Posts mit dem Label Balthasar - Hans Urs von werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Balthasar - Hans Urs von werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, April 19, 2007

"Der Offene Himmel" oder: die Pseudomystik der Adrienne von Speyr

Ich will mich hiermit aufmachen, eine "Bastion zu schleifen", die andere Bollwerke des "Hauptwalls" der "charismatischen" "Neukirche" (unter)stützt. Wenn wir diesen vorspringenden Teil am Festungsbau des Postkonzils "außer Gefecht gesetzt" haben werden, werden die benachbarten Basteien fast wie von alleine "zusammenbrechen".
Da hat also im Oktober 1988 der rührige Kapuziner Pater Berchmans Egloff, St. Gallen (Schweiz), ein Broschürchen herausgegeben, in welchem er "die schönsten Aussagen" aus "den umfangreichen Tagebüchern, die der kürzlich verstorbene Kardinal, Hans Urs von Balthasar, über Erlebnisse und Offenbarungen der Mystikerin Adrienne von Speyr veröffentlicht hat", als "Kostbarkeiten, die für die Vielen zu einem tröstlichen und erfreulichen Erlebnis werden sollen" kurz zusammengestellt hat. Es trägt den Titel "Der offene Himmel".
Natürlich spielt auch hier der "Heilige Geist" eine eminente Rolle, wie bekanntlich auch beim Konzil und bei allen Entwicklungen der Kirche seither. P. Egloff schreibt: "Durch die Jahrhunderte der Kirchengeschichte hat der Heilige Geist immer neue Auserwählte in die ursprünglichen Offenbarungsinhalte und -erlebnisse eingetaucht, um durch sie den christlichen Glauben zu verlebendigen und zu vertiefen. Eine solche Auserwählte ist Adrienne von Speyr (1902-1967). Sie schreibt in den zahlreichen Büchern, die ihr Beichtvater, der bekannte Theologe Hans Urs von Balthasar, eingeleitet und herausgegeben hat (Johannes-Verlag, Bücherdienst, Allmeindstr. 15, CH-8840 Einsiedeln), sehr oft von ihren Erlebnissen im himmlischen Bereich."
Wir haben es also mit einer Privilegierten zu tun, die wie ein hl. Stephanus den Himmel offen sah, aber natürlich nicht nur für einen Augenblick, sondern während Jahren, ja sogar "im Himmel war und mit Himmlischem in Beziehung kam"; denn "in Wirklichkeit gibt es keine Wand zwischen Diesseits und Jenseits, nicht einmal ein Vorhang. Der Himmel ist offen, ja wir leben schon drin." P. Egloff räumt zwar ein, daß Adrienne "nichts Neues über den Himmel ausgesagt hätte, wie alle echten Mystiker, denen göttliche Offenbarungen zuteil werden", aber wir werden gleich sehen, daß sie eben doch sehr viel Dinge aussagt, die mit der Offenbarung nicht übereinstimmen. Laut dem vonspeyr- und vonbalthasar-begeisterten Verfasser des Traktätchens fällt aber doch neues Licht auf die Offenbarung. "Die Offenbarungsworte werden leuchtender, und unsere Vorstellung des Himmels wird plastischer". Wir werden aber gleich sehen, daß in Wirklichkeit das Gegenteil davon der Fall ist. Die Offenbarung wird verfälscht, verdunkelt, und unsere Vorstellung des Himmels wird verdiesseitigt!
Ich betrachte es deshalb als meine Aufgabe, hiermit den Nachweis zu erbringen, daß Adrienne von Speyr mitnichten eine echte Mystikerin war.
P. Egloff hingegen schreibt im Brustton der Überzeugung: "Wenn auch nicht offiziell heilig gesprochen oder als Kirchenlehrerin erklärt, so ist doch beachtenswert und vielleicht einzigartig, daß höchste kirchliche Autoritäten in Theologie und Hierarchie so kurze Zeit nach ihrem Tod ihrer Botschaft das Zeugnis der Echtheit ausgestellt haben. Papst Johannes Paul II. selbst hat 1985 in Rom ein internationales Symposium über ihre Theologie und Spiritualität angeordnet, an dem Kardinäle, Geistliche vieler Orden und Laien Vorträge und Diskussionen gehalten haben. Der Papst selbst hat am Schluß ihr Leben und Werk gewürdigt."
Gewissermaßen gilt also diese Ärztin aus Basel bereits als Heilige und obendrein noch als Kirchenlehrerin, jedenfalls für diese konziliaren Schwarmgeister. Daß auch Papst Johannes-Paul II. zu den Verehrern Adriennes gehört, ist logisch, nachdem er ihren Beichtvater und Seelenführer Hans Urs von Balthasar zum Kardinal ernannt hat. Und es leuchtet auch ein, warum dem so ist: Adriennes Spiritualität ist nichts anderes als die neupfingstliche Spiritualität der offiziellen Kirche."
Zu ihren Lebzeiten mußte sie sich zurückhalten, aber jetzt, nach ihrem Tod, wirkt sie durch ihre Schriften, die in alle großen Weltsprachen übersetzt sind."
"Fast jede Seite der Tagebücher leuchtet im Widerschein des Himmels."
"Mit dem heiligen Ignatius (von Loyola, dem Gründer des Jesuiten-Ordens) zum Beispiel hatte sie eine besonders enge, herzliche Beziehung. Er belehrt sie, er warnt sie, tröstet sie, er führt sie; er offenbart ihr verborgene und zukünftige Dinge: "Bei den Antworten ist der heilige Ignatius immer von einer unglaublichen Güte. Er geht auf alles ein, bringt alles ins rechte Lot, und immer ist es auch lustig mit ihm; er bringt alles mit feinem Humor, oft mit einem Witz vor, so daß Adrienne laut lachen muß, "wenn sie ihn sieht und nachher beschreibt." "Der heilige Ignatius konnte neben ihr auf der Straße gehen und sich mit ihr unterhalten, und es bestand kein Widerspruch zwischen ihm und der übrigen umgebenden Welt. Alles war vollkommen natürlich. Er konnte im Zimmer sitzen, etwas diktieren, und es wäre erstaunlich erschienen, wenn jemand, der hereintrat, ihn nicht gesehen hätte."
Schon aus diesen wenigen Zeilen über die "Mystik" dieser Adrienne von Speyr ist für jeden einigermaßen geschulten, gebildeten, belesenen und gleichzeitig seiner Sinne mächtigen katholischen Christen klar, daß es da nicht mit rechten Dingen zugeht. Im "Exerzitienbuch des hl. Ignatius von Loyola", 2. Band, Herder 1926, können wir lesen: "Wir dürfen den Himmel nicht in Vergleich bringen mit irdischen Dingen", d.h. wir dürfen ihn nicht so darstellen, als ob das Irdische gewissermaßen nur einer Verklärung bedürfe, um Himmel zu werden, eben: als lebten wir schon hier im Himmel, "auch wenn unsere Sinne die überirdische Wirklichkeit, der gegenüber unsere wahrnehmbare Welt nur ein Schatten ist, nicht erfassen".
Pater Berchmans gesteht: "Beim Lesen der Tagebücher muß ich stets von neuen staunen, wie "menschlich" die Himmlischen sind. In Lourdes und Fatima erschien die Muttergottes wohl in liebenswürdiger Mütterlichkeit, aber doch in unnahbarer Erhabenheit und in himmlischem Glanz. Adrienne hingegen erfährt die Heiligen, sogar die Himmelskönigin, in menschlicher Nähe, im gewöhnlichen Alltag." Er stellt also selber fest, daß da ein beträchtlicher Unterschied besteht, aber es liegt ihm ferne, daraus zu schließen, daß diese Diskrepanz ein Indiz für die Unechtheit Adriennes sein könnte.
"Nicht nur Wunder und Zeichen begleiteten Adriennes Weg durch ihr irdisches Dasein: Es waren die Himmelsbewohner selbst, die Muttergottes, Engel, Heilige, die ihr auf unseren Straßen, in unseren Räumen begegneten."
"Besonders in Einsiedeln erlebte sie immer wieder neu den offenen Himmel. Als sie im Januar 1944 mit ihrem Beichtvater (H.U. v. Balthasar) aus der Kirche in den Schnee hinaustrat, sagte sie: "Seien Sie sich bewußt, daß wir nicht allein sind; alle sind da." Sie schaute sich lange auf dem Platz um, um sich alles anzusehen und einzuprägen. Und sie war guter Dinge. Nachher erzählte sie, Ignatius sei neben uns gegangen. - Wieder einmal nach einem Besuch in Einsiedeln spricht sie vom Himmel: Sie habe das Gefühl, absolut dazu zu gehören und doch nicht darin zu sein. Sie hätte nur einen Schritt zu tun brauchen, um wirklich darin einzutreten. Aber dieser Schritt käme nicht in Frage, vorläufig. Hingegen hatte sie die Einsicht, daß nur eine ganz kleine Drehung des Gesichtswinkels nötig wäre, um den Himmel schon in der irdischen Existenz zu sehen. Wer auf Erden in der Gnade lebt, lebt eigentlich im Himmel, weiß es bloß nicht, könnte es aber wissen. Es ist ein dünner Schleier."
"Es war ein beständiges, seltsames Ineinander von Himmel und Erde. Man konnte den Platz gleichsam unter zwei verschiedenen Rücksichten betrachten, einmal als Erde mit wenig Menschen und tiefem Schnee, dann als Himmel mit der großen Menge Engel und Heiligen zwischen den irdischen Menschen. "In der Nacht dann", erzählt sie, "war Maria da, lange Zeit. Sie war ganz nah und menschlich, und es gab ein Gespräch wie gleich zu gleich über Zukunftspläne." Am Schluß gab ihr Maria einen Kuß und verschwand. - Nicht nur in Einsiedeln hatte sie solche Erscheinungen, sondern wo immer sie sich aufhielt. Und diese Erscheinungen, sagte sie, seien keine Visionen, sondern schlichte Realität. - Sie hatte Tage überschwenglicher Seligkeit, an denen sie mit Maria ständigen Umgang hatte, die sie teils sichtbar, teils unsichtbar überall begleitete. Während der Arbeit, in der Sprechstunde ist sie da. Einst telefoniert der Beichtvater (H.U. v. Balthasar), während die Mutter (die Gottesmutter!) bei Adrienne ist. Diese übergibt ihr einen Gruß (von Hans Urs). Mit einer unvergleichlichen Gebärde habe die Mutter den Gruß entgegengenommen, daß Adrienne voller Enzücken ausrief: "Sie hätten das sehen sollen!"
Maria versprach ihr einst, sie werde jedesmal, wenn sie mit einem Ave rufe, ihr erscheinen. Auch die Heiligen waren wirklich da: die Kommentare, die sie zu Büchern der Heiligen Schrift verfaßte, haben ihr die betreffenden heiligen Schriftsteller selber diktiert. Der heilige Paulus schien es einst eilig gehabt zu haben, mit seinem Diktat zu beginnen. Adrienne sah ihn öfters. Einmal saß er im Auto, während sie ins Klaraspital fuhr. Sie ging mit ihm in die Kapelle. Er erklärte ihr, "daß sie den Brief auswählen könne, den er kommentieren soll".

