen Vätern und von den allgemeinen (oekumenischen) verehrungswürdigen Kirchenversammlungen der heiligen katholischen Kirche Gottes überliefert und verkündet worden ist und nimmst Du die ganze kirchliche Überlieferung an, die geschriebene wie die ungechriebene? (270, 308)

Siehe dazu auch: Das Credo des Gottesvolkes (von Papst Paul VI.)

Freitag, April 14, 2006

Wer ist ein Christ? Wer nicht? - Zum Sechsten

Und nocheinmal anders kann man den Christen vom Nichtchristen unterscheiden:
Gott ist die Liebe. Und all sein Sein und Wirken ist nichts als LIEBE. Und ALLES, was aus Ihm hervorgeht, ist LIEBE. Wer also die(se) Liebe hat und in der (in dieser) Liebe bleibt, der ist aus Gott und bleibt in Gott, ist also Geschöpf und Kind Gottes und damit kern- und wesenhaft CHRIST.
Der hl. Kirchenvater Augustinus hat in der Osterwoche des Jahres 416, also „auf dem Höhepunkt seiner bischöflichen Wirksamkeit und seines geistigen Lebens", in der Kathedrale zu Hippo (Nordafrika) eine Reihe von Predigten über den ersten Johannesbrief gehalten, die zum Schönsten gehören, was wir vom diesem großen lateinischen Kirchenlehrer besitzen. Sie behandeln sein Lieblingsthema, den Zentralgegenstand seiner ganzen Theologie: die Liebe, die Caritas.
Vielleicht die wertvollste dieser Predigten ist die fünfte, der die folgende Auswahl entnommen ist. Ich entlehne sie der Übersetzung von Dr. Fritz Hofmann, der vor Jahrzehnten die Predigten des hl. Augustinus über den ersten Johannesbrief unter dem Titel „Gott ist die Liebe" als Band der Sammlung „Zeugen des Wortes" herausgegeben hat. Da es sich dabei um einen Kommentar des Textes der johanneischen Epistel handelt, schicke ich die in Betracht kommenden Abschnitte nach der Übersetzung von Rösch voraus:

«Wer aus Gott geboren ist, tut keine Sünde. Sein Lebenskeim bleibt in ihm. Er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. Daran erkennt man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels: Wer das Rechte nicht tut, ist nicht aus Gott. Ebensowenig, wer seinen Bruder nicht liebt. Das ist ja die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt: Wir sollen einander lieben. Nicht wie Kain, der vom Bösen herkam und seinen Bruder erschlug. Und warum erschlug er ihn? Weil sein Tun böse war, das seines Bruders aber gerecht. Wundert euch nicht, Brüder, wenn die Welt euch haßt. Wir wissen, daß wir aus dem Tode zum Leben gekommen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer keine Liebe hat, bleibt im Tode. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder. Und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Leben in sich trägt. – Daran haben wir die Liebe Gottes erkannt, daß er sein Leben für uns hingegeben hat. So müssen auch wir das Leben für unsere Brüder hingeben. Wer die Güter der Welt besitzt und seinen Bruder Not leiden sieht, und doch sein Herz vor ihm verschließt: wie kann in dem die Liebe Gottes wohnen? Kinder, laßt uns nicht mit Worten und mit der Zunge lieben, sondern in der Tat und in der Wahrheit!» (1 Jo. 3,9-19)

Dazu nun der Kommentar, die Auslegung des hl. Augustinus:

