Freitag, April 07, 2006
Wer ist ein Christ? Wer nicht? Antwort auf die Einwände
Vor der Erlösung durch Christus bewirkte allein schon die Erbschuld den Ausschluß aus der Anschauung Gottes. Und darum mußte bis zum Augenblick, da Jesus Christus die Erlösung vollbracht hatte, auch jeder Gerechte des Alten Bundes im "Limbus patrum" warten. Nach der Erlösung durch Christus ist die Erbschuld getilgt. Ein für allemal! Sie wird nur dem behalten, der diese Erlösung bewußt nicht annimmt. Und deshalb ist kein Mensch mehr "unrein" durch die Erbsünde, der sich nicht willentlich und wissentlich auflehnt gegen Gott, der zu jedem Menschen spricht in seinem Gewissen. ("Das Gewissen ist nach dem Sündenfall gleichsam als Gottes Stellvertreter zurückgeblieben und bleibt der Mahner, selbst wenn sonst alles Gute erstorben ist." (Hl. Antonius von Padua) ) Dennoch ist die Taufe ordentlicherweise für die Tilgung der Erbsünde erforderlich; denn Christus hat sie als Zuwendungs-Instrument eingesetzt. Wer die Taufe empfangen könnte und sie nicht empfängt, weil er sie innerlich und/oder äußerlich ablehnt, obwohl er weiß, daß Jesus Christus sie verordnet hat, bleibt unter der Wirkung der Erbschuld. Und so ist auch die Kirche als Heilsanstalt ordentlicherweise heilsnotwendig. Denn: "aufgrund des Glaubens ist festzuhalten, daß außerhalb der apostolischen römischen Kirche niemand zum Heil gelangen kann, daß diese die einzige Arche des Heiles ist, daß, wer in diese nicht eingeht, in der Sündflut untergeht. Und doch ist für ebenso sicher zu halten, daß jene, die an Unkenntnis der wahren Religion leiden, wenn diese Unkenntnis unüberwindlich ist, deswegen in keine Schuld vor Gottes Augen verstrickt werden. Nun aber, wer möchte so anmaßend sein, sich zuzutrauen, daß er die Grenzen dieser Unkenntnis ziehen könnte, bei Erwägung der Verschiedenartigkeit der Völker, Länder, Begabungen und so vieler anderer Umstände? Doch wenn wir einmal, von den Banden dieses Leibes befreit, Gott schauen werden, wie Er ist, dann werden wir gewiß einsehen, in welch schöner und enger Verbindung Gottes Erbarmen und Gerechtigkeit einander umschlingen. Solange wir aber auf Erden weilen, beschwert mit der Last unserer Sterblichkeit, die auf den Geist drückt, wollen wir auf Grund der katholischen Lehre innig daran festhalten, daß Ein Gott ist, Ein Glaube, Eine Taufe. Weiter in der Forschung sich vorzuwagen, ist unrecht." (PIUS IX., 1854) „Es ist zwar Uns und euch bekannt daß jene, die an einer unüberwindlichen Unwissenheit bezüglich unserer heiligen Religion leiden und die anderseits das Naturgesetz und dessen von Gott in aller Herzen geschriebene Gebote sorgfältig beobachten sowie mit Gehorsamsbereitschaft für Gott ein anständiges und ordentliches Leben führen, mit Hilfe der göttlichen Erleuchtung und Gnade das ewige Leben erlangen können; denn Gott der den Geist, die Gesinnung, die Gedanken und die ganze Einstellung jedes Menschen vollkommen klar vor Augen hat, durchschaut und kennt, kann bei Seiner höchsten Güte und Milde keineswegs zulassen, daß jemand mit ewigen Peinen bestraft wird, der sich keine freiwillige Schuld zugezogen hat" (PIUS IX., 1854) "Sich mit freiem Willen Schuld zuziehen" macht also allein unrein. Und dieses Unreine kann nicht in den Himmel eingehen. Es ist der böse Wille. Menschen, die nicht zum Vernunftalter gelangen, können keinen bösen Willen entwickeln, können sich keine Schuld zuziehen. Sie werden durch die Erlösung in Christus aus reiner Gnade in die Anschauung Gottes und damit in die ewige Seligkeit in den ewigen Himmel, aufgenommen. Einer besonderen Prüfung bedürfen sie dazu nicht. Ihr zu frühzeitiger Tod ist sozusagen ihre kompensatorische Prüfung. (P.O.S.)