Geht schon aus diesen Zitaten genügsam hervor, daß es sich bei dieser "Begnadeten", deren "Offenbarungen" Pater Egloff "eine Öffnung des Himmels" nennt, um eine Exaltierte handelt, so ist doch noch das Folgende von besonderem Gewicht für eine Erhärtung unserer Behauptung der absoluten Unechtheit ihrer ganzen Mystik.
Pater Berchmans Egloff fragt sich an einer Stelle seines Heftchens: "Aber werden auch wir selber uns im Himmel so menschlich ausdrücken können? Schon vor der Auferstehung? - Ohne Körper? - Nur Seele! Was kann man sich dabei vorstellen?
Und aus den "Offenbarungen" Adriennes schöpfend, gibt er folgende Anwort: "Wir werden "ganze Menschen" sein: "Vor einigen Nächten", so berichtet ihr Beichtvater, "sei Adrienne wirklich von ihrem Leib getrennt gewesen. Wirklich im Himmel. Sie wußte, was Himmel heißt. Ich fragte sie, ob sie ohne Körper gewesen sei? - Nein, nicht ohne Körper. Natürlich hätten sie auch im Himmel ihren Körper, aber einen ganz vom Geist her geformten und gehaltenen Körper. Ob dies der endgültige Körper sei, oder ob sie sich denken könne, daß man auf den Auferstehungsleib warten müsse? Nein, sagt sie ganz erstaunt, natürlich der endgültige Körper. Ob sie Maria in einem anders gearteten himmlischen Leib erblickt habe als die anderen? Nein, natürlich nicht. Ignatius und die anderen hätten ebenso ihren endgültigen Leib wie die Muttergottes und Christus. Dann sei wohl, sagte ich, was man so das Jüngste Gericht zu nennen pflege, für sie schon vorbei, da sie ja in der Seligkeit sind? Sie ist ganz erstaunt und denkt nach: "Was kann denn für die Seligen noch für ein Gericht kommen? Das ist ja ganz unmöglich. Man lebt dort in einem anderen Zeitalter."

Aufgrund dieser (wenigen) Aussagen Adriennes kann man leicht nachweisen, daß sie eine Häretikerin ist, wahrscheinlich (mildernd für sie) nur materiell, nicht formell. Ihr Beichtvater und Seelenführer Hans Urs von Balthasar als Theologe (und designierter Kardinal) hingegen muß strenger beurteilt werden. Wir haben ja bereits gesehen, welche Art von Theologie die seinige war. Man lese das hervorragende, höchst informative Werk von Magister Johannes Rothkranz: "Die Kardinalfehler des Hans Urs von Baltharsar" (erhältlich bei unserem Verlag!).
Daß am Ende der Zeiten ein allgemeines Weltgericht stattfinden wird, ist die wiederholte und ausdrückliche Lehre des Heilandes (Matth. 25,31-45; vgl. 16,27; 13,41); die Lehre der Apostel (Apg. 10,42; 17,31; Röm. 2,5 6; 2 Kor. 5,10; 2 Tim. 4,1; Jud. 14 usw.), der alten Propheten (Is. 13,9; 66,15 usw.; Dan. 7,9 usw.; Joel 2,1; Soph. 1,14 usw.; Mal. 1,1 usw.) und die allgemeine Überzeugung der Kirche in ihren Glaubensbekenntnissen. "Resurrectio mortuorum spes Christianorum - Die Auferstehung der Toten die Hoffnung der Christen" (Tertullian).
Die Gründe sind diese: Der Mensch muß auch in sozialer Beziehung als Glied der Familie, Gemeinde, des Staates und des Menschengeschlechts gerichtet, belohnt und bestraft werden. Deshalb wird auch das Urteil durch Gründe aus der gesellschaftlichen Erziehung bestätigt (Matth. 25,35- 45). Ebenso muß Gott gerechtfertigt werden in der Führung und Leitung der Völker und aller Menschen. Christus endlich muß einmal glorreich erscheinen als Haupt, König, Gesetzgeber und Richter der ganzen Menschheit. Und das geschieht in der passendsten Weise im letzten, allgemeinen Gericht. Es ist da alles groß und universal angelegt.Wir können 3 Teile im Gericht unterscheiden: die Vorbereitung, die Gerichtsverhandlung und das Urteil.
Die erste Vorbereitung sind die schrecklichen Vorboten des Gerichts: Krieg, Erdbeben, schreckliche Erschütterungen und Störungen im Laufe der Natur, Furcht und Entsetzen der Erdbewohner. "Die Sonne wird sich verfinstern, der Mond wird seinen Schein nicht mehr geben, die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden" (Matth. 24,29).
Die zweite Vorbereitung ist die Auferstehung der Toten. Auf den Posaunenstoß beginnt die Erde zu kreißen, und die Gräber öffnen sich. Die Verklärten gehen hervor leicht, schön wie Blumen, Sterne und Sonnen und werden von den Engeln in herrlicher Prozession zum Orte des Gerichts geleitet. Die Verdammten müssen auch heraus. Scheu und träge wie Ungeziefer und Unken, die sich vor dem Lichte scheuen, erscheinen sie mit ihren entstellten, ekelhaften Leibern voll Scham und Schande und werden ebenfalls zum Orte des Gerichts getrieben (Matth. 13,49 50). "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, es kommt die Stunde, ja sie ist jetzt schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. ... Wundert euch nicht darüber, denn es kommt die Stunde, da alle, die in den Gräbern ruhen, seine Stimme hören werden. Die Gutes getan haben, erstehen dann zum Leben; die Böses verübt haben, erstehen zum Gericht" (Joh. 5,25 28 29).
"Dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen. Alle Völker auf Erden werden wehklagen und werden den Menschensohn auf den Wolken des Himmels kommen sehen" (Matth. 25,30). "Und dann wird man den Menschensohn kommen sehen auf einer Wolke mit großer Macht und Herrlichkeit" (Luk. 21,27)."
Die dritte Vorbereitung ist die Ankunft des Heilandes. Nach der Schrift wird er mit großer Macht und Herrlichkeit, von wunderbaren Lichterscheinungen begleitet, sich zeigen, mit einem unabsehbaren Geleite von Engeln, Heerscharen, in Hoheit, Glanz und Majestät als König und Gottessohn. Er kann in gewaltiger Machtentfaltung erscheinen, wenn er will; und jetzt will er es, um sich zu offenbaren als Haupt der Menschheit und Herrn des Himmels und der Erde, als Sohn Gottes in der Majestät des Vaters und um sich Ersatz und Genugtuung zu verschaffen für die Demut und Niedrigkeit seiner ersten Ankunft.
Die Wirkung seiner Ankunft wird schon ein Himmel sein für die Seligen. Sie werden staunen, bewundern, in Lob und Preis ausbrechen, ihm mit Alleluja durch die Luft entgegenfahren. Im Gegenteil aber wird sein Erscheinen verheerend und schrecklich sein für die Verdammten! Wie ein Sturm in das Herbstlaub und wie ein Feuer in dürres Gras und Röhricht fällt, so wird das Erscheinen Christi unter sie fahren. Weh, das hat noch gefehlt! Dieser Jesus, an den sie nicht geglaubt, den sie verachtet und den sie gehaßt und verspottet, ist jetzt öffentlich vor aller Welt als Richter über ihnen. "Ihr Hügel, fallet über uns; Berge, bedecket uns" (Luk. 23,30).
Die Gerichtsverhandlung wird nicht lange Zeit in Anspruch nehmen. Durch ein Wunder der Allmacht und Weisheit Gottes werden auch hier in einem Augenblick die Gewissen aller geoffenbart werden und aufleuchten vor den Augen des ganzen Menschengeschlechts wie ein unermeßliches Lichtbild. Es ist das Bild der ganzen Kirchen- und Weltgeschichte, gewoben aus den Wegen und Taten der einzelnen, der Familien, der Gemeinden, der Staaten und aller Völker vom Anbeginn bis auf die letzte Stunde. Alles wird klar dastehen: die geheimen Absichten, Pläne und Umtriebe der Verdammten in ihrer Erbärmlichkeit, Eitelkeit, Sinnlichkeit, schmutzigen Eigenliebe, Verlogenheit, Gewalt und Nutzlosigkeit. Sie werden beim Anblick erröten, erblassen, zusammenbrechen in Scham und Schande und ausrufen: "Also haben wir uns geirrt!" (Weish. 5,6) Dagegen werden stehen die Grundsätze, Absichten, Taten, Tugenden und Leiden und Verfolgungen der Heiligen, die hier nicht zu Ehren kamen, totgeschwiegen, verkannt und verleumdet wurden. Jetzt kommen sie ans Licht, werden gerechtfertigt und feiern einen herrlichen Triumph im Lichte des Kreuzes und der Wahrhaftigkeit und Heiligkeit Gottes. Da wird besonders all denen ihr Recht und ihre Anerkennung, die hier unten von den Menschen um des Namens Jesu willen gehaßt und verfolgt wurden, fast wie ein gehetztes Wild von Land zu Land gejagt und verwiesen wurden. Es wird hier erscheinen das Gute und Böse, das jeder einzelne Mensch und jedes einzelne Volk nicht bloß für sich, zum eigenen Nutzen und Schaden, sondern auch in seiner Auswirkung und Ausstrahlung auf andere, auf alle, auf einzelne und auf die ganze Menschheit vollbracht. Aus diesem Ineinanderwirken baut sich dann das große Lichtbild der civitas Dei et diaboli auf, gewirkt aus Finsternis und Licht, aus den Wegen der einzelnen und der Völker und ihrer gegenseitigen Verschlingung, aus dem mannigfaltigen bunten Einschlag der Gnade und der teuflischen Bosheit, aus den Gedanken und Plänen der Menschen und aus den Ratschlüssen der Vorsehung, die einer Sonne gleich mit ihren Strahlen das Geheimnis des Riesenbildes durchleuchtet, verklärt und auslegt im Lichte der Weisheit, der Allmacht und Güte Gottes - wirklich ein wundervolles und großartiges Schauspiel!
Das Urteil kann jeder schon in seinem Tun lesen, und es wird auch jedem durch eine geistige Einwirkung der richterlichen Gewalt Jesu verkündet und zum Bewußtsein und zur Kenntnis gebracht werden. Das allgemeine Urteil aber wird wohl sinnlich wahrnehmbar durch den Heiland allen verkündet. Er wird sich erheben und, ein ganzer Himmel von Schönheit, Güte und Zärtlichkeit, zuerst den Gerechten mild, gütig, belohnend sich zuwendend, sprechen: "Kommet zu mir", in meine Nähe, in meine Arme, an mein Herz - "ihr Gebenedeiten meines Vaters", kommet als meine treuen Diener und meine Brüder, die der Vater mir gegeben; ich erkenne euch als solche an. "Nehmet teil an dem Reiche, das der Vater mir und euch bereitet von Ewigkeit, nehmet es als Erbteil und Vermächtnis der Vorliebe und Auserwählung des Vaters und als Lohn eurer eigenen Werke. Ihr habt mich dürsten sehen und habt mich getränkt." Vor Freude und Staunen überwältigt ob der Größe und Herrlichkeit des Lohnes und des Glückes, werden die Seligen ausrufen und fragen, wie sie dies verdient, da sie nie das Glück gehabt, ihn persönlich zu speisen und zu tränken. Er wird antworten, daß er alles, was sie seinen Brüdern getan, ansehe als ihm selbst erwiesen. - Aber wie Blitz und Ungewitter und wie eine hochrotflammende Lohe wird er sich wenden zu den Verdammten: "Fort von mir", euerem Herrn, Bruder, Gott, euerem letzten Ziel und Ende! "Ihr Verfluchten"; nur Fluch erhaltet ihr von mir, Fluch für euern Verstand, Fluch für euern Willen, Fluch für Leib und Seele durch das Feuer und durch die ewigen Qualen der Hölle. "Fort ins ewige Feuer" (Matth. 25,41).Und das Urteil wird sofort vollzogen. Die Erde wird sich auftun und alle Verdammten mit den Teufeln verschlingen. Der Abgrund wird versiegelt für alle Ewigkeit (Offb. 20,3). Oben aber hebt nun der Triumph, das ewige Alleluja und Tedeum und das nimmerendende Reich der Seligen an. (Aus: "Das Exerzitienbuch des hl. Ignatius von Loyola". Erklärt und in Betrachtungen vorgelegt von Moritz Meschler S.J., Freiburg i.Br. 1926)