Dieser (Johannes-) Brief, der allen köstlich ist, deren Herz einen gesunden Geschmack hat, Gottes Brot zu schmecken, und der in der heiligen Kirche Gottes in hohem Ansehen steht, legt besonders die Liebe ans Herz. Von nichts anderem fast spricht er ja als von der Liebe. Wer ein inneres Organ zum Hören hat, wird mit Freude darauf horchen müssen. So wird diese Lesung ihm sein wie Öl ins Feuer. Wenn da etwas ist, das genährt werden kann, dann erhält es Nahrung und wächst und bleibt. Desgleichen soll es für manche so sein wie Feuer auf den Zunder, so daß er, wenn er vorher nicht brannte, durch die Predigt entzündet wird. Denn bei den einen findet Nahrung, was bereits da ist, bei den andern wird entflammt, was noch fehlt, so daß wir alle in einer einzigen Liebe unsere Freude finden. Wo aber die Liebe ist, da ist der Friede; und wo die Demut ist, da ist die Liebe. So wollen wir ihn jetzt hören und auch zu euch über seine Worte reden, was der Herr eingibt, auf daß ihr sie recht versteht.
Die Liebe also empfehlen wir; die Liebe empfiehlt dieser Brief. Nur um das eine fragt der Herr nach der Auferstehung den Petrus: „Liebst du mich?“ Und es war ihm nicht genug, einmal zu fragen; ein zweites und ein drittes Mal stellt er keine andere Frage. Obgleich Petrus die dritte Frage als Kränkung empfand, als wollte er ihm nicht glauben, als wüßte er nicht, was in ihm vorging, fragte er ihn dennoch ein erstes, zweites, drittes Mal. Dreimal verleugnete die Furcht, dreimal bekannte die Liebe. Siehe, Petrus liebt den Herrn. Was wird er ihm geben? Beunruhigt nicht auch ihn jenes Psalmwort: „Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was er mir getan hat?" Der Sänger des Psalmes dachte nämlich daran, wieviel Gott ihm gegeben hatte; und er fragte, wie er es Gott vergelten sollte, und fand keine Antwort. Alles, womit du ihm vergelten willst, hast du ja von ihm empfangen, um es ihm zu geben. Und was fand er zur Vergeltung? Wir sagten es schon, Brüder, was er von ihm empfangen hatte, das fand er als Gegengabe. „Den Kelch des Heiles will ich ergreifen, und den Namen des Herrn will ich anrufen" (Ps.115,12f). Denn wer sonst hatte ihm den Kelch des Heils gegeben als der, dem er vergelten wollte? Den Kelch des Heils ergreifen und den Namen des Herrn anrufen, das heißt aber an der Liebe sich sättigen und sich in einem solchen Maße sättigen, daß du den Bruder nicht nur nicht hassest, sondern bereit bist, für den Bruder zu sterben. Das ist die vollkommene Liebe, daß du bereit bist, für den Bruder zu sterben. Diese Liebe hat der Herr für seine eigene Person getätigt, da er für alle starb und für seine Kreuziger betend die Worte sprach: „Vater, verzeihe ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun" (Luk 23,34). Aber er war nicht der Meister, wenn er allein dies tat, wenn er keine Schüler hatte. Es folgten ihm die Schüler und handelten ebenso. Gesteinigt wurde Stephanus und betete gebeugten Knies: „Herr, rechne es ihnen nicht zur Sünde an!" (Apg. 7,59). Er liebte die, von denen er getötet wurde, weil er ja sogar für sie starb. Höre auch den Apostel Paulus: „Ich selbst will mich hingeben für euere Seelen" (2 Kor. 12,15). Er war ja unter denen, für die Stephanus Fürbitte eingelegt hatte, als er durch ihre Hand starb. Das also ist die vollkommene Liebe. Wenn einer so große Liebe hat, daß er bereit ist, für den Bruder sogar zu sterben, dann ist die Liebe in ihm vollkommen. Ist sie aber, sobald sie entsteht, auch schon ganz vollkommen? Nein! Damit sie vollkommen werde, wird sie geboren; ist sie geboren, wird sie genährt; durch die Nahrung wird sie gekräftigt; wenn sie gestärkt ist, dann wird sie vollendet. Wie aber spricht sie, wenn sie vollkommen geworden ist? „Leben ist für mich Christus und Sterben Gewinn. Ich wünschte aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein; denn das ist bei weitem das Bessere. Das Verbleiben aber im Fleisch ist notwendig um euretwillen" (Phil. 1,21,23f). Um derentwillen, für die er bereit war zu sterben, wollte er leben.
(Ist die Deutung des Wortes, daß „jeder der aus Gott geboren ist, keine Sünde tut“, auf die Liebe, bzw. die Sünde gegen die Liebe auch nicht willkürlich, sondern sachlich begründet?) Möge also Johannes uns belehren, welche Sünde er meint, damit nicht etwa nur ich aufs geratewohl erkläre, daß diese Sünde in der Verletzung der Liebe liege, weil er vorher sagte: „Wer seinen Bruder haßt, ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen verblendet hat" (2,11). Vielleicht weist Johannes im Folgenden ausdrücklich auf die Liebe hin. Seht, daß jener zusammengehörige Textabschnitt dieses Ende hat, diesen Ausgang nimmt: «Jeder, der aus Gott geboren ist, sündigt nicht; denn sein Same bleibt in ihm.» Der Same Gottes ist das Wort Gottes, weshalb der Apostel sagt: «Durch das Evangelium habe ich euch gezeugt» (1 Kor. 4,15). «Ja, er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.» Sage er also und sehen wir, worin er nicht sündigen kann! «Darin sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels offenbar: Jeder, der nicht gerecht ist und der seinen Bruder nicht liebt, ist nicht von Gott» (3,9f). Jetzt ist es offenbar, weshalb er sagt: «Wer seinen Bruder nicht liebt.» Die Liebe allein scheidet die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels. Mögen alle mit dem Zeichen des Kreuzes sich bezeichnen; mögen alle antworten Amen; mögen alle Alleluja singen; mögen alle getauft werden, in die Kirche eintreten - der Unterschied zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Teufels liegt einzig in der Liebe. Die die Liebe haben, sind aus Gott geboren; die sie nicht haben, sind nicht aus Gott geboren. Ein großes Zeichen, eine große Unterscheidung! Habe, was immer du willst. Hast du dies eine nicht, nützt es dir nichts; wenn du anderes nicht hast. So habe nur dies, und du hast das Gesetz erfüllt. «Denn wer den Nächsten liebt, der hat das Gesetz erfüllt», sagt der Apostel und: «Die Fülle des Gesetzes ist die Liebe» (Röm.13,8.10). Ich glaube, daß das die Perle ist, die der Kaufmann nach der Schilderung des Evangeliums gesucht hat, jene Perle, die er fand und für die er alles verkaufte, was er hatte, und die er erwarb (vgl. Matth.13,46). Das ist die kostbare Perle, die Liebe, ohne die dir nichts nützt, soviel du auch hast; und die dir genügt, wenn du sie und sonst nichts besitzest. Jetzt siehst du im Glauben, dereinst wirst du in der Schau sehen. Denn wenn wir lieben, wo wir nicht sehen, wie werden wir erst umfangen, wo wir sehen?
Aber wie müssen wir uns darauf üben? Durch die Bruderliebe. Du kannst mir sagen: Ich habe Gott nicht gesehen! Kannst du mir etwa auch sagen: Ich habe den Menschen nicht gesehen? Liebe den Bruder! Denn wenn du den Bruder, den du siehst, liebst, wirst du zugleich auch Gott schauen; denn du wirst die Liebe schauen, und in ihrem Innersten wohnt Gott.
«Wer nicht gerecht ist und wer seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott. Denn das ist die Kunde» – höre, wie er es bekräftigt: «Denn das ist die Kunde, die wir von Anfang an vernommen haben, daß wir einander lieben sollen» (3,10f). Er macht es uns vollkommen klar, daß er mit Bezug darauf sagt: Wer gegen dieses Gebot handelt, der ist in jener verwerflichen Sünde, in die solche nicht fallen, die aus Gott geboren werden.
«Wundert euch nicht, Brüder, wenn euch die Welt haßt» (3,13). Wie oft muß ich es euch noch sagen, was die Welt ist? Die Welt in schlechtem Sinn sind jene, die die Welt lieben; die Welt in gutem Sinn sind Himmel und Erde und was an Werken Gottes darin ist. Darum heißt es: «Und die Welt ist durch ihn gemacht worden» (Joh. 1,10). Ebenso ist die Welt die ganze Erde, wie Johannes sagt: «Der Versöhner ist er nicht nur für unsere Sünden, sondern für die der ganzen Welt» (2,2). „Welt" meint hier alle Gläubigen, die über den Erdkreis hin verstreut sind. Die Welt in schlechtem Sinn aber sind die, welche die Welt lieben. Die die Welt lieben, können den Bruder nicht lieben.
«Wenn uns die Welt haßt, so wissen wir» -was wissen wir?: «Daß wir vom Tode zum Leben übergegangen sind.» Woher wissen wir es? «Weil wir die Brüder lieben.» Niemand frage einen andern Menschen, jeder halte Einkehr in sein Herz! Wenn er dort die Bruderliebe findet, so sei er ohne Sorge; denn er ist vom Tod zum Leben übergegangen. Schon ist er auf der rechten Seite; nicht achte er darauf, daß seine Herrlichkeit jetzt verborgen ist; wenn der Herr kommt, dann wird das Leben in Herrlichkeit erscheinen. Schon jetzt besitzt er das Leben, aber noch wie im Winter. Die Wurzel ist voll Lebenskraft, aber die Zweige sind gleichsam noch dürr; innen ist das Mark, in dem der Saft quillt, innen sind die Blätter der Bäume, innen die Frucht; sie warten nur auf den Sommer. Also «wissen wir, daß wir vom Tode zum Leben übergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, der bleibt im Tode» (3,14). Glaubt nicht, Brüder, daß es nicht darauf ankomme, zu hassen oder nicht zu lieben; hört noch, was folgt: «Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder.» Wird also einer, der seinen Bruder nicht achtet, auch den Menschenmord in seinem Herzen schon gering achten? Er rührt die Hand nicht, um einen Menschen zu töten, und schon wird er vom Herrn für einen Mörder gehalten; jener lebt, und dieser wird bereits als Mörder verurteilt. «Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder; und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Leben hat, das in ihm bleibt» (3,15).
«Daran erkennen wir die Liebe», die Vollkommenheit der Liebe meint er, jene vollkommene Liebe, die wir euch ans Herz gelegt haben; «Darum erkennen wir die Liebe, daß jener für uns sein Leben eingesetzt hat; und so müssen auch wir das Leben für unsere Brüder einsetzen» (3,16). Nun sieh den Sinn des «Petrus, liebst du mich? Weide meine Schafe!» Damit ihr wißt, daß er nach seinem Willen seine Schafe so leiten sollte, daß er sein Leben für sie einsetzte, fügte er sogleich hinzu: «Da du ein Jüngling warst, gürtetest du dich selbst und gingest, wohin du wolltest; wenn du aber älter geworden bist, wird ein anderer dich gürten und wird dich bringen, wohin du nicht willst. Das aber sagte er – bemerkt der Evangelist –, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde" (Joh. 21,156), um den zu lehren, daß er sein Leben für seine Schafe einsetzen müsse, zu dem er gesagt hatte: «Weide meine Schafe».
Wo aber nimmt die Liebe ihren Anfang, Brüder? Worin sie vollendet wird, das habt ihr gehört. Ihr Ziel und Maß hat der Herr selbst im Evangelium nahegelegt: «Eine größere Liebe hat niemand, sagt er, als daß er sein Leben hingibt für seine Freunde» (Joh. 15,13). Ihre Vollendung also zeigt er im Evangelium. Doch ihr fragt euch: Können wir je diese Liebe haben? Verzweifle nicht vorschnell! Vielleicht ist sie schon geboren, aber nur noch nicht vollendet; nähre sie, damit sie nicht ersticke! Doch du wirst mir sagen: Woher kann ich das wissen, daß sie in mir schon geboren ist? Von der Vollendung der Liebe haben wir gehört; vernehmen wir nun ihren Anfang! Johannes fährt fort mit den Worten: «Wer aber die Güter der Welt hat und seinen Bruder hungern sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie wird die Liebe Gottes in ihm bleiben können?» (3,17) Siehe da, wo die Liebe ihren Anfang nimmt! Wenn du noch nicht bereit bist, für den Bruder zu sterben, so solltest du doch schon bereit sein, dem Bruder von deinen Gütern mitzuteilen. Möge die Liebe dein Herz bewegen, daß du nicht aus Ruhmsucht, sondern aus lauterster Barmherzigkeit handelst, daß du ihn rein in seiner Bedürftigkeit siehst. Denn wenn du dem Bruder nicht einmal von deinem Überfluß geben kannst, kannst du dann für ihn dein Leben einsetzten? An deinem Busen birgst du das Gold, das dir Diebe stehlen können; und wenn es nicht Diebe wegnehmen, wirst du es im Tode lassen müssen, auch wenn es dich bei Lebzeiten nicht verläßt. Was wirst du also tun? Es hungert dein Bruder, er befindet sich in einer Notlage; vielleicht ist er in großer Verlegenheit, von einem Gläubiger bedrängt; er besitzt selbst nichts, du hast etwas: Dein Bruder ist er; zumal seid ihr erkauft um den nämlichen Preis, beide seid ihr durch das Blut Christi erlöst; sieh, daß du dich seiner erbarmst, weil du weltliche Güter hast! Was geht das mich an?, sagst du vielleicht. Soll ich mein Geld hingeben, damit jener vor einer Unannehmlichkeit bewahrt bleibt? Wenn dir dein Herz so antwortet, dann bleibt die Liebe des Vaters nicht in dir. Wenn die Liebe des Vaters nicht in dir bleibt, bist du nicht aus Gott geboren. Wie kannst du dich da rühmen, ein Christ zu sein? Den Namen hast du wohl, die Taten hast du nicht. Wenn du aber mit dem Namen die Tat verbindest, dann mag einer dich einen Heiden schelten, du erweisest dich durch die Tat als Christ! Denn wenn du dich nicht im Werk als Christ erweisest, mögen alle dich einen Christen nennen, was nützt dir der Name, wo dir die Wirklichkeit fehlt? «Wer aber die Güter der Welt hat und seinen Bruder Not leiden sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie kann die Liebe Gottes in einem solchen bleiben?» Und Johannes fährt fort: «Kindlein, nicht nur im Worte und nicht bloß mit der Zunge laßt uns lieben, sondern in der Tat und in der Wahrheit!» (3,18)