Wer ist ein Christ? Wer nicht? - Einwände eines Lesers zum Vierten Teil
Sicher ist es ja, da es nicht möglich ist, daß alle Menschen auf Christus Jesus getauft sind (Röm. 6.3), also die Erbschuld nicht getilgt ist (zB im Alten Bund) diese darum nicht verworfen werden, weil es keine persönliche Schuld ist. Die „Allerlösungslehre" stützt sich wohl auf Röm. 5.18+19, die wie folgt lauten: „Also folgt: Wie es durch des Einen Sündenfall für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch des Einen Rechttat für alle Menschen zur lebenspendenden Rechtfertigung. Wie nämlich durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern gemacht wurden, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten gemacht. (Warum wohl die Vielen und nicht alle?)
Früher wurde gelehrt, daß die Gerechten des Alten Bundes (von Adam bis Joseph) im Limbus patrum (Vorhölle) bis zur Eröffnung des Himmels durch Christus warten mußten, dann gab es noch einen Limbus puerorum, wo jene Kinder in einer Art natürlicher Seligkeit zu denken seien, die ohne Taufe starben und wegen des damit gegebenen Bleibens der Erbsünde nicht zur Anschauung Gottes gelangen können. (Angaben aus Kleines Theologisches Wörterbuch). Da hier keine kirchliche Lehräußerung darüber vorliegt, wird weiter diskutiert.
Ist es nicht so, daß nichts Unreines in den Himmel gelangt? (vgl. Eph. 5.5 und Apokal. 21.27) Auch scheint es mir unmöglich, daß ein Mensch ohne weiteres, also ohne jede Prüfung die ewige Anschauung Gottes erlangt, was ja nicht einmal den Engeln zugestanden wurde. Letztere hatten eine einzige Prüfung zu bestehen, die über ewige Seligkeit oder ewige Verwerfung entschied. Das macht die Teufel so böse, weil sie sehen, wie die Menschen immer und immer wieder sündigen und bei Reue Verzeihung erlangen können, sie selber aber nicht. Könnte es nun nicht so sein, daß die Seelen, deren Geist nicht die dem Menschen zugeordnete Reife erlangen konnte, eine Prüfung auferlegt würde, ähnlich zB der Engel, und dies dann die Entscheidung für oder gegen Gott wäre? Von einem Kirchenlehrer stammt doch die Aussage, daß uns Gott ohne uns zu fragen in die Welt gesetzt hat, aber uns nicht erlöst ohne unseren Willen.
Wahrscheinlich muß das Fest der unschuldigen Kinder (Gedächtnis der ermordeten Knaben von Bethelehem am 28. Dezember) umbenannt werden. Die gemäß Seher ungefähr 700 Knäblein, die auf Befehl von Herodes getötet wurden, um den von den Weisen aus dem Morgenland angesagten König der Juden zu eliminieren, seien nicht aus dem Grund im Himmel, weil sie als Märtyrer für Christus gestorben sind. Gilt etwa die Bluttaufe für Märtyrer nicht mehr? (...)
Montag, April 03, 2006
Die Kirche - ihre Sakramente - die heilige Priesterweihe, Ruf zum Mittleramt
Gottesdienst verlangt nach Priestern; der hehre Gnadenstrom, der da seit Christi Opfertod einem gewaltigen Gießbach gleich vom Himmel strömt, er fordert Mittler an die Menschenseelen."Brüder, so erachte uns nun jedermann als Diener Christi und Ausspender seiner göttlichen Mysterien." So sieht St. Paulus ja auch höchste Priestertätigkeit.
Niemand aber darf diesen Christusdienst und dieses Mittleramt übernehmen, der nicht berufen ist gleich Aaron, dem ersten Hohenpriester des Alten Bundes. Und dieser Gottesruf ergeht an den Menschen im hocherhabenen Augenblick der Priesterweihe.
Nur der Bischof darf in der Kirche die Priesterweihe spenden. Weil nur er in der Diözese die Geistesfülle in sich trägt. Aus dieser Geistesfülle heraus aber andere zu Geistlichen zu machen, das ist der Priesterweihe tiefer Sinn.