Adrienne von Speyr ist eine Häretikerin, habe ich gesagt. Und ich bleibe dabei. Und ich will es auch durch ein Weiteres beweisen: Im "Römischen Katechismus", der auf Befehl der Päpste Pius V. und Klemens XIII. nach dem Beschluß des Konzils von Trient für alle Pfarrer herausgegeben wurde und den ich selber 1970 (in dem von mir gegründeten Petrus-Verlag, Kirchen/ Sieg) neu herausgegeben habe, lesen wir Seite 94 folgendes:
7. Die menschliche Seele wird beim Jüngsten Gericht ganz denselben Leib wieder empfangen. - Da es aber sehr wichtig ist, fest überzeugt zu sein, daß gerade dieser und ganz der nämliche Leib, welcher jedem eigentümlich angehört, wenn er auch zerstört und in den Staub zurückgekehrt ist, doch zum Leben erweckt werden soll, wird der Pfarrer die genaue Erklärung auch hiervon unternehmen. Dies ist auch des Apostels Meinung, wenn er sagt (1 Kor. 15,53): "Dieses Verwesliche muß Unverweslichkeit anziehen", indem er durch diesen Ausspruch offenbar den eigenen Leib bezeichnet. Auch Job hat hierüber aufs deutlichste vorhergesagt (Job 19,26 seq.): "Und in meinem Fleische", sagt er, "werde ich Gott schauen, ich selbst werde ihn sehen, und meine Augen werden ihn anschauen und kein anderer." Dasselbe wird erschlossen aus dem Begriff der Auferstehung selbst, denn Auferstehung ist, nach dem Urteile des Damaszenus (de fide orthodox. 4,27), die Zurückberufung in den Stand, aus dem man gefallen war. Endlich, wenn wir betrachten, weshalb nach der vor kurzem gegebenen Darlegung die Auferstehung stattfinden soll: so wird nichts sein, was irgend jemandem hierin Zweifel bereiten könnte.
8. Zu welchem Zwecke die Auferstehung der Leiber von Gott angeordnet ist. - Wir haben aber gelehrt (2. Kor. 5,10), daß die Leiber deshalb auferweckt werden müssen, "damit ein jeder das dem Leibe Gebührende empfange, je nachdem er Gutes oder Böses getan." Folglich muß der Mensch mit eben dem Leibe, mit dem er entweder Gott oder dem Teufel gedient hat, auferstehen, um mit demselben Leibe die Kronen und Belohnungen des Triumphes zu erlangen oder die Strafen und kläglichsten Peinen zu ertragen.
9. Die Leiber werden die in diesem sterblichen Leben zugezogene Verunstaltung nicht wieder annehmen. - Aber nicht nur der Leib wird auferstehen, sondern was nur immer zu seiner wahren Natur und zur Zierde und zum Schmucke des Menschen gehört, muß wieder zurückgestellt werden. Hierüber lesen wir ein herrliches Zeugnis beim heiligen Augustinus: "Nichts von einem Fehler", sagt er (de civit. Dei 22, 19-21. Enchir. 89. seq.), "wird an den Leibern sein; wenn etwa einige von Fett überladen und dick waren, so werden sie nicht die ganze Körpermasse wieder annehmen; sondern, was jenes Ebenmaß überschreitet, wird für überflüssig erachtet werden; und umgekehrt, was immer Krankheit oder Alter im Leibe verzehrt hat, wird durch Christus aus göttlicher Macht wieder ergänzt werden, so z.B. wer etwa wegen Magerkeit zu schmächtig war; denn Christus wird uns nicht nur den Leib wiederherstellen, sondern alles, was durch das Elend dieses Lebens uns genommen worden war." Derselbe anderswo: "Der Mensch wird nicht die Haare wieder bekommen, welche er gehabt, sondern welche ihm zur Zierde gereichten, gemäß dem Ausspruche (Mat. 10,30): "Alle Haare eures Hauptes sind gezählt", die also nach der göttlichen Weisheit wieder hergestellt werden sollen." Vor allem aber, weil die Glieder zur Wahrheit der menschlichen Natur gehören, werden sie sämtlich zugleich zurückgegeben. Die nämlich von der Geburt blind waren oder infolge einer Krankheit das Augenblicht verloren haben, die Lahmen und gänzlich Verstümmelten und sonst an irgend welchen Gliedern Gebrechlichen werden mit unversehrtem und vollkommenem Leibe auferstehen. Denn sonst würde dem Verlangen der Seele, welche zur Vereinigung mit dem Leibe hinneigt, keineswegs Genüge geleistet; während wir zweifellos glauben, daß ihr Verlangen in der Auferstehung erfüllt wird. Zudem ist hinlänglich bekannt, daß die Auferstehung geradeso wie die Schöpfung unter die vornehmsten Werke Gottes gezählt wird. Wie also alles im Anfange der Erschaffung von Gott vollkommen gemacht wurde, so muß man durchaus behaupten, daß es auch bei der Auferstehung der Fall sein wird.
Wenn die Martyrer mit unversehrtem Leibe auferstehen, werden sie daran die Wundmale tragen -Und dies ist nicht bloß von den Martyrern zu bekennen, von welchen der heilige Augustinus also bezeugt: "Sie werden nicht ohne jene Glieder sein"; denn jene Verstümmelung müßte ein Gebrechen des Leibes sein, sonst müßten auch die Enthaupteten ohne Kopf auferstehen: jedoch werden an ihren einzelnen Gliedmassen die Narben des Schwertstreiches sichtbar sein, mehr als alles Gold und Edelgestein glänzend, gleich den Wundmalen Christi.
11. Auch die Leiber der Gottlosen, welche hier verstümmelt gewesen, werden unversehrt erstehen - Dies läßt sich auch mit voller Wahrheit von den Gottlosen sagen, wenn auch mit eigener Schuld ihre Glieder abgeschlagen worden waren. Denn je mehr Glieder sie haben werden, von desto größerer Qual der Schmerzen werden sie gefoltert werden. Daher wird jene Wiederherstellung der Glieder nicht zu ihrer Glückseligkeit, sondern zum Unglück und Elend gereichen, da die Verdienste nicht den Gliedern selbst, sondern der Person, mit dessen Leib sie verbunden sind, zugeschrieben werden. Denn denen, welche Buße getan haben, werden sie zum Lohne, jenen aber, welche dieselbe verschmäht haben, zur Strafe wieder hergestellt. Wenn dies aber von den Pfarrern mit Aufmerksamkeit erwogen wird, so wird ihnen nie der Stoff zu Gegenständen und Gedanken ausgehen, um die Gläubigen zum Tugendeifer zu erwecken und zu entflammen, damit sie, die Mühseligkeiten und Drangsale dieses Lebens betrachtend, jene selige Herrlichkeit der Auferstehung, die den Gerechten und Frommen in Aussicht steht, begierig erwarten.
12. Wie die Leiber der Menschen nach ihrer Auferstehung beschaffen sein werden -
Hernach sollen aber die Gläubigen auch wissen, daß, wenn wir das berücksichtigen, was das Wesen des Leibes ausmacht, zwar gerade jener und der nämliche Leib von den Toten auferweckt werden muß, welcher vorher gestorben war, daß aber sein Zustand ein ganz anderer und verschiedener sein wird. Denn um vom Übrigen abzusehen, so werden sich alle Leiber der Auferstehenden dadurch von sich selbst unterscheiden, daß, während sie zuvor den Gesetzen des Todes unterworfen waren, nach der Auferweckung zum Leben dieselben ohne Unterschied der Guten und der Bösen die Unsterblichkeit erlangen werden. Diese wunderbare Herstellung der Natur hat der glänzende Sieg Christi verdient, den er über den Tod davontrug, wie uns die Zeugnisse der Heiligen Schrift lehren. Denn es steht geschrieben (Is. 25,8): "Er wird den Tod stürzen in Ewigkeit"; und anderswo (Os. 13,14): "Ich werde dein Tod sein, o Tod", was der Apostel so erklärt (1 Kor. 15,26): "Zuletzt wird der feindliche Tod vernichtet werden"; und beim heiligen Johannes lesen wir (Apok. 21,4): "Der Tod wird nicht mehr sein." Es geziemte sich auch gar sehr, daß durch Christi des Herrn Verdienst, wodurch die Herrschaft des Todes zerstört wurde, die Sünde Adams weit überholt wurde. Ebenso war es auch der göttlichen Gerechtigkeit entsprechend, daß die Guten das selige Leben beständig genießen, die Bösen aber, ewige Strafen leidend, "den Tod suchen (Apok. 9,6) und nicht finden, zu sterben wünschen, und der Tod vor ihnen flieht". Und zwar wird diese Unsterblichkeit den Guten und Bösen gemeinsam sein.
13. Mit was für Gaben die Leiber der Seligen nach der Auferstehung geschmückt sein werden - Außerdem werden die wiederbelebten Leiber der Heiligen gewisse glänzende und herrliche Zierden haben, wodurch sie weit edler sein werden, als je zuvor. Die vornehmsten aber sind jene vier, welche man Gaben nennt, und welche in der Lehre des Apostels von den Vätern gefunden worden sind. Die erste davon ist die Leidensunfähigkeit, ein Geschenk nämlich und eine Gabe, welche bewirken wird, daß sie nichts Beschwerliches leiden noch von irgend einem Schmerz oder einer Unbequemlichkeit berührt werden können. Denn weder die Strenge der Kälte, noch die Glut der Flamme, noch der Andrang der Gewässer wird ihnen schaden können. "Gesät wird er", sagt der Apostel (1. Kor. 15,42), "in Verwesung, auferstehen wird er in Unverweslichkeit." Daß aber die Scholastiker es lieber Leidensunfähigkeit als Unverweslichkeit genannt haben, geschah deshalb, damit sie die Eigentümlichkeit des verklärten Leibes dadurch bezeichneten. Denn die Leidensunfähigkeit haben jene nicht mit den Verdammten gemein, deren Leiber, obwohl unverweslich, dennoch Hitze und Kälte empfinden und mannigfaltige Qualen erleiden können. Auf sie folgt die Klarheit, in welcher die Leiber der Heiligen gleich der Sonne glänzen werden; denn so spricht unser Heiland beim heiligen Matthäus (Mat. 13,43): "Die Gerechten werden glänzen wie die Sonne im Reiche ihres Vaters." Und damit keiner daran zweifelt, hat er es durch das Beispiel seiner Verklärung dargetan (Ib. 17,2). Der Apostel nennt diese Eigenschaft bald Herrlichkeit, bald Klarheit: "Er wird", sagt er (Phil. 3,21), "den Leib unserer Niedrigkeit umgestalten, gleichgeformt dem Leibe seiner Klarheit"; und wiederum (1. Kor. 15,43): "Er wird gesät in Unehre, auferstehen wird er in Herrlichkeit." Von dieser Herrlichkeit sah auch das Volk Israel ein Vorbild in der Wüste, als "das Angesicht des Moses" (Ex. 34,29) von der Unterredung und Gegenwart Gottes so leuchtete, daß die Söhne Israels auf dasselbe ihr Auge nicht richten konnten. Es ist aber diese Klarheit ein Glanz, welcher aus der höchsten Glückseligkeit der Seele auf den Leib überströmt, so daß sie gleichsam eine Mitteilung jener Seligkeit ist, welche die Seele genießt, sowie auch die Seele selbst dadurch beseligt wird, daß auf sie ein Teil der göttlichen Glückseligkeit hinübergeleitet wird. Man darf aber nicht glauben, daß mit diesem Geschenke, wie mit dem ersten, alle auf gleiche Weise ausgestattet werden; denn es werden zwar alle Leiber der Heiligen gleich leidensunfähig sein, aber nicht denselben Glanz besitzen; denn, wie der Apostel sagt (1. Kor. 15,41): "Anders ist die Klarheit der Sonne, anders die Klarheit des Mondes, und anders die Klarheit der Sterne; denn ein Stern unterscheidet sich vom andern in der Klarheit: so ist es auch mit der Auferstehung der Toten." Mit dieser Gabe steht jene in Verbindung, welche man Beweglichkeit nennt, wodurch der Leib von der Last, die ihn jetzt drückt, befreit wird und von der Seele ganz leicht überallhin dergestalt bewegt werden kann, daß nichts schneller als diese Bewegung sein kann: wie der heilige Augustinus (Lib. 13,18 et 20 seq.) deutlich in seinem Buche vom Staate Gottes und Hieronymus (Hier. in cap. 40 lib. 12) in der Erklärung des Isaias gelehrt haben. Daher ward vom Apostel gesagt (1 Kor. 15,43), "Es wird gesät in Schwachheit, es steht auf in Kraft." Diesen Gaben ist noch hinzugefügt die sogenannte Feinheit, vermöge deren der Leib der Herrschaft der Seele vollständig unterworfen wird und ihr dienen und jedes Winkes gewärtig sein wird: wie dies aus jenen Worten des Apostel erhellt: "Gesät wird", sagt er (ibid. 15,44), "ein tierischer Leib, auferstehen wird ein geistiger Leib." Dies sind ungefähr die vornehmsten Hauptstücke, welche bei der Erklärung dieses Artikels zu lehren sind.