Freitag, April 07, 2006

Wer ist ein Christ? Wer nicht? - Zum Fünften

Man kann es auf einen noch kürzeren Nenner bringen:
Christ ist, wer guten Willens ist. Der gute Wille ist das Ausschlaggebende. Wer guten Willen hat, kann (objektiv, materiell) noch so sehr auf Dunkel- und Irrwegen gehen, er strebt unweigerlich Christus, dem Lichte, dem Himmel zu. Wer bösen Willen hat hingegen, kann (physisch) noch so sehr in Christi Nähe weilen, er driftet ab, gleitet weg von Ihm, vom Heil. Darum sangen die Engel, „die große himmlische Heerschar" in ihrem Weihnachts-Gotteslob vor den staunenden Hirten: „Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind!" „Et in terra pax hominibus bonae voluntatis". ALLE Menschen, die guten Willens sind, werden also von den Himmelsboten mit dem Friedensgruß seitens GOTTES beehrt. Das heißt nichts anderes, als daß GOTT diese Menschen als seine „aktuellen" Kinder betrachtet, ob sie nun zum „Auserwählten Volk" gehören oder nicht, ob sie Heiden sind oder Juden, ob sie einem „götzendienerischen Volk" angehören oder nicht, ob sie eine richtige Gottesvorstellung haben oder nicht, ob sie unwissend und voller Vorurteile sind oder nicht, usw. Wichtig und wesentlich ist, daß sie guten Willen haben. Nicht der „Ausgangsort" und „flüchtige Standort" ist also maßgeblich, sondern die (Aus-)Richtung, die jemand hat. Guter Wille ist Aufbruch zu dem, wozu und wofür wir geschaffen sind, ist Aufstieg, ist Streben nach oben, ist Fortschreiten zum Besseren, ist Annäherung an den Bestimmungsort. Böser Wille ist Abstieg zu den Tiefen, ist Drang nach unten, ist Hang und Gang zum Schlechteren, ist Entfernung vom Ziel. „Selig, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit...; selig, die ein reines Herz haben..." Guter Wille ist immer Verlangen nach der Gerechtigkeit, d.h. nach der Ordnung GOTTES. Und diese Ordnung ist Klarheit, ist Reinheit von allem „Unstimmigen".
„Der Mensch sieht aufs Äußere, der Herr aber schaut ins Herz." (I Sm 16,7) „Die Gesinnung gibt den Ausschlag, ob eine Gabe reich ist oder dürftig, sie gibt den Dingen ihren Wert." (Ambrosius) „Auf der Waage der göttlichen Gerechtigkeit werden die Gaben nicht nach ihrer Menge, sondern nach dem Maße der dabei gezeigten Gesinnung gewogen." (Leo d. Gr.) „Was du (tun) willst und nicht (tun) kannst, das rechnet dir Gott als geleistet an." (Augustinus) In diesem Sinne können wir sogar noch weiter gehen und sagen: „Was du sein und tun würdest, wenn du erführest, erkänntest und dann wolltest, das rechnet dir Gott als erreicht und geleistet an." „Gott fragt nach der Wurzel, nicht nach der Blume." (Augustinus) „Gott wägt die Handlung mehr nach der Meinung ab, in der sie geschieht, als nach der Größe des verrichteten Werkes." (Nachfolge Christi) Gott veranschlagt auch die allgemeine, grundsätzliche, dauernde Disponiertheit mehr als die ausdrücklich gefaßte Partikular-Meinung. „Willst du wissen, ob dein Tun, sei es inneres oder äußeres, göttlich ist oder nicht und ob Gott es wirkt in dir: sieh zu, ob Gott das Ziel in deinem Denken ist; wenn ja, so ist dein Wirken gut. (Eckehart) „Alles, was zum Ziel bezogen ist oder der Richtung auf das Ziel entspricht, ist eben dadurch gut. Alles, sage ich, ist gut durch die Ordnung auf Gott als das letzte Ziel." (Derselbe)
Was aber ist konkret „guter Wille"? Guter Wille ist das aufrichtige Wollen (Anstreben) des als (sittlich) gut, als ein (sittlich) Gutes, als das Gute Erkannten. Guter Wille ist die ständige Bereitschaft und Entschlossenheit, das eigene Verhalten und Handeln am eigenen Gewissen auszurichten, mit dem Gewissen in (völlige) Übereinstimmung zu halten und zu bringen. Böser Wille ist logischerweise das Gegenteil davon. Böser Wille ist das mutwillige, vorsätzliche Nicht-Wollen des als moralisch Gesollten Erkannten. „Wenn der Wille das höhere Gut darangibt und sich einem niederen zuwendet, wird er böse; nicht weil der Gegenstand, zu dem er sich wendet, schlecht ist, sondern weil die Hinwendung selbst verkehrt ist." (Augustinus) „Nie ist etwas nützlich, wenn es nicht gleichzeitig sittlich gut ist. Und nicht, weil es nützlich ist, ist etwas sittlich gut, sondern weil es sittlich gut ist, ist es auch nützlich." (Cicero)
„Wenn die Heiden, die das Gesetz nicht haben, aus natürlichem Antrieb die Forderungen des Gesetzes erfüllen, so sind sie, weil sie das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie beweisen, daß der Kern des Gesetzes in ihr Herz geschrieben ist. Ihr Gewissen bezeugt es ihnen durch die Gedanken, die sie teils anklagen, teils verteidigen, am Tage, da Gott das verborgene Tun der Menschen nach meinem Evangelium durch Jesus Christus richten wird." (Röm 2,14-16) „Zwei Lehrer sind uns von Anfang an mitgegeben, die beide, auch ohne Worte, die Menschen unterweisen: die geschaffene Welt und das eigene Gewissen." (Chrysostomus) „Wie wir unsere erste Kenntnis der äußern Welt durch die Sinne haben, so beginnt unser Lernen von Gott dem Herrn durch das Gewissen ... Hier sind es die sich immer wiederholenden Erfahrungen des Gewissens, die uns ganz unaufdringlich den Willen eines Überlegenen nahebringen und uns zur immer deutlicheren Überzeugung von dem Dasein eines höchsten Gesetzgebers führen, von dem die einzelnen Mahnungen und Befehle ausgehen." (Newman)
Ein Missionar fragte einen alten Heiden in Indien: „Wenn euch jemand euer Geld stiehlt, begeht der eine Sünde?" „Natürlich!" „Und wenn jemand einen andern umbringt, ist das eine Sünde?" „Gewiß!" So ging der Pater die meisten Gebote durch und sagte dann: „Ihr habt alle die Gebote Gottes gewußt, wer hat euch denn die gelehrt?" „Gott." „Gott hat aber doch noch nie zu euch gesprochen." Da wies der Mann auf seine Brust: „Da drin, da drin!" Es war ein verachteter Paria, der nicht lesen und schreiben konnte!
Christ ist also jeder, der natürlich gut ist. Auch wenn er von Christus nichts weiß. Weil das Natur-Gesetz vollends übereinstimmt mit Christi offenbartem Gesetz. Weil er nur dann „natürlich gut" ist, wenn er die Botschaft von Christus sofort annehmen würde, wenn er sie (richtig) erführe. Denn: „Die heilige Mutter Kirche hält fest an der Lehre: Der Mensch kann Gott, den Ursprung und das Endziel aller Dinge, durch das natürliche Licht seiner Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewißheit erkennen. «Denn das Unsichtbare an ihm erschaut der denkende Verstand seit Erschaffung der Welt in seinen Werken.» (Röm 1,20) Indes hat es der Weisheit und Güte Gottes gefallen, Sich selbst und die ewigen Ratschlüsse Seines Willens dem Menschengeschlecht auch auf einem andern, dem übernatürlichen Weg zu offenbaren." (I Vaticanum, de fid. cath. 2,12 (D 1785) Aber eben: „Viele, die draußen (außerhalb der heilsnotwendigen Kirche) zu sein scheinen, sind drinnen; viele, die drinnen zu sein scheinen, sind draußen." (Augustinus) „Der vielberufene Satz («Außer der Kirche kein Heil») bedeutet, daß in der gegenwärtigen Heilsordnung alle Erlösungsgnaden nur mit Hinblick auf Christus und Seine wahre Kirche gespendet werden, daß somit alle, die gerettet werden, wenigstens innerlich (voto, d.h. durch ihre Bereitschaft, alles zu tun, was Gott verordnet hat) zur Kirche Christi gehören müssen. Von der äußern Zugehörigkeit zur katholischen Kirche gilt der Satz nur relativ, d.h. für alle diejenigen, die zur Erkenntnis der Wahrheit und Heilsnotwendigkeit dieser Kirche gelangt sind." (Pribilla) (P.O.S.)