Sieben Vorstufen hat der junge Gottesdiener zu ersteigen, ehe sich ihm die allerheiligste Pforte des Priestertums erschließt:
1. Er opfert sein Haupthaar; hört auf ein weltfreier Mann zu sein; wird Höriger der Kirche im Empfang der Tonsur; empfängt das geistliche Kleid, den blütenweißen Chorrock; bekundet damit seine Dienstbereitschaft für Christus und die Kirche, Christi makellose Braut.
2. Nun ruft ihn die heilige Kirche zum göttlichen Dienst. In der Ostiariatsweihe macht sie ihn zum Türhüter, vertraut seiner Sorge das Heiligtum an; seine Pforte soll er bewachen gegen Friedlose und Ungläubige; seine Glocken soll er läuten, zu rufen die Gläubigen und alle, die für Christi Glauben guten Willens sind.
3. In der zweiten vorbereitenden Weihe zum Priestertum beruft die Kirche den Kleriker zum Lektor. Ihre heiligen Bücher vertraut sie ihm an. Der Lektor soll Hüter der heiligen Schriften sein, sie schützen vor Verunehrung; den Lektoren der Urkirche gleich lieber Kerker und Martertod ertragen als auch nur eines von ihnen auszuliefern an die Feinde des Glaubens. Vor allem aber soll er Vorleser sein, der vom erhöhten Lesepult des Ambo aus der versammelten Gemeinde die Worte heiliger Lesung kündet.
4. Ganz tief - vielen modernen Menschen schier unverständlich - ist die Weihe zum Exorzisten. Glauben wir an Gott und seinen Heiligen Geist, so steht vor uns als furchtbare Realität aber auch Satan mit seinem Reich unheiliger Geister. Gar schrecklich lastet dieses Reiches Macht auf der gefallenen Menschheit. Hat doch nicht nur der Heilige Geist, sondern auch des Teufels unreiner Geist Macht, in einem Menschenherzen Wohnung zu nehmen. Wie oft redet davon die Heilige Schrift und die Liturgie der heiligen Kirche.
So begreifen wir, weshalb die Kirche in einem eigenen hierarchischen Amt dieser unheimlichen Macht der Unterwelt entgegenzutreten sucht. Satan soll der Exorzist bannen. So kündet es der Bischof, wenn er ihm die Weihe zum Exorzisten spendet:
"Da ihr jetzt zum Amt des Exorzisten geweiht werdet, teure Söhne, so müßt ihr kennen, was ihr übernehmt. Der Exorist muß nämlich den Teufel vertreiben und dem Volke sagen, daß der, welcher nicht an dem Opfer der Gemeinschaft teilnimmt, seinen Platz räume. Auch hat er beim heiligen Dienste Wasser auszugießen. Ihr empfangt also die Gewalt, den Besessenen die Hand aufzulegen. Durch die Auflegung eurer Hände werden mit der Gnade des Heiligen Geistes und durch die Worte der Beschwörung die unreinen Geister von den besessenen Körpern vertrieben. Wie ihr von den Körpern anderer die Teufel vertreibt, so gebt euch auch Mühe, von euren Seelen und Leibern alle Unreinheit und Bosheit abzuwerfen, damit ihr denen nicht unterliegt, die ihr durch euren Dienst von anderen verjagt.
5. Eine ganz besondere Bedeutung hat im Gottesdienst der heiligen Kirche das Licht. Leuchten muß es bei der eucharistischen Opferfeier; brennen soll es beim Tabernakel als ewige Lampe. Täufling, Erstkommunikant, Weihekandidat, Sterbende, sie alle tragen in ihrer Hand ein brennendes Licht. Feuer segnet die Kirche in der heraufdämmernden Osterfreude des Karsamstages, entzündet daran die geheimnisumstrahlte Lichtsäule der Osterkerze, die Sinnbild Christi, des Siegers über Tod und Hölle ist.
Dürfen wir uns da wundern, wenn die Kirche den Kleriker auf der vierten Weihestufe zum Akoluthen oder Lichtträger beruft?
"Nimm hin den Leuchter mit der Kerze und wisse, daß du Diener der Kirche wirst, um die Lichter der Kirche zu entzünden im Namen des Herrn", so spricht der Bischof bei dieser Weihe, und er betet, Gott möge aber auch sein Herz und seinen Geist entzünden, damit er Gottes Gnade liebe und erleuchtet durch den Blick des göttlichen Glanzes dem Allmächtigen treu in seiner Kirche dienen möge.