Adrienne von Speyr ist eine Häretikerin, habe ich gesagt. Und ich bleibe dabei. Auch das 11. Konzil, dasjenige von Toledo (Spanien, 675) hat in seinem großartigen Glaubensbekenntnis folgendes formuliert:
"So bekennen wir: Nach dem Vorbild unseres Hauptes (Jesus Christus) wird die wahre Auferstehung des Fleisches aller Toten kommen. Wir glauben aber nicht, daß wir in einem luftförmigen oder in irgendeinem anderen Leibe, wie manche irren, auferstehen werden, sondern in diesem da, in dem wir leben, bestehen und uns bewegen. Da nun also unser Herr und Erlöser uns zum Vorbild auferstanden war, nahm er durch seine Auffahrt den väterlichen Thron wieder ein, den er seiner Gottheit nach nie verlassen hat: Dort sitzt er zur Rechten des Vaters und wird zum Ende der Zeiten als Richter aller Lebenden und Toten erwartet. Von dort wird er mit den heiligen Engeln und Menschen kommen zum Gericht, um jedem seinen verdienten Lohn zu erstatten, je nachdem er zu Lebzeiten Gutes oder Böses getan hat."
Und die 4. Allgemeine Kirchenversammlung im Lateran (1215) hielt fest: (1. Kapitel: Über den katholischen Glauben)... Er (Jesus Christus) wird kommen am Ende der Welt zum Gericht über Lebende und Tote, einem jeden zu vergelten nach seinen Werken, den Verworfenen wie den Auserwählten. Diese werden alle mit dem eigenen Leib, den sie hier tragen, auferstehen, damit die einen mit dem Teufel die ewige Strafe, und die andern mit Christus die ewige Herrlichkeit empfangen, je nach ihren guten oder schlechten Werken."
Und dann gibt es da den "Lehrentscheid Papst Benedikts XII. über die beseligende Gottesschau und die Letzten Dinge (1336), die sog. Konstitution "Benedictus Deus", in der es heißt:
"Mit apostolischer Vollmacht bestimmen Wir in diesem für immer geltenden Lehrentscheid: Nach allgemeiner Anordnung Gottes waren, sind und werden sein im Himmel, im Himmelreich und im himmlischen Paradies mit Christus, in Gemeinschaft mit den heiligen Engeln: Die Seelen aller Heiligen, die aus dieser Welt vor dem Leiden unseres Herrn Jesus Christus hinweggegangen sind und (die Seelen) der heiligen Apostel, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen und der anderen Gläubigen, die nach Empfang der heiligen Taufe Christi gestorben sind, und in denen beim Tode nichts zu reinigen war, oder nichts zu reinigen sein wird, oder die nach dem Tode gereinigt worden sind, wenn etwas in ihnen damals zu reinigen war oder in Zukunft sein wird, und die Seelen der Kinder, die durch dieselbe Taufe Christi schon wiedergeboren sind oder die jemals getauft werden, wenn sie nach der Taufe vor dem Gebrauch des freien Willens sterben: (diese also) waren, sind und werden sein im Himel sofort nach ihrem Tod oder nach der Reinigung - wie oben gesagt -bei jenen, die einer solchen Reinigung bedurften, und zwar auch vor der Wiedervereinigung mit ihrem Leib und vor dem allgemeinen Gericht, nach der Auffahrt unseres Heilandes Jesus Christus, unseres Herrn, in den Himmel. Und nach dem Leiden und dem Tod unseres Herrn Jesus Christus schauten und schauen sie die göttliche Wesenheit in unmittelbarer Schau und auch von Angesicht zu Angsicht, ohne Vermittlung eines Geschöpfes, das dabei irgendwie Gegenstand der Schau wäre. Ohne Vermittlung zeigt sich ihnen vielmehr die göttliche Wesenheit unverhüllt, klar und offen. (...)
Ferner bestimmen Wir: Wie Gott allgemein angeordnet hat, steigen die Seelen derer, die in einer tatsächlichen schweren Sünde verschieden, sofort in die Hölle hinab, wo sie von höllischen Qualen gepeinigt werden. Aber trotzdem werden am Tage des Gerichtes alle Menschen vor dem Richterstuhl Christi in ihrem Leibe erscheinen, und Rechenschaft geben über ihre eigenen Taten, "damit ein jeder sein Entgelt empfange für das, was er bei Lebzeiten getan hat" (2 Kor 5,10).