Wer ist ein Christ? Wer nicht? Antwort auf die Einwände

Ich beginne gleich von hinten: die Unschuldigen Kindlein von Bethlehem sind selbstverständlich in einem entfernteren Sinne auch als "Märtyrer für Christus" gestorben. Aber da ihr Martertod nicht ein durch ihren je persönlichen bewußten Glauben und ihr eigenes Glaubenszeugnis herbeigeführter war, kann man von einem Martyrium für Christus im eigentlichen Sinne nicht reden. Ohne ihr Zutun und Verdienst zählten sie einfach zu den vom Abschlachtungsbefehl des Herodes Betroffenen. Vermutlich hat keines von ihnen gewußt, warum es getötet wird. So war ihr Tod denn auch nicht eine eigentliche Bluttaufe. Und obwohl sie weder Christus kannten, noch sich zu ihm bekannten, noch getauft waren, noch die Begierdetaufe haben konnten, noch die Bluttaufe empfangen hatten, sind sie mit Sicherheit im Himmel, in der ewigen Glückseligkeit, beim Dreifaltigen Gott. Und sie sind es durch Christus und in Christus, für Den sie ihr Leben lassen mußten, ohne daß sie es wollten und wußten. Und sie sind es trotz der Erbschuld, weil die durch Christi Inkarnation und Opfertod bewirkte Allerlösung auch alle Erbschuld tilgt, sofern der einzelne Mensch sich dieser Erlösung nicht schuldhaft verschließt. Die gemordeten Knäblein von Bethlehem konnten sich aber dieser Erlösung gar nicht verschließen, und so sind sie unfehlbar gerettet. Und sie haben noch eine besondere Auszeichnung: sie können (posthum) von sich sagen: wir sind für Christus gestorben, d.h. an seiner Statt. Seinetwegen mußten wir unser Leben lassen.
Vor der Erlösung durch Christus bewirkte allein schon die Erbschuld den Ausschluß aus der Anschauung Gottes. Und darum mußte bis zum Augenblick, da Jesus Christus die Erlösung vollbracht hatte, auch jeder Gerechte des Alten Bundes im "Limbus patrum" warten. Nach der Erlösung durch Christus ist die Erbschuld getilgt. Ein für allemal! Sie wird nur dem behalten, der diese Erlösung bewußt nicht annimmt. Und deshalb ist kein Mensch mehr "unrein" durch die Erbsünde, der sich nicht willentlich und wissentlich auflehnt gegen Gott, der zu jedem Menschen spricht in seinem Gewissen. ("Das Gewissen ist nach dem Sündenfall gleichsam als Gottes Stellvertreter zurückgeblieben und bleibt der Mahner, selbst wenn sonst alles Gute erstorben ist." (Hl. Antonius von Padua) ) Dennoch ist die Taufe ordentlicherweise für die Tilgung der Erbsünde erforderlich; denn Christus hat sie als Zuwendungs-Instrument eingesetzt. Wer die Taufe empfangen könnte und sie nicht empfängt, weil er sie innerlich und/oder äußerlich ablehnt, obwohl er weiß, daß Jesus Christus sie verordnet hat, bleibt unter der Wirkung der Erbschuld. Und so ist auch die Kirche als Heilsanstalt ordentlicherweise heilsnotwendig. Denn: "aufgrund des Glaubens ist festzuhalten, daß außerhalb der apostolischen römischen Kirche niemand zum Heil gelangen kann, daß diese die einzige Arche des Heiles ist, daß, wer in diese nicht eingeht, in der Sündflut untergeht. Und doch ist für ebenso sicher zu halten, daß jene, die an Unkenntnis der wahren Religion leiden, wenn diese Unkenntnis unüberwindlich ist, deswegen in keine Schuld vor Gottes Augen verstrickt werden. Nun aber, wer möchte so anmaßend sein, sich zuzutrauen, daß er die Grenzen dieser Unkenntnis ziehen könnte, bei Erwägung der Verschiedenartigkeit der Völker, Länder, Begabungen und so vieler anderer Umstände? Doch wenn wir einmal, von den Banden dieses Leibes befreit, Gott schauen werden, wie Er ist, dann werden wir gewiß einsehen, in welch schöner und enger Verbindung Gottes Erbarmen und Gerechtigkeit einander umschlingen. Solange wir aber auf Erden weilen, beschwert mit der Last unserer Sterblichkeit, die auf den Geist drückt, wollen wir auf Grund der katholischen Lehre innig daran festhalten, daß Ein Gott ist, Ein Glaube, Eine Taufe. Weiter in der Forschung sich vorzuwagen, ist unrecht." (PIUS IX., 1854) „Es ist zwar Uns und euch bekannt daß jene, die an einer unüberwindlichen Unwissenheit bezüglich unserer heiligen Religion leiden und die anderseits das Naturgesetz und dessen von Gott in aller Herzen geschriebene Gebote sorgfältig beobachten sowie mit Gehorsamsbereitschaft für Gott ein anständiges und ordentliches Leben führen, mit Hilfe der göttlichen Erleuchtung und Gnade das ewige Leben erlangen können; denn Gott der den Geist, die Gesinnung, die Gedanken und die ganze Einstellung jedes Menschen vollkommen klar vor Augen hat, durchschaut und kennt, kann bei Seiner höchsten Güte und Milde keineswegs zulassen, daß jemand mit ewigen Peinen bestraft wird, der sich keine freiwillige Schuld zugezogen hat" (PIUS IX., 1854) "Sich mit freiem Willen Schuld zuziehen" macht also allein unrein. Und dieses Unreine kann nicht in den Himmel eingehen. Es ist der böse Wille. Menschen, die nicht zum Vernunftalter gelangen, können keinen bösen Willen entwickeln, können sich keine Schuld zuziehen. Sie werden durch die Erlösung in Christus aus reiner Gnade in die Anschauung Gottes und damit in die ewige Seligkeit in den ewigen Himmel, aufgenommen. Einer besonderen Prüfung bedürfen sie dazu nicht. Ihr zu frühzeitiger Tod ist sozusagen ihre kompensatorische Prüfung. (P.O.S.)

Wer ist ein Christ? Wer nicht? - Einwände eines Lesers zum Vierten Teil

Nach meiner Auffassung sind die Ausführungen über die "Allerlösungslehre" daneben geraten. Es fehlt vor allem der Hinweis auf die Erbsünde (Erbschuld), das ist jener Zustand, in dem die Menschen geboren (gezeugt, empfangen) werden, da gemäß Röm. 5.12 ("Wie durch einen Menschen (Adam) die Sünde in die Welt gekommen ist, und durch die Sünde der Tod, so auch ist auf alle Menschen der Tod übergegangen, deshalb weil alle gesündigt haben.") in Adam alle gesündigt haben. Wenn doch die Erbschuld keine Rolle spielt für die im genannten Artikel erwähnten Seelen, da alle erlöst sind oder werden, fragt man sich in diesem Zusammenhang, ob das Dogma der Unbefleckten Empfängnis überflüssig ist. Warum verlangt aber das Tridentinum für die Tilgung der Ebschuld und zur Erlangung der ewigen Seligkeit die gültige Taufe?
Sicher ist es ja, da es nicht möglich ist, daß alle Menschen auf Christus Jesus getauft sind (Röm. 6.3), also die Erbschuld nicht getilgt ist (zB im Alten Bund) diese darum nicht verworfen werden, weil es keine persönliche Schuld ist. Die „Allerlösungslehre" stützt sich wohl auf Röm. 5.18+19, die wie folgt lauten: „Also folgt: Wie es durch des Einen Sündenfall für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch des Einen Rechttat für alle Menschen zur lebenspendenden Rechtfertigung. Wie nämlich durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern gemacht wurden, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten gemacht. (Warum wohl die Vielen und nicht alle?)
Früher wurde gelehrt, daß die Gerechten des Alten Bundes (von Adam bis Joseph) im Limbus patrum (Vorhölle) bis zur Eröffnung des Himmels durch Christus warten mußten, dann gab es noch einen Limbus puerorum, wo jene Kinder in einer Art natürlicher Seligkeit zu denken seien, die ohne Taufe starben und wegen des damit gegebenen Bleibens der Erbsünde nicht zur Anschauung Gottes gelangen können. (Angaben aus Kleines Theologisches Wörterbuch). Da hier keine kirchliche Lehräußerung darüber vorliegt, wird weiter diskutiert.
Ist es nicht so, daß nichts Unreines in den Himmel gelangt? (vgl. Eph. 5.5 und Apokal. 21.27) Auch scheint es mir unmöglich, daß ein Mensch ohne weiteres, also ohne jede Prüfung die ewige Anschauung Gottes erlangt, was ja nicht einmal den Engeln zugestanden wurde. Letztere hatten eine einzige Prüfung zu bestehen, die über ewige Seligkeit oder ewige Verwerfung entschied. Das macht die Teufel so böse, weil sie sehen, wie die Menschen immer und immer wieder sündigen und bei Reue Verzeihung erlangen können, sie selber aber nicht. Könnte es nun nicht so sein, daß die Seelen, deren Geist nicht die dem Menschen zugeordnete Reife erlangen konnte, eine Prüfung auferlegt würde, ähnlich zB der Engel, und dies dann die Entscheidung für oder gegen Gott wäre? Von einem Kirchenlehrer stammt doch die Aussage, daß uns Gott ohne uns zu fragen in die Welt gesetzt hat, aber uns nicht erlöst ohne unseren Willen.
Wahrscheinlich muß das Fest der unschuldigen Kinder (Gedächtnis der ermordeten Knaben von Bethelehem am 28. Dezember) umbenannt werden. Die gemäß Seher ungefähr 700 Knäblein, die auf Befehl von Herodes getötet wurden, um den von den Weisen aus dem Morgenland angesagten König der Juden zu eliminieren, seien nicht aus dem Grund im Himmel, weil sie als Märtyrer für Christus gestorben sind. Gilt etwa die Bluttaufe für Märtyrer nicht mehr? (...)