6. Weiter schreitet die heilige Rangordnung. Es folgt die Weihe des Subdiakonates. Sie ist die erste der sogenannten höheren Weihen. Vollzogen sich die oben erwähnten niederen Weihen nur in einfachem Ritus, Ermahnung, Übergabe der Symbole und Weihegebet, so geht den Weihen, die jetzt folgen, die große Anrufung aller Heiligen voraus und trägt ihr ganzer Spendungsritus das Gepräge eines hochfeierlichen Gottesdienstes.
Feiner als die Ansprache des Bischofs kann nichts die Bedeutung der Subdiakonatsweihe deuten. Sie möge daher ganz hier folgen:
"Liebe Söhne! Ihr sollt das Amt des Subdiakons erhalten. Achtet ja darauf, welcher Dienst euch übertragen wird. Der Subdiakon hat für das Wasser zum Altardienst zu sorgen, dem Diakon zur Hand zu gehen, die Altartücher und die Korporalien zu waschen, Kelch und Patene, wenn er sie zum heiligen Opfer braucht, ihm zu reichen. Die Opfergaben, die auf den Altar kommen, heißen Schaubrote. Von den Opfergaben soll nur so viel auf den Altar kommen, als für das Volk ausreicht, damit nichts im Heiligtum zurückbleibe und verdirbt. Die Tücher auf der Altarplatte müssen in einem eigenen Gefäß gewaschen werden und wieder in einem anderen die Korporalien. In dem Wasser aber, in dem die Korporalien gewaschen worden sind, darf kein anderes Linnen gewaschen werden. Das Waschwasser selbst muß in die Taufkapelle abgegossen werden. Gebt euch aber Mühe, daß ihr diese Dienste, von denen wir gesprochen und die jeder sehen kann, sauber und sorgsam erfüllt. Was sie aber keinem sichtbar bedeuten, das macht sichtbar durch das Beispiel.
Denn der Altar der heiligen Kirche ist nichts anderes als Christus. Zeuge dessen ist Johannes, der in seiner Geheimnen Offenbarung berichtet, er habe einen goldenen Altar gesehen, der vor dem Throne stand, auf dem und durch den die Opfergaben der Gläubigen Gott, dem Vater, göttlich geweiht wurden. Die Tücher und die Korporalien dieses Altares sind die Glieder Christi, ich meine die Gläubigen Gottes, mit denen der Herr wie mit Gewändern sich umgibt. Der Psalmist spricht es aus:
'Der Herr ist König. Schmuck hat er angelegt.'
Auch der heilige Johannes sah in der Geheimen Offenbarung den Menschensohn gegürtet mit goldenem Gürtel, das will besagen: mit der Schar der Heiligen. Wenn deshalb die Gläubigen, wie es bei der menschlichen Gebrechlichkeit nicht ausbleibt, irgendwie befleckt werden, dann müßt ihr das Wasser himmlischer Lehre reichen, damit sie, dadurch gereinigt, wieder zum Schmuck des Altares werden und den Kult des göttlichen Opfers wieder aufnehmen. Seid darum Männer, die dem göttlichen Opfer und der Kirche Gottes, d. h. dem Leibe Christi, würdig dienen, gegründet im wahren und katholischen Glauben. Denn, wie der Apostel sagt, alles, was nicht aus dem Glauben ist, ist Sünde, Spaltung und außerhalb der Einheit der Kirche. Wenn ihr darum bis jetzt lässig zur Kirche waret, so seid von heute ab beharrlich. Wenn bisher schläfrig, von heute ab wach. Wenn bisher trunksüchtig, von heute ab nüchtern. Wenn bisher von leichtfertigem Lebenswandel, von heute ab keusch. Das möge euch in Gnaden verleihen, der lebt und als König herrscht, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeiten. Amen."
Hierauf reicht der Bischof dem neuen Subdiakon Kelch und Patene sowie die Meßkännchen mit Wein und Wasser. Dann bekleidet er ihn mit Manipel und Tunika, wobei er spricht: "Nimm hin den Manipel. Er zeige an die Früchte guter Werke." "Mit der Tunika der Anmut und dem Gewand der Freude bekleide dich der Herr." Zum Schlusse reicht er ihm das Epistelbuch und damit die Vollmacht, beim feierlichen Hochamt die Epistel zu singen.