Damit sollte nun zur Genüge bewiesen sein, wie antikatholisch die Behauptung dieser "höchstbegnadeten" Adrienne ist, die Seelen, die bereits jetzt im Himmel sind, hätten schon ihren endgültigen Körper, wie Jesus und Maria ("Ignatius und die anderen hätten ebenso ihren endgültigen Leib wie die Muttergottes und Christus") und das Jüngste Gericht und die Auferstehung des Leibes und damit die Wiedervereinigung der Seele mit ihrem Leibe sei schon vorbei!
Und da solcherart bewiesen ist, daß Adrienne von Speyr eine ganz üble Irrlehrerin ist, ist einschlußweise auch bewiesen, daß ihre ganze "Begnadung", alle ihre mystischen Erlebnisse, ihre Schauungen, ihre "übernatürlichen" Aufzeichnungen, die sog. "Diktate" der "Heiligen" durch und durch unecht sind. Da vermag auch die "Autorität" eines Startheologen und "Kardinals" Hans Urs von Balthasar und eines von diesen Schwarmgeistern angesteckten und eingenommenen Papstes (Johannes Paul II.) nichts mehr zu retten. Die Bastion ist damit nicht nur geschliffen, sondern gefallen. Und Pater Berchmans Egloff ist auch im Interesse seiner "Agape"- Bewegung, die (nach seinen eigenen Worten) "das innere Leben unter der Führung der Gottesmutter pflegt" zu empfehlen, "den Rauch der Hölle", der nach Papst Paul VI. "in die Kirche eingedrungen sei" (wie er schreibt), da zu sehen, wo er tatsächlich ist, nämlich gerade in solchen gemeingefährlich irreführenden Pseudooffenbarungen, die zum Teil den wahren katholischen Glauben schlimmer zu verfälschen und zu verderben vermögen als die durchtriebensten Modernisten und Progressisten, die ja für Echtgläubige immerhin leicht erkennbar sind, während solche Propagandaschriften vonseiten eines als konservativ und marianisch geltenden Kapuzinerpaters für solche "charismatischen Häretiker" unvorstellbar viel mehr Unheil stiften.

Paul O. Schenker

Aus: «DAS ZEICHEN MARIENS», 23. Jahrgang, Nr. 2, Juni 1989, Seiten 7221ff.

Freitag, März 23, 2007

Ist die Kirche Christi gespalten?

Beachten Sie, daß das Kursivgedrucke Zitate aus Balthasars Schriften sind:

Wer ist schuld an der Glaubensspaltung?