Freitag, März 31, 2006

Wer ist ein Christ? Wer nicht? - Zum Vierten

(Vorgang: Teil 1 - Teil 2 - Teil 3)

Da Christus also, wie hinreichend nachgewiesen, identisch mit GOTT ist, eines Wesens mit der höchsten unerschaffenen und allschöpferischen Ewigen Wesenheit, ist jeder Mensch ein (mindestens anonymer) Christ, der den Willen GOTTES (wenigstens implizit) (nach Maßgabe seines Erkennens und seiner Willenskraft) erfüllt oder (grundsätzlich) zu erfüllen trachtet. Um Christ zu sein, ist also weder das konkrete Wissen um Christus, noch das explizite Bekenntnis zu Ihm, noch die materielle Taufe etc. unabdingbare Voraussetzung. Das alles gab es einmal nicht. In den Zeiten vor Christus. Im Alten Bund. Und doch waren - schon vor Christi Geburt - ALLE "Gerechten" jener frühen Epochen eigentlich auch CHRISTEN, d.h. in Christus (Vor-)Erlöste, nämlich Menschen, die an den GOTT glaubten, der dann "in der Fülle der Zeit" in Jesus Christus Mensch und damit sichtbarer, "greifbarer" Retter, Erlöser geworden ist, an den Gott, der schon damals Seinen Willen, Seine Gesetze (durch die Propheten) den Menschen zur Erfüllung und damit zu ihrem Heil auftrug, und schon damals ALLES auf CHRISTUS hin schuf und ordnete. Adam und Eva, Noah, Abraham, Moses, Esther und Judith, Anna und Joachim, etc. sie alle waren und sind also Erlöste, Gerettete, Heilige und darum auch CHRISTEN! Sie ohnehin. Aber nicht nur sie, sondern auch ALLE HEIDEN, die ohne eigene Schuld nichts (oder nicht Hinreichendes) von der wahren Gottesoffenbarung, nichts (oder nicht genügend Überzeugendes) von Jesus Christus als dem Gott-Menschen und Erlöser, nichts (oder nur Bruchstückhaftes) von seinem Evangelium (oder schon von seinem Protoevangelium), nichts (oder mehr Negatives) von seiner Kirche erfahren haben und erfahren, und die nach bestem Wissen und Gewissen ihr Leben an ihrem entsprechend dunklen, wenigstens aber aufrichtigen Glauben ausrichten. Alle, die "in unüberwindlicher Unwissenheit" hinsichtlich der göttlichen (Voll-)Wahrheit "in Finsternis und Todesschatten" sitzen, die unschuldigerweise falschen Philosophien und Religionen und Weltanschauungen anhangen und so ihr kümmerliches, aber ehrliches, "gutartiges", "gerechtes" Seelenleben fristen.
Christ ist also nicht nur, wer sich bewußt zu Christus bekennt und seine Lehre annimmt und erfüllt, sondern auch, wer sich unbewußt, eben implizit, d.h. einschlußweise, zu all dem bekennt und all das annimmt, und all das erfüllt, was GOTT direkt und indirekt in jedes Menschen Herz "verkündet". So ist denn tatsächlich JEDER Mensch, sind ALLE Menschen ohne Ausnahme erlöst oder vorerlöst.
Es gibt also eine wahre "Allerlösungslehre". Aber sie darf nicht mißverstanden und mißdeutet werden.
Wären wir alle unschuldig wie Kinder, wie (noch) unwissende und unvermögende Kleinkinder, dann bräuchten wir um unser ewiges Seelenheil keine Bedenken zu haben. Wir kämen alle in den Himmel. Und effektiv: ALLE Menschen, ALLE, auch die Ungetauften, also auch alle Heidenkinder, die gezeugt und empfangen werden, die nicht geboren oder geboren werden, die sterben oder getötet werden, ohne zum Vernunftsalter (und damit zur Fähigkeit des Sündigens, zur Auflehnung wider Gott) gelangt zu sein, sie ALLE sind notwendigerweise in Christus Erlöste und wie die Unschuldigen Kindlein von Bethlehem in Christus Geheiligte und Heilige. Und sie genießen ALLE die ewige Glückseligkeit. Um ihr Heil müssen wir also nicht fürchten. Das Kapitalverbrechen der Abtreibung (z.B.) ist nicht deshalb so entsetzlich und verabscheuungswürdig, weil die Dahingeschlachteten ewig verlorengingen, sondern weil sich die sie Abschlachtenden mit höchster Wahrscheinlichkeit zur Hölle verdammen. Und wohlverstanden: die Unschuldigen Kindlein von Bethlehem sind nicht deshalb Selige, weil sie etwa Judenkinder (also Kinder des "auserwählten Volkes") waren, und auch nicht, weil sie wegen Christus (um Christi willen) getötet wurden. Sie wären es auch, wenn sie völlig ohne Zusammenhang mit Jesus Christus irgendwo auf dieser Welt von einem Rohling oder einer ganzen Horde von Schlächtern gemordet oder von Krankheit oder Naturkatastrophen oder Unfällen aus dem Leben gerissen worden wären. Sie sind ganz einfach Selige, weil sie unschuldige Kindlein waren und als beseelte Geschöpfe Gottes in Christus Erlöste sind, solange sie sich nicht bewußt gegen Gott richten!
Noch einmal mit anderen Worten und ganz kurz gesagt: Gotteskind und damit in Christus Erlöster und damit Christ ist JEDER ins Dasein gerufene MENSCH, der nicht wissentlich und willentlich gegen seine Natur, gegen sein Gewissen, gegen Gott und damit gegen Christus steht.
Daraus folgt, daß ALLE jene keine Christen sind, die sich wider bessere Erkenntnis, d.h. schuldhaft, d.h. sündhaft gegen Christi Lehre und damit gegen GOTTES GESETZ oder gegen Gottes Gesetz und damit gegen CHRISTI LEHRE auflehnen. Und so wie ein Mensch, der ganz einfach die in allem grundgelegten Gesetze Gottes erfüllt, ein Christ ist, auch wenn er nicht getauft ist und vom christlichen Glaubensbekenntnis überhaupt nichts, oder nichts Ausdrückliches, oder nur Unzureichendes weiß, so ist kein Christ derjenige Mensch, der in irgendeiner Form wesentlich wider diese Gesetze handelt, auch wenn er getauft ist, auch wenn er ein höchster Kirchenfürst ist. Kein Christ ist, wer "aus seinem Herzen eine Mördergrube macht", wer also die Gnade(n) Gottes verschmäht, mit Füßen tritt, wer das Licht, das in ihn einfließt, mutwillig auslöscht, wer die Flamme erstickt, wer die Finsternis mehr liebt als das Licht. Kein Christ ist, wer, wenn er über Gott, über Christus Wahres erfährt, dieses Wahre dauernd, hartnäckig abweist, wer sich auf jeden spürbaren Gnaden-Anruf hin verschließt, wer im Seelischen fortgesetzt wider seine Natur handelt.
Und noch einmal anders ausgedrückt: Christ ist, wer nach dem Maße seiner Einsicht und seiner Fähigkeiten und seiner Mittel und seines Handlungsspielraums sich als Geschöpf und Kind GOTTES fühlt und benimmt und deshalb alles Gute anstrebt und alles Böse meidet und flieht und bekämpft.
(P.O.S.)

Dienstag, März 28, 2006

Wer ist ein Christ? Wer nicht? - Zum Dritten

Christ ist, wer glaubt, daß Christus die Wahrheit ist. Daß Er die absolute, alles umfassende Wahrheit ist. Wir nennen etwas wahr, was in Wirklichkeit so ist, wie es ausgesagt wird. Wahrheit ist, was mit dem Sein übereinstimmt. Die Wahrheit ist, was mit dem Sein kongruent, deckungsgleich ist. Jesus ist die Wahrheit, weil Er das Sein ist. Er ist der Seiende, das Leben schlichthin. "Wie der Vater das Leben in Sich selbst hat, so hat Er auch dem Sohn verliehen, das Leben in Sich selbst zu haben." (Jo 5,26). Vor Ihm und über Ihm gibt es nichts In-Sich-Seiendes. Alles Leben strömt aus Ihm. Wäre Jesus nicht GOTT, dann könnte Er niemals von sich sagen: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben". Wäre Jesus nur ein Mensch wie wir, und wenn auch ein viel vollkommenerer (wie die heiligste Jungfrau Maria), dann wäre Jesus nicht die Wahrheit, sondern dann wäre er höchstens höchster Künder und Vermittler der Wahrheit, des Seins, des Lebens. Christ ist, wer glaubt, daß Christus der Allwissende ist. Jesus ist auch als kleines Kind, ja schon als Ungeborener im Mutterschoß, der Allwissende und Allmächtige. (Vgl. dazu z.B. das mystische Werk "Das Innenleben Jesu" der Äbtissin Cäcilia Baij) In Seiner Person vereinigt er die göttliche mit der menschlichen Natur. "Ein und derselbe Christus existiert in 2 Naturen, unvermischt, unveränderlich, ungeteilt und untrennbar, wobei die Verschiedenheit der Naturen wegen der Einigung nicht aufhört, vielmehr die Eigentümlichkeit jeder Natur bewahrt wird und mit der andern zu einer Person und Subsistenz zusammenkommt; er (Christus) ist nicht in 2 Personen geteilt, sondern ein und der nämliche ist eingeborener Sohn, Gott, Logos, Herr, Jesus Christus" (Denzinger 1 48). Gott aber nahm in Christus die Menschennatur an und nicht umgekehrt. Nicht der Mensch, der in Maria empfangen wurde, nahm die Gottesnatur an. Die Vereinigung der beiden Naturen geht also von der göttlichen aus und wird von dieser bestimmt. Gott hat aber nicht eine Menschennatur angenommen, um sie nach Belieben wieder "abzustreifen", sondern für immer, für ewig, "unveränderlich", unwiderruflich! Die Zweite Person Gottes kann sich nie mehr von ihrer Menschennatur trennen. Doch trotz dieser untrennbaren Einigung wird die Eigentümlichkeit auch der menschlichen Natur bewahrt. Jesus Christus ist wahrer, wahrster Mensch. Nichts geht ihm ab an seinem Menschsein, was das Menschsein ausmacht. "In ALLEM wurde Er uns gleich, außer (in) der Sünde." Jesus mußte darum als Mensch auch lernen, Erfahrungen sammeln, zunehmen an Weisheit und Macht (Können). Christus war Mensch unter Menschen. Er bewegte sich unter ihnen, sprach mit ihnen, aß und trank, hungerte und dürstete, war müde vom Wandern, schlief müde im Schiff, vergoß blutigen Schweiß, litt, starb und wurde begraben; Er trauerte, weinte, wurde erschüttert, frohlockte, zürnte und liebte menschlich stark und innig. Jesus konnte darum als Mensch von sich auch sagen: "Nicht einmal der Menschensohn kennt den Tag und die Stunde..." und konnte echt beten: "Vater, ... dieser Kelch möge an mir vorübergehen." Und: "Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" Christ ist demnach nur, wer nicht nur glaubt, daß Christus der wahre und einzige GOTT ist, sondern auch das für absolut unabdingbar hält, daß Jesus Christus in jeder Beziehung echter, wahrer MENSCH und damit unser BRUDER und damit unser ERLÖSER ist. Nicht als Gott hat Christus uns erlöst, sondern als Mensch. "Wäre Gottes Sohn nur Gottes Sohn geblieben, ohne Menschensohn zu werden, so hätte Er die Menschenkinder nicht erlöst." (Augustinus s. 1 27,6,9; 38:710) "Hätte Er irgend etwas von der menschlichen Natur nicht angenommen, so hätte Er uns auch nicht erlösen können." Hieronymus, hom.in nat. Dom (Kös 15:217). "Der Logos schuldet dem Vater keinen Gehorsam, sondern ist ein Herr und Gott mit ihm. Wenn er nun in einer Menschennatur ein Leben des freiwilligen Gehorsams vom ersten Eintritt in die Welt (Hebr. 1 0,5) an bis zum Kreuzestode (Phil 2,8) führt und als Sühne für uns (Mk 10,45) aufopfert, so wird aus unserer Mitte heraus überfließend mehr und Wertvolleres Gott dargeboten, als wir alle ihm an geschuldetem Gehorsam verweigert haben. Das Geheimnis der hypostatischen Union ist also, worauf schon seine frühesten patristischen Verteidiger hinweisen, das eigentliche Fundament für die Möglichkeit der vollkommenen und überfließenden Sühneleistung im Erlösungswerk Christi." (Lex.f. Theol. u. Kirche, Herder, 1 933)
Das letzte, das entscheidende Verständnis Seiner Person kann uns nur Jesus Selbst aufschließen. Es hat nie Menschenworte gegeben, die es an Würde und Machtgefühl aufnehmen könnten mit den Worten und Gesten, in denen das göttliche Selbstbewußtsein Jesu aufblitzte. Nie hat ein Mensch mit solchem Bewußtsein vor der Welt gestanden. Keine natürlichen Entwicklungen können einen Menschen auf jene Höhe führen, auf der Jesus steht. Die Natur baut keine Jakobsleiter zu dem Thron hin, auf dem der Messias thront. Man versuche es einmal und streiche alle Worte aus Christi Mund, aus denen ein Schimmer übermenschlicher Größe und Macht leuchtet, alle Aussprüche, welche von Seiner eigenen Erhabenheit und Gottheit handeln, alle Taten, die als Wunder und Erfüllung der Weissagungen bezeichnet werden: was bleibt dann von Seinen Worten überhaupt noch übrig? Und so bestimmt, so selbstverständlich, so natürlich, wie Er von Gott als Seinem Vater sprach, konnte nur der reden, der Gott in dem Lichte Seiner eigenen Seele schaute, der nicht uns andern gleich nur durch äußere Vermittlung zu einem tieferen Gottesbewußtsein eingeführt wurde. Es gibt nichts Hohes und Heiliges im Alten Bund, nicht einmal seinen Tempel, nicht einmal seinen Sabbat, ja nicht einmal sein Gesetz, was nicht Seinem Willen und Seiner Vollmacht unterstünde. In dem einen kleinen Wort vom Menschensohn, in dem Schlichtesten, was Er von Sich aussagen konnte, in dem Namen "Mensch" verbargen Sich Ihm die ungeheuersten Spannungen Seines Selbstbewußtseins. Bis zum Himmel weiß Sich Jesus erhöht, und in den Staub der Erde sieht Er Sich hinabgestoßen. Er ist gekommen zu herrschen. Er ist gekommen zu dienen, zu sterben. König des Himmels ist Er und Mensch, ja Sklave der Menschen zugleich. Wer hier erschrickt, wer nicht mehr weiter kann und an dem Paradox zusammenbricht: Gott, der Allvollkommene, Allheilige, der Unendliche ist ein Mensch, ein Jude, ein Zimmermann, ein Verurteilter, ein Gekreuzigter: solch ein Schiffbrüchiger mag doch wohl noch gläubiger und frömmer sein als einer, der all das gelassen zur Kenntnis nimmt und teilnahmslos sein Credo spricht, oder gar als einer, der sich erfrecht, Jesu Selbstaussagen als unschuldige Floskeln, als harmlose Übersteigerungen eines exzentrisch frommen Gemüts auszugeben und vor der edlen Menschlichkeit Jesu seine Verbeugung zu machen.
Jesus starb, Jesus mußte sterben, weil die Menschen zu klein und zu eng, zu stumpf und zu niedrig waren, um Sein Hohes, Himmlisches zu erfassen. "Entweder ist Jesus Christus wirklich wahrer Gott oder die christliche Religion ist in ihrem innersten Kerne gotteslästerlicher Trug, und ihr Stifter selbst war ein Bösewicht oder Wahnwitziger; das ist aber für alle, die denken können und wollen, ein vollgültiger Beweis sowohl für die Gottheit Christi als auch für die Wahrheit und Göttlichkeit des Christentums." (Kleutgen, Theol. d. Vorzeit 3,17)