Als "unleugbar" erscheint es Balthasar, "daß die Spaltung der abendländischen Kirche für die einstigen Außensteher - Juden, Mohammedaner und Heiden - den evidenten Beweis der entscheidenden Niederlage, der tödlichen Schwächung der angeblichen Civitas Dei bedeutete: durchaus nicht bloß im oberflächlichen Sinn, daß der sich selbst befehdende Gegner ein leicht zu Schlagender wird, sondern im tiefem Sinn, daß die Christenheit ihren eigenen Glaubensgehorsam dem Gebot Christi gegenüber verleugnete und aufgab: sie sollten eins sein 'wie der Vater und ich': sie waren es nicht; sie sollten sich lieben, damit die Welt daran die Wahrheit der neuen Lehre erkenne: sie liebten sich nicht. Die Christenheit hatte durch die Glaubensspaltung sich selbst widerlegt." (Schleifung, 35f.)
Ähnliche Auslassungen "katholischer" Theologen sind mittlerweile kaum noch zu zählen. Als Balthasar vor fast vierzig Jahren (dieser Artikel wurde 1989 verfaßt) diese Sätze niederschrieb, war das noch anders; eines katholischen Theologen sind sie in jedem Fall unwürdig. Aber auch eines denkenden Menschen überhaupt. Wenn zwei Menschen über längere Zeit hinweg einträchtig die Wahrheit vertreten, einer von ihnen aber mit einem Mal in Irrtum fällt und fortan die Wahrheit bekämpft, an der der andere nach wie vor unbeirrt festhält, ist dann die Wahrheit, der ursprünglich beide anhingen, bereits dadurch widerlegt? Besitzt nicht jeder Mensch ein eigenes Gewissen und einen freien Willen? Ist nicht Irren menschlich? Wenn alle Menschen zwar streng der Wahrheit verpflichtet (nämlich objektiv), aber gleichwohl auch (subjektiv) frei sind, dem Irrtum zu folgen und auch von einem zum anderen jederzeit überzugehen, wie sollen dann Spaltungen vermieden werden?
Und nun theologisch betrachtet: Hat nicht Jesus die Spaltungen vorhergesagt, ja sogar sich selbst als deren Ursache bezeichnet!? "Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig" (Mt 10,34-37). Der letzte Satz beinhaltet sogar die Aufforderung, sich gegebenenfalls von den engsten Angehörigen loszusagen, um dem Herrn, der "die Wahrheit" (Joh 14,6) ist, die Treue zu halten, anstatt mit ihnen eins zu bleiben und sich dafür von Christus zu trennen."Die" Christenheit bzw. "die" abendländische Kirche also soll schuld sein an der Spaltung, d.h. die Katholiken genauso wie die Protestanten, die Anglikaner, die Orthodoxen etc. Und ihre konkrete Schuld liegt darin, klagt Balthasar an, daß sie bis heute nicht "eins sind 'wie der Vater und ich' ". Statt vorschnell bestimmte einseitig ausgewählte Schriftstellen für schlechtdurchdachte Ideen zu vereinnahmen hätte der Meister besser daran getan, sich ein paar Gedanken über das Wesen einer Spaltung zu machen. Genauer gesagt, über das Wesen einer Glaubensspaltung.
Den allein wahren Glauben zu besitzen und damit der allein wahren Kirche Jesu Christi anzugehören (die man nicht unnötigerweise mit Anführungszeichen versehen sollte!) ist Gnade im strengen Sinn, ein übernatürliches Geschenk also. Durch Nachlässigkeit, Undank, Hochmut oder freiwillige, der eingegossenen Glaubenstugend entgegengesetzte Akte kann man sich dieser Gnade sehr schnell unwürdig machen und sie verlieren. Den wahren Glauben verlieren heißt also notwendigerweise auch: die Glaubensgnade verlieren. Keine Gnade geht indes ohne eigenes Verschulden verloren. So groß die Glaubensgnade ist, und sie ist außerordentlich groß, weil sie die Wurzel und das Fundament aller anderen Gnaden bis hin zur beseligenden Anschauung Gottes ist, so groß ist auch die Schuld dessen, der sich dieser Gnade unwürdig macht und vom wahren Glauben abfällt.
Vom die wahre Kirche konstituierenden gemeinsamen Glauben abfallen, das allein heißt, sich von der katholischen Kirche abspalten. Wer von diesem Glauben nur in einem oder einigen Punkten abfällt, an den übrigen aber noch festhält, tut dies zwar nicht mehr kraft der Glaubensgnade, die nicht erst der Apostat, sondern schon der Häretiker verwirkt; aber immerhin kann er noch mit einigem Recht als "Christ" in weiterem Sinn bezeichnet werden. Nur sofern man solche "Christen" mit den katholischen Christgläubigen unter dem Begriff der "Christenheit" zusammenfaßt, kann man überhaupt die Abspaltung vieler einzelner oder auch ganzer Gruppen von der wahren Kirche eine "Spaltung der Christenheit" nennen. Die unmittelbare Schuld für diese Spaltung liegt einzig und allein bei denen, die sich direkt von der wahren Kirche abgespalten haben, indem sie die überaus schwere Sünde des Unglaubens (der Häresie) begingen. Eine mittelbare Schuld können zumindest theoretisch auch bestimmte Glieder der wahren Kirche haben, die selbst nicht vom Glauben abfallen, den Abgefallenen aber durch schlechtes Beispiel, unterlassene Bestärkung im Glauben etc. mit zum Anlaß für ihren Abfall geworden sind. "Die" katholische Kirche als solche jedoch kann weder unmittelbare noch mittelbare Schuld an der Abspaltung einiger ihrer Glieder tragen.
Die Abspaltung von Häretikern, die oft genug fortan den Namen der wahren Kirche Christi für sich und ihre Anhängerschaft reklamieren, führt ganz unweigerlich zu einer Spaltung, einem Nicht-eins-Sein der "Christenheit". Weniger der historische Vorgang der Spaltung selbst als vielmehr der Dauerzustand des Gespaltenseins ist es, den Balthasar "der" Kirche, also der katholischen, der wahren Kirche zum Vorwurf macht. Aber worin besteht denn dieser Zustand? Offenbar doch darin, daß die katholische Kirche mit allen ihren Gliedern in ungebrochener Treue am allein wahren Glauben mit all seinen Glaubenswahrheiten festhält, während die abgespaltenen Häretiker eigene "Kirchen" gründen und öffentlich einem Teil der katholischen Wahrheiten widersprechen, diese Wahrheiten als angebliche Irrtümer verwerfen und ihnen jeweils ihre eigene angebliche "Wahrheit" entgegenhalten, die in Wirklichkeit natürlich jedesmal ein Irrtum ist. Dadurch mag für Außenstehende in der Tat ein verwirrendes Bild entstehen. Aber was sollte die katholische Kirche tun, um diesen Zustand zu beenden?
Theoretisch-logisch gibt es nur zwei Möglichkeiten, den Zustand der "Spaltung der Christenheit" zu beenden: entweder die Häretiker bekehren sich wieder und schließen sich der katholischen Kirche an. Oder die katholische Kirche leugnet ihre Dogmen nun auch und schließt sich den bisher von ihr als krasse Glaubensirrtümer verworfenen Lehren der Häretiker und somit auch ihrer Gemeinschaft an. Die dritte Möglichkeit, einen Kompromiß zwischen den gegensätzlichen Standpunkten auszuhandeln, der künftig von allen als der gemeinsame Glaube betrachtet würde, läuft von seiten der katholischen Kirche aus gesehen auf dasselbe hinaus wie die zweite: prinzipielles Zur-Diskussion-Stellen und Preisgeben des bislang für unumstößlich wahr gehaltenen katholischen Glaubens.
Die erste Möglichkeit hat in der Praxis keine Chance auf Verwirklichung, weil niemals alle Häretiker, ja nicht einmal der größere Teil von ihnen zur Kirche zurückkehren wird - als moralisch geradezu "unmöglich" erscheint im Hebräerbrief die Bekehrung eines Häretikers oder Apostaten (Hebr. 6,4); auch deshalb, weil sich - notwendige Folge der menschlichen Freiheit - immer wieder neue Glieder unter immer neuen Vorwänden vom Leib der katholischen Kirche abspalten werden bis ans Ende der Zeiten. Die Bekehrungsgnade aber wird immer nur den einzelnen je nach ihrer Disposition und nach Gottes unerforschlichem Ratschluß, nicht jedoch einer ganzen Gruppe als solcher geschenkt.
Die zweite Möglichkeit ist von vornherein Makulatur, weil dabei die katholische Kirche geschlossen vom wahren Glauben abfallen und sich als wahre Kirche Christi selber aufheben würde. Sie ist auch praktisch wirkungslos, weil die abgespaltenen Denominationen untereinander gleichfalls in zahllose Glaubensstreitigkeiten verwickelt sind, so daß sich die Kirche keiner von ihnen anschließen könnte, ohne mit allen übrigen in Konflikt zu geraten. Abgesehen von allem anderen wäre die Spaltung der Christenheit also genau-sowenig behoben wie zuvor.
Die wahre Kirche Christi kann als solche nichts anderes tun, als weiterhin die Glaubenswahrheiten mit unfehlbarem Anspruch verkünden und die Irrtümer brandmarken: nur so bleibt sie Christus treu und nur so bleibt sie überhaupt die Kirche. Mögen manche ihrer Glieder an der Abspaltung der Reformatoren und ihres damaligen Anhangs mit schuld gewesen sein, eine direkte Schuld der Kirche an der Spaltung hat es nie gegeben und wird es auch nie geben. Diese Schuld könnte einzig und allein darin liegen, daß die Kirche völlig unbeirrt am unverkürzten und unverfälschten Glauben (und an der darauf beruhenden Praxis) festhält. Dieses Festhalten aber ist ja gerade die erste und ernsteste Pflicht, die ihr Christus auferlegt hat; sie kann also dadurch in keiner Weise sündigen, in keiner Weise Schuld auf sich laden.
Es ist schlicht eine dreiste Unverschämtheit, was den Katholiken als von ihnen zu verrichtendes Gebet etwa im gemeinsamen Gebet- und Gesangbuch der deutschen Bistümer "Gotteslob" zugemutet wird: "Herr, die Kirche soll das Zeichen der Hoffnung unter den Völkern sein. Du willst sie alle sammeln und zur Einheit führen. Wir sind schuld, daß dieses Zeichen nicht deutlich ist, denn deine Herde ist zerteilt." (Nr. 787/4 "Einheit der Christen/Eine Hoffnung") Auch hier steht die Frage im Raum, wie ein solcher Text oberhirtlich genehmigt werden konnte!
Die Schuld an der Spaltung der "Christenheit", die bis heute fortdauert, trifft allein jene, die sich damals abgespalten haben, und insbesondere jene, die zahllose ihrer Zeitgenossen zum Glaubensabfall verführt haben. Schon die nächste Generation wohl ist im Irrglauben aufgewachsen und war für die Abspaltung an sich nicht mehr verantwortlich. Am Dauerzustand der Spaltung ist darum jeder einzelne Orthodoxe, Protestant, Anglikaner etc. nur insoweit mitschuldig, als er gegebenenfalls zur Erkenntnis gelangt, daß nur die katholische Kirche Christi Kirche ist, und aus dieser Erkenntnis nicht die notwendigen Konsequenzen zieht. Solange protestantische Christen z.B. ihren Glauben ehrlicherweise für den allein wahren halten, unterliegen sie einem schuldlosen Gewissensirrtum und müssen ihrem Gewissen folgen, was keinerlei Schuld einschließt, im Gegenteil.
Es gibt mithin überhaupt kein eindeutiges Subjekt für Balthasars Schuldzuweisungen, denn wer im einzelnen von den nichtkatholischen Christen gegen besseres Wissen der wahren Kirche fernbleibt, das entzieht sich menschlicher Erkenntnis. Die katholische Kirche aber tut nur das, was sie unter schwerster Verpflichtung tun muß: Christus selbst, der sie gegründet und auf seine Lehre verpflichtet hat, ist der Spaltkeil, "gesetzt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel und ein Zeichen, dem widersprochen wird" (Lk 2,34)!
Wenn aber dem so ist, wie steht es dann mit dem Hohepriesterlichen Gebet des Herrn, auf das nicht bloß Balthasar sich beruft? Es dürfte kaum einen anderen Text im Neuen Testament geben, der seit Jahrzehnten einer so hartnäckigen Fehlinterpretation ausgesetzt wäre wie gerade dieser. Immer wieder aufs neue wird die Bitte an den Vater um das Einssein der Jünger aus ihrem für das richtige Verständnis unverzichtbaren Zusammenhang gelöst und verselbständigt. Die allererste Frage müßte doch lauten: Wer sind jene, die eins sein sollen "wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, ... damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast" (Joh 17,21)?
Im Vers zuvor hat Jesus diesen Personenkreis genau abgegrenzt, indem er sagt: "Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben" (Joh 17,20). "Diese hier", das sind die anwesenden Apostel, für die er gerade zuvor im besonderen gefleht hat (Joh 17,919). Und "alle, die durch ihr Wort an mich glauben", das sind die Christen, die die Lehre der Apostel angenommen haben, jene, die den von den Aposteln und ihren Nachfolgern unfehlbar verkündeten wahren Glauben besitzen. Wer auch nur eine einzige katholische (und das heißt auch: apostolische!) Glaubenswahrheit leugnet, hat das Glaubensprinzip, nämlich die unfehlbare Autorität des obersten Lehramts der katholischen Kirche, die allein auch die apostolische ist, bereits aufgegeben. Alles, was er noch glaubt, glaubt er nicht mehr "durch ihr - der Apostel - Wort", nicht mehr aufgrund der unfehlbaren Autorität des höchsten Lehramts der Kirche, sondern nur noch aufgrund eigenen Gutdünkens. Sein Glaube ist nicht mehr der gnadenhaft eingegossene übernatürliche Glaube sondern bloß noch ein natürlicher Glaube, auch wenn er sich auf übernatürliche Wahrheiten bezieht. Wenn der Herr sagt: "alle, die ... an mich glauben", kann er keinesfalls den natürlichen (oder - bei materiellen Häretikern anzunehmenden - übernatürlichen) Glaubensrest der Häretiker gemeint haben, sondern nur den übernatürlichen Glauben, der prinzipiell alles umfaßt, was immer die katholisch-apostolische Kirche zu glauben vorstellt. Daß nichts anderes gemeint ist, hat Jesus durch die deutliche Einschränkung "die durch ihr (der Apostel) Wort an mich glauben" ganz unmißverständlich zum Ausdruck gebracht.
Nur die Gemeinschaft derer, die den wahren Glauben bereits besitzen, galt also Jesu Gebet um die Einheit. Daraus folgt zwingend, daß er nicht um das gebetet haben kann, was schon als notwendige Bedingung vorausgesetzt ist. Nicht um die Einheit im Glauben, die schon da sein mußte, denn er betete ja für die Gläubigen, sondern um die Einheit in der Liebe für jene, die im wahren Glauben bereits vollkommen eins sind! Sind ja auch, was noch niemandem der modernen Ökumenisten aufgefallen zu sein scheint, Jesus und der Vater "eins" (Joh 17,21!) nicht etwa durch den Glauben, sondern nur durch die innertrinitarische Liebe! Daß das Verhältnis etwa zwischen Katholiken und Protestanten auch von katholischer Seite aus nicht immer von jener Liebe geprägt war, die der Christ jedem Nächsten schuldet, bestreitet niemand. Aber wer im lehramtlich erklärten Ausschluß der Häretiker aus der wahren Kirche bereits einen Verstoß gegen die Liebe erblicken wollte, befände sich selbst im Irrtum, nämlich in dem von einer bloß durch die Liebe statt den Glauben geeinten Kirche.
Eine Liebesgemeinschaft soll die Kirche auch und sogar zutiefst und zuinnerst sein; genau dafür hat ja, wie wir soeben sahen, der Herr so inständig gebetet. Aber grundlegend im wahrsten Sinn ist der gemeinsame Glaube. Ohne Glaubenseinheit gibt es keine vollkommene Liebeseinheit. Die Liebe zu den Glaubensgenossen hat viel mehr und viel höhere Motive, ist folglich auch wesenhaft eine viel innigere, als die zu den Außenstehenden. Wenn also die Kirche "sich selbst widerlegt", dann niemals durch die Spaltung "der Christenheit" sondern allenfalls durch Lieblosigkeit innerhalb der eigenen Reihen. Selbstredend ist auch das keine wirkliche Widerlegung: nur eine Kirche, die aus bereits vollendeten Heiligen bestünde, wäre auch eine vollendete Liebeskirche. Wer diese vollendete Liebesgemeinschaft in der Kirche vermißt und das zum Anlaß nimmt, sich von ihr abzuwenden, hat lediglich einen Vorwand, aber keine gültige Entschuldigung!

Ist die Kirche Christi gespalten?

"Die Spaltung der abendländischen Kirche" hat Balthasar beklagt. Das Schisma der "Ostkirche" erwähnt er gar nicht. Von den orthodoxen Schismatikern gilt aber dasselbe wie von den Protestanten. Auch sie haben sich nicht bloß von der wahren Kirche getrennt, indem sie die Gemeinschaft mit dem Papst aufgegeben haben; vielmehr mußten sie folgerichtig auch den päpstlichen Primat leugnen und haben damit den katholischen Glauben verloren. Nicht anders als die protestantischen Gemeinschaften bilden sie keine Kirche im übernatürlichen Sinn, mögen sie auch den Namen Kirche Christi usurpiert haben. Der mystische Leib Christi ist wesensnotwendig nur einer; Glieder, die sich von ihm abspalten, sind keine Glieder mehr und vermögen niemals einen zweiten mystischen Leib oder etwa einen (abgetrennten) Teil des einen Leibes zu bilden. Wenn das möglich wäre, müßte sich Christus selbst widersprechen. Sofern der Gottmensch "die Wahrheit" ist, kann er nicht zugleich die Summe jener oft genug einander nochmals widerstreitenden Irrtümer sein, unter deren Banner sich die häretischen Gemeinschaften zusammenfinden.
Mit Balthasars Augen betrachtet sieht die Situation allerdings wesentlich anders aus. Der mystische Leib Christi - das sind schlicht und einfach alle, die sich, mit welchem Recht auch immer, den Christennamen anmaßen. Die durch die Reformation gespaltene Kirche, so wird "klargestellt", "verlor jede Glaubwürdigkeit vor der Welt" Aber noch schlimmer ist, daß "der interkonfessionelle Hader unterdessen die einzelnen Kirchen, und am meisten die katholische (bisher einigermaßen verschonte) durchsetzt und sie nunmehr auch als einzelne ihrer Glaubwürdigkeit beraubt hat. Oder soll man sagen", so fährt der Meister fort, "daß die Krankheit, die vorher am interkonfessionellen Organismus manifest war - als Entfremdung, Feindschaft, Verleumdung, böswillige Entstellung - sich ganz folgerichtig auf die innern Organe der einzelnen Konfessionen zurückwarf um den wahren Herd des Übels zu offenbaren..." (Klarstellungen, 150), der angeblich in der "Sünde" liegt!
Die ganze "Christenheit" also bildet den "interkonfessionellen Organismus" und die einzelnen "Kirchen" einschließlich der römisch-katholischen sind als die "Organe" (d.h. Bestandteile) dieses Organismus anzusehen, mit dem nach Lage der Dinge nichts anderes gemeint sein kann als der mystische Leib Christi! Immerhin läßt Balthasar noch eine gewisse graduelle Differenzierung zwischen den Organen des interkonfessionellen Organismus gelten. "Heute anerkennt die katholische Kirche, daß andere christliche Kirchen, in verschiedenem Grad, den Namen 'Kirche' verdienen, wenn sie mehr oder weniger zentrale Elemente der Kirche Christi bewahren..." Demnach wären die anderen "Kirchen" wenigstens nicht im absolut gleichen Sinn wie die römisch-katholische Kirche die Kirche Christi.
Wo die katholische Kirche allerdings das Kirche-Sein der abgefallenen Denominationen "anerkannt" haben soll, verrät Balthasar nicht. Wahrscheinlich hat er gewisse Aussagen in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils im Hinterkopf, insbesondere in "Lumen Gentium" Kap. 8 und in "Unitatis redintegratio" Kap. 15. Ob den getrennten Gemeinschaften dort wirklich konzediert wird, graduell oder partiell Kirche Christi bzw. mystischer Leib Christi zu sein, braucht hier nicht untersucht zu werden. Eine einschlägige (unveröffentlichte) Studie des Verfassers kommt freilich zu dem Schluß, daß es so ist; die Studie im Umfang von 63 DinA4-Seiten kann als Fotokopie zum Selbstkostenpreis vom Verfasser direkt bezogen werden: J. Rothkranz, Oberstraße 53, D-5424 Filsen. Selbst wenn es von diesem Konzil behauptet würde, wäre es widersinnig und würde die Glaubenswahrheit von der unzerstörbaren Einheit des mystischen Leibes Christi, und zwar des sichtbaren, ad absurdum führen. Ist für den mystischen Leib der sichtbaren Kirche der gemeinsame wahre Glaube konstitutiv, dann gibt es genausowenig eine graduell abgestufte Gliedschaft am Leib Christi wie es einen graduell abgestuften wahren Glauben geben kann!
Wenn nun Balthasar zum Trost für alle, die gleich ihm die vermeintlich gespaltene Kirche Christi betrauern, hervorhebt, "wie sehr ... der eine Herr der Kirche über allen christlichen Denominationen erhaben bleibt", und als eine dieser Denominationen auch die römisch-katholische Kirche verstanden wissen will, woran der Kontext nicht den geringsten Zweifel erlaubt, dann läßt er damit das Dogma von der katholischen Kirche als der allein wahren Kirche Jesu Christi fallen. Man ist nicht einmal darauf angewiesen, das aus dem soeben zitierten Satz erst zu erschließen, denn für "verunsicherte Laien" sagt es der große Theologe auch unverblümt: "Schwerer im einzelnen zu bejahen mögen die im Bekenntnis des Heiligen Geistes (sc. im Apostolischen Glaubensbekenntnis) mitbejahten Eigenschaften der Kirche Jesu Christi sein, denn ihr geschichtlicher Anblick scheint ihnen allen zu widersprechen: statt der einen ist sie die zerrissene ...", statt der heiligen die unheilige, etc.! (Kleine Fibel)
Nicht nur die im Großen Glaubensbekenntnis als Wesensmerkmal der Kirche genannte Einheit, nein, auch die Heiligkeit und Katholizität wagt Balthasar zu bestreiten. Aber könnte er nicht in diesem Satz die inneren, den Glauben als solchen nicht berührenden Streitigkeiten der katholischen Kirche meinen? Nein, denn im selben Buch an anderer Stelle ist zu lesen: "Gewiß, die gespaltene Kirche wirkt auf die Welt unglaubwürdig, wir müssen alles tun, um das Ärgernis der Schismen aufzuheben. Aber eine innerlich zerspaltene katholische Kirche wirkt auf die christlichen Gesprächspartner nicht minder unglaubwürdig ..." (Ebd. 91f.) Wie aus der Gegenüberstellung von "gespaltener Kirche" und "zerspaltener katholischen Kirche" unmittelbar zu ersehen ist, meint Balthasar dort, wo er "die zerrissene Kirche" sagt, stets die "Christenheit", den "interkonfessionellen Organismus" als Ganzes.
Leugnet also Balthasar die Einheit der katholischen Kirche, wenn er dafür hält, entgegen dem Credo sei sie "die zerrissene"? Nicht direkt, denn "die Kirche", die er für zerrissen hält, ist nicht die katholische sondern das (gedankliche) Konglomerat aller christlichen Denominationen, die "Christenheit" also, und deren Zerrissenheit ist ja augenscheinlich. Aber Balthasar setzt diese "Christenheit" bedenkenlos mit der "einen, heiligen katholischen und apostolischen Kirche" des Credo identisch! "Statt der einen", sagt er, "ist sie (die Kirche des Credo!) die zerrissene". Keine Frage, die katholische Kirche kann dann nicht mehr die allein wahre Kirche Christi, sondern allenfalls noch ein Teil davon sein. Das zu behaupten aber ist evidentermaßen häretisch. (Am Dogma von der einen und einzigen unzerstörbaren Kirche Christi, die nur die römisch-katholische Kirche ist, scheitert auch Kardinal Ratzinger. In einem kürzlich -"zufälligerweise" in Balthasars Verlag - erschienenen Buch (Kirche - Ökumene und Politik, Einsiedeln 1987, 127) schreibt er zur Spaltung der Christenheit folgendes: "Die Trennung - solange der Herr sie zuläßt - kann auch fruchtbar sein und damit die 'vielfältig-eine Kirche' vorbereiten, die wir uns heute noch nicht ausdenken können, aber in der nichts verloren sein wird, was an Positivem in der Geschichte gewachsen ist - wo auch immer. Vielleicht bedürfen wir der Trennungen, um zu der ganzen Fülle zu kommen, auf die der Herr wartet." Demnach ist die katholische Kirche noch gar nicht die Fülle dessen, was Christus als seine Kirche gestiftet hat! Man mag sich drehen und wenden wie man will, der Kardinal greift mit solchen Behauptungen oder auch nur Mutmaßungen frontal das dogmatisch verbindliche Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche an.)
Ganz auf derselben Linie liegt wiederum das Gebet- und Gesangbuch der deutschen Bistümer "Gotteslob" mit dem folgenden "Gebet": "Herr, wir bekennen, daß menschliche Schwachheit und Schuld deine Kirche gespalten (!) hat. Die Christenheit besteht heute aus vielerlei Kirchen und kleinen Gruppen." (Nr. 787/4 "Einheit der Christen/Ein Glaube") Damit wäre also Balthasars These von den deutschsprachigen Bischöfen abgesegnet! Nach katholischem Glauben jedoch ist die römisch-katholische Kirche mit absoluter Ausschließlichkeit die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Sie ist es nicht erst in einer ungewissen Zukunft, sie strebt nicht erst zu ihrer Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität hin, nein, sie war stets, ist unverändert und wird bis zum Ende der Welt immer sein, was wir im Glaubensbekenntnis von ihr bekennen. Balthasar bekennt das alles nicht von ihr, er leugnet es - wie für die Christenheit (die nämlich ist seine "Kirche Christi") als Ganzes, so logischerweise erst recht für jeden ihrer "Teile", zu denen in seiner Sicht auch die römisch-katholische Kirche zählt - ausdrücklich. Balthasar ein katholischer Theologe?