Freitag, Januar 20, 2006

Wer ist ein Christ? Wer nicht? - Zum Zweiten

Christ ist, wer Jesus Christus ins Zentrum, in die Herzmitte seines Lebens stellt, für den Christus das A und O, der Anfang und das Ende, der Eingang und der Ausgang, das Beginnen und das Abschließen, d.h. das ganze Leben ist, sowohl das zeitliche wie das ewige. Christ ist, wer neben Jesus Christus nicht noch andere „Götter" hat, wer den Begründer des Christentums für GOTT, den alleinigen und einzigen GOTT hält und darum über alles ehrt und achtet und darum Seine Gebote und Weisungen und Lehren über alles beachtet und befolgt.
Kein Christ ist, wer andere Menschen auf die gleiche Stufe stellt wie Christus, wer z.B. andere „Religions"-Vorsteher und „geistliche" Führer (irgendwie auch) für Heilsstifter hält. Nur in Christus ist Heil, das Heil. Nur Jesus konnte von sich sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Er hat nicht gesagt: „Ich bin ein Weg... es gibt noch andere..." Nur Er ist der Retter, der Erlöser. Kein Christ ist, wer andere (angebotene) „Wege" für wert hält, gleich- oder ähnlichwertig beachtet oder gar befolgt zu werden. Es gibt keine Gnosis (Wissen um Gott und göttliche Geheimnisse), es gibt keine Gotteserkenntnis gegen Christus. Als „Weg" und „Wahrheit" und „Leben" Etikettiertes und Proklamiertes, das auch nur in Teilbereichen gegen das von Jesus Christus Verkündete steht, kann für einen Christen nur als „Abweg" und „Unwahrheit" und „Unleben (Tod)" gelten.
Christ ist, wer Jesus Christus für den Wegweiser, den Wahrheitsverkünder, den Lebensspender hält, außer dem es nur Boten, Vermittler, Diener dieses Seines Weges, dieser Seiner Wahrheit, dieses Seines Lebens geben kann. Kein Christ ist, wer auch nur irgendeinen anderen Menschen als mit gleicher/ähnlicher Macht und Herrlichkeit, mit irgendwelcher eigener Machtvollkommenheit ausgestattet hält. Christus ist das Licht der Welt. Er ist der Lehrer aller Lehrer, der Meister aller Meister, der Herrscher aller Herrscher. Von Seinem Denken und Wollen hängt alles, hangen alle ab. Sein Gericht ist das höchste. Sein Wort das absolute, das alles und alle bindende. Niemand kann sich herausnehmen, über Sein Wort zu bestimmen, zu verfügen. Was Jesus Christus bezeugt und gelehrt hat, hat ewigen Bestand und ewige Gültigkeit. Keine Autorität der Erde (auch die des Papstes nicht!) und des Himmels (auch die der Engel und Heiligen nicht), kann dagegen auftreten. Ein Papst, auch wenn er als Nachfolger des Apostels Petrus höchster „Stellvertreter Christi" und damit „Schlüsselträger" und damit Inhaber der Binde- und Lösegewalt ist, hat keine eigene Machtvollkommenheit, so daß er irgend etwas von Christus Bezeugtes, Bewertetes, Gelehrtes, Entschiedenes neu und anders bezeugen, bewerten, lehren oder entscheiden könnte. So können Päpste und Konzilien nichts von dem aufheben oder uminterpretieren, was in der (als echt und vollständig erkannten und anerkannten) Heiligen Schrift festgeschrieben und von Anfang an zuverlässig überliefert ist. Die Apostel und Jünger Christi und ihre Nachfolger sind nichts mehr als Diener und Ausspender der Besitz- und Reichtümer Christi. Sie sind nicht als Herren über das Erbe Christi gesetzt, sondern als Verwalter. Das Erbe aber sind vorzüglich die Seelen, die von Ihm erlösten, losgekauften Seelen. Christus ist die Tür zu den Schafen. Er ist der gute Hirt. Er ist das Brot des Lebens. Er ist die Auferstehung und das (ewige) Leben. Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Er steht an der Spitze von allem, und alles hat in Ihm seinen Bestand. In Ihm ist alles erschaffen, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten, alles ist durch Ihn und für Ihn geschaffen. (Kol I, 15-17) In Ihm wohnt wirklich die ganze Fülle der Gottheit. (Kol 2,9) Er ist der Anfang, der Erstgeborene unter den Toten. (Kol. 1,18) Alles hat Er (Gott Vater) Ihm zu Füßen gelegt und Ihn zum alles überragenden Haupte der Kirche gemacht, die Sein Leib ist, erfüllt von Ihm, der das Ganze mit allem erfüllt (Eph 1,22.23).
Wie tief und eindrucksvoll ist die schlichte Symbolik alter Mosaiken, Gemälde, Buchmalereien: Christus groß, alle anderen Personen, z.B. Apostel usw., klein dargestellt (vor Ihm wird alles klein).
Christus ist gesetzt ... zu einem Zeichen des Widerspruchs, an Ihm vollzieht sich das große Entweder-Oder. „Glaubt nicht, Ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert (der Geisterscheidung)." (Mt 10,34)
„Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber auf den Sohn nicht hören will, wird das Leben nicht sehen, sondern dem Zorne Gottes verfallen." (Jo 3,36) „Wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat." (Jo 3,18) „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer aber den Sohn bekennt, hat auch den Vater." (I Jo 2,23)
„Das ist Sein (des Vaters) Gebot, daß wir an den Namen Seines Sohnes Jesus Christus glauben." (I Jo 3,23) „Wer an Mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und wer im Glauben an Mich lebt, wird in Ewigkeit nicht sterben." (Jo 11,26) „Niemand erkennt den Sohn als der Vater, und niemand erkennt den Vater als der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will." (Mt 11,25-27) „Wer Mich verachtet und Meine Worte nicht annimmt, der hat seinen Richter: das Wort, das Ich verkündet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage." (Jo 12,47.48) „Wenn ihr nicht glaubt, daß Ich es bin, werdet ihr in euren Sünden sterben." (Jo 8,24) „Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; auf wen aber der Stein fällt, den wird er zermalmen." (Lk 20,18) „Ist unsere frohe Botschaft verhüllt, so ist sie nur für jene verhüllt, die verloren gehen, für die Ungläubigen, deren Verstand der Gott dieser Welt verblendet hat, daß ihnen nicht erstrahle das Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, der das Ebenbild Gottes ist." (2 Kor 4,3f. „Sie verleugnen den Herrn, der sie losgekauft hat, und ziehen sich jähes Verderben zu." (2 Petr 2,1)
Darum: „Geliebte, traut nicht jedem Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind. Denn es sind viele falsche Propheten in die Welt hinausgegangen. Daran erkennt den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleische gekommen ist, ist aus Gott; der Geist aber, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott." (I Jo 4,1) „Viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht bekennen, daß Jesus Christus im Fleische erschienen ist. Aus ihnen spricht der Verführer, der Antichrist. Seht euch vor, daß ihr nicht verliert, was ihr erarbeitet habt, sondern daß ihr den vollen Lohn empfangt. Wer über die rechte Grenze hinausgeht und nicht bei der Lehre Christi bleibt, besitzt Gott nicht; wer aber bei der Lehre bleibt, besitzt den Vater und den Sohn."
Da Christus also, wie hinreichend nachgewiesen, identisch mit GOTT ist, eines Wesens mit der höchsten unerschaffenen und allschöpferischen Ewigen Wesenheit, ist jeder Mensch ein (mindestens anonymer) Christ, der den Willen GOTTES (wenigstens implizit) (nach Maßgabe seines Erkennens und seiner Willenskraft) erfüllt oder (grundsätzlich) zu erfüllen trachtet. Um Christ zu sein, ist also weder das konkrete Wissen um Christus, noch das explizite Bekenntnis zu Ihm, noch die materielle Taufe etc. Unabdingbare Voraussetzung. Das alles gab es einmal nicht. In den Zeiten vor Christus. Im Alten Bund. Und doch waren – schon vor Christi Geburt – ALLE „Gerechten" jener frühen Epochen eigentlich auch CHRISTEN, d.h. in Christus (Vor-)-Erlöste, nämlich Menschen, die an den GOTT glaubten, der dann „in der Fülle der Zeit" in Jesus Christus Mensch und damit sichtbarer, „greifbarer" Retter, Erlöser geworden ist, an den Gott, der schon damals Seinen Willen, Seine Gesetze (durch die Propheten) den Menschen zur Erfüllung und damit zu ihrem Heil auftrug, und schon damals ALLES auf CHRISTUS hin schuf und ordnete. Adam und Eva, Noah, Abraham, Moses, Esther und Judith, Anna und Joachim, etc. Sie alle waren und sind also Erlöste, Errettete, Heilige und darum auch CHRISTEN! Sie ohnehin. Aber nicht nur sie, sondern auch ALLE HEIDEN; die ohne eigene Schuld nichts (oder nicht Hinreichendes) von der wahren Gottesoffenbarung, nichts (oder nicht genügend Überzeugendes) von Jesus Christus als dem Gott-Menschen und Erlöser, nichts (oder nur Bruchstückhaftes) von seinem Evangelium (oder schon von seinem Protoevangelium), nichts (oder mehr Negatives) von seiner Kirche erfahren haben und erfahren, und die nach bestem Wissen und Gewissen ihr Leben an ihrem entsprechend dunklen, wenigstens aber aufrichtigen Glauben ausrichten. Alle, die „in unüberwindlicher Unwissenheit" hinsichtlich der göttlichen (Voll-)-Wahrheit „in Finsternis und Todesschatten" sitzen, die unschuldigerweise falschen Philosophien und Religionen und Weltanschauungen anhangen und so ihr kümmerliches, aber ehrliches, „gutartiges", „gerechtes" Seelenleben fristen.
Christ ist also nicht nur, wer sich bewußt zu Christus bekennt und seine Lehre annimmt und erfüllt, sondern auch, wer sich unbewußt, eben implizit, d.h. einschlußweise, zu all dem bekennt und all das annimmt, und all das erfüllt, was GOTT direkt und indirekt in jedes Menschen Herz „verkündet". So ist denn tatsächlich JEDER Mensch, sind ALLE Menschen ohne Ausnahme erlöst oder vorerlöst.
Es gibt also eine wahre „Allerlösungslehre". Aber sie darf nicht mißverstanden und mißdeutet werden.
Wären wir alle unschuldig wie Kinder, wie (noch) unwissende und unvermögende Kleinkinder, dann bräuchten wir um unser ewiges Seelenheil keine Bedenken zu haben. Wir kämen alle in den Himmel. Und effektiv: ALLE Menschen, ALLE, auch die Ungetauften, also auch alle Heidenkinder, die gezeugt und empfangen werden, die nicht geboren oder geboren werden, die sterben oder getötet werden, ohne zum Vernunftsalter (und damit zur Fähigkeit des Sündigens, zur Auflehnung wider Gott) gelangt zu sein, sie ALLE sind notwendigerweise in Christus Erlöste und wie die Unschuldigen Kindlein von Bethlehem in Christus Geheiligte und Heilige. Und sie genießen ALLE die ewige Glückseligkeit. Um ihr Heil müssen wir also nicht fürchten. Das Kapitalverbrechen der Abtreibung (z.B.) ist nicht deshalb so entsetzlich und verabscheuungswürdig, weil die Dahingeschlachteten ewig verlorengingen, sondern weil sich die sie Abschlachtenden mit höchster Wahrscheinlichkeit zur Hölle verdammen. Und wohlverstanden: die Unschuldigen Kindlein von Bethlehem sind nicht deshalb Selige, weil sie etwa Judenkinder (also Kinder des „auserwählten Volkes") waren, und auch nicht, weil sie wegen Christus (um Christi willen) getötet wurden. Sie wären es auch, wenn sie völlig ohne Zusammenhang mit Jesus Christus irgendwo auf dieser Welt von einem Rohling oder einer ganzen Horde von Schlächtern gemordet oder von Krankheit oder Naturkatastrophen oder Unfällen aus dem Leben gerissen worden wären. Sie sind ganz einfach Selige, weil sie unschuldige Kindlein waren und als beseelte Geschöpfe Gottes in Christus Erlöste sind, solange sie sich nicht bewußt gegen Gott richten!

Montag, Januar 16, 2006

Wer ist ein Christ? Wer nicht?

Ich habe versucht, diese Frage(n) in eigener, persönlicher Formulierung in Kürze und in Klarheit zu beantworten:

Christ ist, wer Jesus CHRISTUS so annimmt und in seinem und durch sein Leben bekennt, wie Sich dieser Christus Selber bezeugt hat. Christ ist, wer vorbehaltlos und uneingeschränkt an Jesus Christus, an Sein Wort, an Seine Lehre glaubt und diesen Glauben durch seine Taten (als echt) beweist.
Jesus Christus ist also die Basis, der Boden, das Fundament des christlichen Glaubens und des Christseins, das ist klar. Und zwar (natürlich nur) der wirkliche Jesus Christus, der tatsächlich gelebt hat, nicht irgendein Phantasieprodukt, einzig der geschichtliche, der von seinen (unvoreingenommenen, gerechten) Zeitgenossen, von Seinen Jüngern, Seinen Aposteln und den Apostelschülern in historischen Urkunden, - deren einwandfreie Überlieferung bis heute nachgewiesen und jederzeit nachweisbar ist -, in jeder Hinsicht glaubwürdig geschilderte Jesus von Nazareth. "Was von Anfang an war, was wir gehört und mit unsern Augen gesehen haben, was wir geschaut und mit unsern Händen betastet haben, berichten wir vom WORT des Lebens. Das Leben ist ja erschienen, und wir haben es gesehen und bezeugen und verkünden euch das Leben, das Ewige, das beim Vater war und sich uns geoffenbart hat." (l. Jo 1, 1 f.)
Christ ist somit, wer die vier (kanonischen) Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes), die Apostelgeschichte, die Briefe des heiligen Apostels Paulus, die "Katholischen Briefe" (den Brief des Apostels Jakobus, die Briefe des Apostelfürsten Petrus, die Briefe des Apostels Johannes, den Brief des Apostels Judas Thaddäus), die Offenbarung des Apostels Johannes, d.h. die Bibel, die Heilige Schrift des Neuen Testamentes (nebst derjenigen des Alten Bundes) vor allem mit 100%iger Zustimmung annimmt.
Und nun, diese Ausgangsbasis einmal gesetzt, ergibt sich alles Weitere wie von selbst:
Christ ist nur, wer an die Gottheit Christi glaubt, wer bekennt, daß Christus wahrer GOTT, wesensgleich mit Gott dem Schöpfer aller Dinge, dem Ewigen VATER oder mit GOTT schlechthin ist. Laut dem Apostel Johannes offenbarte Christus: "Ich und der Vater sind eins." (Jo 10,30), das heißt: Christus und GOTT sind (ihrer Wesenheit nach) eins, sind ein und dasselbe, sind identisch. "Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, ehe Abraham ward, bin Ich." (Jo 8,58) "... so glaubt, daß der Vater in Mir ist und Ich im Vater. " (Jo 10, 37f.) "Im Anfang war das WORT, und das WORT war bei Gott, und Gott war das WORT." (Jo 1, 1 f.) "Das WORT ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. " (Jo 1, 1,4)
Kein Christ ist demnach, wer (auch nur schon) zweifelt an der Gottheit Christi (geschweige denn sie leugnet), wer Jesus Christus (auch nur schon ansatzweise) als einen bloßen (wenn auch höchstbegnadeten) Menschen betrachtet (vgl. den Arianismus und den heutigen Neo-Arianismus!) "Wir wollen denen keinen Glauben schenken, die da behaupten, Christus sei nichts anderes als ein Mensch, allerdings ein so gerechter, daß Er würdig sei, Sohn Gottes genannt zu werden. Die solches lehren, duldet die katholische Kirche nicht in ihrer Mitte." (Augustinus, de ag. christ. 19 (40:300) "Wer von Christus redet, ohne Seine Gottheit und Weseneinheit mit dem Vater zu bekennen, hat um Christus herumgeredet." (Kardinal Faulhaber, Zeitrufe 26) Wer also Christus zwar als "Sohn Gottes" bekennt nicht aber ausdrücklich sagt, daß er diese Sohnschaft nicht in dem Sinne versteht daß er ein Mensch wie wir alle gewesen sei nur viel vollkommener, der hat den wahren Glauben nicht und ist kein Christ. Denn "in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit wesenhaft." (Kol 2,8) "ln Ihm ist alles erschaffen, was im Himmel und auf Erden ist... " (Kol. 1, 1 6f.)
Diese eine Wesensaussage über den geschichtlichen Jesus von Nazareth ist so zentral und so alles ent-scheidend, daß sich keiner an ihr vorbeischleichen kann. Keiner kann ein Christ sein, der nicht ein absolutes Ja sagt zu dieser einen "lnitial"- ("Einführungs"-)Lehre, zu diesem Fundamental-Dogma: Jesus Christus und der eine und einzige GOTT sind wesenhaft identisch"! "Seht da, euer Gott! ... Er selbst kommt und wird euch retten!" (ls 35,4) "Alles, was der Vater hat, ist Mein." (Jo 16,15) "Wer Mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen."(Jo 14,9) Jeder, der Christ sein will, muß also überzeugt bekennen: Christus ist mein GOTT, und muß von Herzen beten: "Jesus, mein HERR und mein GOTT!" Dieser Glaube ist konstituierend, ist so unabdingbar für das Erreichen des ewigen Ziels, für das eigene Heil, daß wer an dieser ersten Weg-Gabelung die falsche Seite wählt, auf seiner ganzen weiteren Erkenntnis- und Bekenntnisstrecke nicht mehr auf den rettenden "Ast" einmünden kann. Er ist gezwungen, an diesen Ausgangspunkt, an diesen über Wahrheit und Irrtum, über Licht und Finsternis, über Leben und Tod entscheidenden Knotenpunkt zurückzukehren und hier den (grundlegendsten) Entscheid einsichtig richtig zu fällen.
Wer aber mit ganzer Überzeugung Ja gesagt hat, befindet sich fortan auf dem Ast des Lebens. Er kann auch hier durch allerlei Abweichen auf Verästelungen noch Irrwege und Umwege gehen, aber bei Rückkehr aus ihnen gelangt er immer wieder auf die Lebensader. "Gott hat uns das Ewige Leben gegeben, und dieses Leben ist in Seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat auch das Leben nicht. " (1 Jo 5,11 f.) "Gott hat Zeugnis abgelegt für Seinen Sohn. Wer an den Sohn Gottes glaubt, hat das Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, erklärt Ihn für einen Lügner; denn er glaubt nicht an das Zeugnis, das Gott für Seinen Sohn abgelegt hat." (1 Jo 5, 10)
Wer Jesus Christus wahrhaft als GOTT sieht, erfüllt wie von alleine die weiteren Bedingungen. Er wird nicht nur dem geschichtlichen, getreu überlieferten persönlichen Wort Christi (absoluten) Glauben schenken, sondern (mindestens relativen, also auf Christus rückbezogenen, an Ihm gemessenen) auch demjenigen Seiner (echten) Jünger und Apostel, demjenigen all Seiner (echten) Boten, Gesandten, Beauftragten aller Zeiten. Er wird Anschluß suchen bei den Gleichgesinnten, seinen Glaubensbrüdern und so Glied der Kirche sein wollen und sich nur in ihr beheimatet fühlen. Er wird ihre Ordnung respektieren und sich einfügen. Er wird ihren (wahren) Vorstehern (gerechten) Gehorsam leisten, ihre Gottesdienste mitfeiern, ihre Sakramente empfangen, etc. etc.
Was aber, wenn Einzelne und ganze Teile dieser Christengemeinschaft im Laufe der Zeit von der Lehre Christi abweichen? Wer kann sich wie lange noch (mit Recht) Christ nennen?
Jedes klare Abweichen (auch nur in einem einzigen Punkt) von dem, was Christus eindeutig bezeugt und gelehrt hat ist so schwerwiegend, daß ein Christ der solches tut, gleich welche Stellung er in der Kirche einnimmt sei er selbst Papst, d.h. Stellvertreter Christi, auch wenn er 99% des Glaubensgutes behält, das Recht auf seinen Christennamen verwirkt.
Die Häresie des Arianismus war ein solches offensichtliches (wenn auch z.T. subtiles) Abweichen. In den Grundzügen lehrte der Priester Arius das Folgende: 1) Der Vater allein ist der ungezeugte Urgrund von allem, der Sohn ist gezeugt, eben deshalb aber nicht gleich ewig mit dem Vater; es hat vielmehr eine Zeit gegeben, wo der Sohn nicht war. 2) Als in der Zeit entstanden, ist der Sohn auch nicht aus dem Wesen des Vaters, sondern geworden durch seinen Willen, aus Nichts und deshalb nur ein Geschöpf, nicht etwa Gott von Natur aus. 3) Der Zweck, warum der Sohn vom Vater hervorgebracht ward, ist die Weltschöpfung. Weil der höchste Gott ohne Mittelwesen nicht schaffen konnte, brachte er zuerst den Logos hervor. 4) Gleich bei der Schöpfung erhielt dieser die Herrlichkeit des Vaters und die Schöpferkraft, ja er erscheint als unwandelbar, als voller Gott, letzteres jedoch nur insofern, als er durch die Gnade des Vaters als Sohn angenommen wurde.
Da Arius und seine Anhänger auch nach ihrer Verurteilung durch die von Bischof Alexander von Alexandria einberufene Synode von Alexandria (Aegypten) die weitesten Volksschichten aufregten und immer größeren Anhang in den breiten Massen des Volkes (und des Klerus) fanden, so wurde zur Vermittlung des Friedens eine allgemeine Synode nach Nicäa berufen, die zugleich den sog. Osterfeststreit schlichten sollte. Nach langen Verhandlungen, in denen besonders der junge Athanasius den durchaus unchristlichen Charakter der arianischen Lehre nachwies und zugleich die Winkelzüge der Partei des Eusebius von Nikomedien, des bedeutendsten Anhängers des Arius, durchkreuzte, belegte das Konzil des letztern Lehre mit dem Anathem und stellte das bekannte Glaubensbekenntnis zusammen: ("... Und (ich glaube) an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Eingeborener aus dem Vater gezeugt ist, d.h. aus des Vaters Wesenheit; Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt und nicht geschaffen, dem Vater wesenseins, durch den alles im Himmel und auf Erden geschaffen ist. ... ")
Man sieht leicht, wie das (echte) Konzil die Tendenz verfolgte, alles Ausweichen der Häresie unmöglich zu machen. Die Schriften des Arius wurden (mit Recht) zum Feuer verurteilt, er selbst zunächst mit 2 Bischöfen verbannt. Arius und seine überzeugten Anhänger waren also keine Christen mehr! Und auch die heute seuchenartig zahlenmäßig massiv zunehmenden Neu-Arianer, die Jesus Christus auch (spitzfindig) als "Sohn Gottes" "ehren", aber Ihn nicht als GOTT, wesensgleich dem Schöpfer aller Dinge, bekennen, die sich aber dennoch "Christen" und auch "Katholiken" nennen (und oft in hohen Positionen der Hierarchie angesiedelt sind), sind in Wirklichkeit selbstverständlich keine Christen mehr!