Dienstag, Januar 09, 1990

Das Urteil eines Gottesmannes - Hans Urs von Balthasar richtet sich selbst

Artikel erschienen in der Monatszeitschrift «DAS ZEICHEN MARIENS», 21./22. Jahrgang, Nr. 11, März A.D. 1989, Seite 7118:

(Auszug aus einem Vortrag von Frère Michel de la Sainte Trinité, gehalten am 11. März 1985 an der Sorbonne in Paris. Übers.: A. Frey)

Im März 1984 antwortet Mgr. Zanic (der zuständige Bischof von Mostar) auf die Fragen P. Declos:
- Sind Sie aus Prinzip gegen die Erscheinungen?
- Im Gegenteil. Ich war achtmal in Lourdes und habe Wallfahrten organisiert. Ich habe viel getan für die Verehrung der Muttergottes. Ich war sogar in Banneux, in Beauraing und in Syrakus, drei Orte, wo die Erscheinungen Mariens für echt erklärt wurden.
- Aber jene von Medjugorje haben Sie nicht überzeugt?
- Ich würde mir sehr wünschen, ein Lourdes in meiner Diözese zu haben. Das wäre eine große Sache... Aber vor Gott, vor meinem Gewissen und im Hinblick auf die Kirchengeschichte kann ich diese Erscheinungen nicht für echt und übernatürlichen Ursprungs erklären.
- Fürchten Sie noch Schwierigkeiten von seiten der Zivilregierung?
- Im Moment ist alles ruhig... Aber was wird geschehen, wenn - wie ich glaube - die emotionale Begeisterung um Medjugorje sich legt, um der Enttäuschung Platz zu machen? Die Kommunisten werden daraus schließen, daß Lourdes, Fatima, Christus und der ganze katholische Glaube nicht mehr wert sind als Medjugorje. Das wäre die garantierte Diskreditierung für die Autorität der Kirche. Wir müssen sehr vorsichtig sein.
- Eine letzte Schlußfolgerung?
- Ich bin gewiß ein sündiger Mensch und nicht würdig, Bischof zu sein. Aber ich glaube, daß es eine der größten Sünden meines Lebens wäre, wenn ich es zuließe, daß man etwas Falsches sagt, obwohl ich weiß, daß es sich um Lügen handelt.

Unterdessen erhält Mgr. Zanic jeden Tag ganze Breitseiten von Beleidigungen, die ihm die Charismatiker der ganzen Welt in liebenswürdiger Weise und im Namen des Geistes verpassen: "Man erklärt mich für verrückt und für teuflisch. Man klagt mich an, alles zerstören zu wollen und gegen alles zu sein, was die Erscheinungen betrifft. Ich bin die Verkörperung Satans." ("La Libre Belgique", 11. April 1985)
So konnte man den beleidigenden Brief des Theologen Hans Urs von Bathasar lesen, der überall verbreitet wurde und den er öffentlich von der Höhe seiner Kanzel - er ist Empfänger des "Großen Preises Paul VI" und wird von den Charismatikern der ganzen Welt wie ein Patriarch verehrt - im Herzen Roms an den armen Bischof gerichtet hat, weil derselbe es gewagt hat, sich mit dem heiligen Charismatiker von Medjugorje, Tomislav Vlasic zu beschäftigen. Balthasar schreibt darin:
"Monseigneur, welch traurige Dokumente haben Sie um die Welt geschickt! Ich war tief betrübt, die bischöfliche Würde dermaßen degradiert zu sehen (sic!). An Stelle von Geduld zu üben, wie man es Ihnen empfohlen hatte, donnern Sie und schleudern Sie Blitze Jupiters von der Höhe Ihres Sitzes auf respektable und unschuldige Personen herab, die Ihres Schutzes würdig wären. (Es handelt sich um Tomislav Vlasic, der ein Heiliger sei: H.U.B. hat es in einem Brief an Laurentin am 18. Dez. 1984 bestätigt und hat erlaubt, daß es urbi et orbi veröffentlicht wird. Ja, Tomislav Vlasic sei ein Heiliger aus verschiedenen Gründen. Unter anderem - und das ist nicht der geringste - weil er regelmäßig Hans Urs um Rat fragt. Ist das nicht eine genügende Garantie?!) Sie wiederholen immer wieder hundertfach widerlegte Anschuldigungen (...) (Die Auslassungspunkte stammen von Laurentin und sind bezeichnend. Eher ist es H.U.B., der - wegen seiner Passion mit Blindheit geschlagen - seinen charismatischen Freunden wie ein Papagei alles nachplappert) Ich hoffe, daß Sie den HERRN und seine Mutter inständig bitten (welch ein Ton!), dieses so wichtige und traurige Drama zu einem für die Gesamtheit der Kirche fruchtbaren Ausgang zu führen. Gesellen Sie sich all jenen zu, die so eifrig in Medjugorje beten (diesmal ist es ein Befehl!). Ihr und unser HERR. Hans Urs von Balthasar."
So ein Text reicht seinem Autor für immer zur Unehre! Denn sicher wird die Kirche von morgen Mgr. Zanic recht geben. Was das verächtliche Urteil dieses angeblichen Mystikers und großen Geistes des 20. Jahrhunderts betrifft, wird es der Nachwelt von der Absenz des gesunden Menschenverstandes Zeugnis geben. Trauriges Ende eines renommierten Theologen, den der Charismatismus verblendet hat: "Tönendes Erz und klingende Schelle" (1. Kor. 13,1).

Anmerkung des Übersetzers: Vor ein paar Jahren stand in einem Artikel im "Basler Volksblatt" die Feststellung: "Dieser nicht sehr intelligente Mann". Diese Bemerkung galt ebenfalls einem Bischof und stammte von eben demselben H.U.B. Der anvisierte Bischof war damals Mgr. Lefebvre. Wie man sieht, war dieser sog. renommierte Theologe schon überheblich, bevor er bei den "Pfingstlern" gelandet ist und wie man ebenfalls sieht, befindet sich Mgr. Zanic in guter Gesellschaft.