7. Durch apostolische Tradition geheiligt ist die letzte Vorstufe zum Priestertum, das Diakonat. Gehilfen der Apostel sollten die Diakone sein in zeitlichen Anliegen der Gemeinde. Bald aber sind sie nicht nur mehr Diener des Tisches. Helfer der Priester werden sie bei Zurüstung und Ausspendung des eucharistischen Mahles. Groß war ihre Aufgabe in der Urkirche: da rüsten sie den Opfertisch, sammeln die Opfergaben der Gläubigen, richten Opferkelch und Opferbrot, teilen dann den Kelch mit dem reinen Blut des Gottessohnes an die Gläubigen aus. Diakone spenden die Gaben an die Armen der Gemeinde, hüten die heiligen Gefäße, führen Gemeindechronik und Martyrerakten, unterstützen den Bischof beim Unterricht der Katechumenen, vollziehen die vorbereitenden Zeremonien bei Spendung der heiligen Taufe und künden beim eucharistischen Gottesdienst vom hohen Ambo aus die Frohbotschaft des Evangeliums Jesu Christi.
Dieser Bedeutung des Diakons entspricht auch die Feier seiner Weihehandlung. Im Namen der Kirche fordert der Erzdiakon vom Bischof die Erhebung des bisherigen Subdiakons zur Würde des Diakonates. Das Weihegebet ist eine feierliche Präfation. Durch Handauflegung ruft der Bischof den Heiligen Geist auf den Diakon herab, überreicht ihm dann Stola und Dalmatika und zum Schluß das Evangelienbuch.

All dieser Weihen Krone und Vollendung ist die heilige Priesterweihe, die mit zum Herrlichsten gehört, was die Pracht des katholischen Gottesdienstes aufzubieten vermag.
Vom Führertum des Priesters spricht der Bischof zuerst in seiner Ermahnung und von seiner wesenhaftesten Aufgabe:
"Der Priester muß opfern, segnen, vorstehen, predigen und taufen." Ummittelbar hierauf folgt die eigentliche Weihe. Schlicht und einfach, aber gerade darum auch so gewaltig und monumental, wie die Würde und Macht, die sie verleiht. Ohne vorausgehendes Gebet, ohne Gesang und Orgelspiel, unter feierlich geheimnisvollem Schweigen legt der Bischof dem bisherigen Diakon die Hände auf und läßt sie eine Weile auf seinem Haupte ruhen. Überfließen soll so sein Geist und seine priesterliche Amtsgewalt auf den, der nun fortan sein geistiger Sohn und Träger seines Geistes sein soll. Nach dem Bischof legen alle anwesenden Priester ihrem neuen Mitbruder die Hände auf. In einer gedankentiefen Präfation bittet nun der Bischof Gott den Allmächtigen, er möge über den neuen Priester ausgießen "den Segen des Heiligen Geistes und die Kraft priesterlicher Gnade".
Was in der Weihe und der Präfation geheimnisvoll verborgen geschah, die Erhebung eines Menschen zu aktiver Teilnahme an dem priesterlichen Mittleramt Christi, das wird nun symbolisch erläutert in der folgenden Zeremonie der Überreichung der Priesterstola und des Meßgewandes an den Neugeweihten.
Opfern soll der Priester "unbefleckt, in der Kraft des Heiligen Geistes". Deshalb salbt nun der Bischof des Neupriesters Hände mit heiligem Öl und betet dabei:
"Weihe und heilige, Herr, gnädig diese Hände durch diese Salbung und deinen Segen. Alles, was sie segnen, sei gsegnet; was sie weihen, sei geweiht und geheiligt im Namen unseres Herrn Jesu Christi."
In diese gesalbten und geweihten Hände legt nun der Bischof den Opferkelch mit Opferwein und Opferbrot mit den Worten "Empfange die Gewalt, Gott das Opfer darzubringen und die Messe zu feiern für Lebende wie für Verstorbene im Namen des Herrn."
Nun feiert der neugeweiht Priester zum erstenmal mit seinem Bischof das heilige Opfer. Alle Gebete, auch die Wandlungsworte werden dabei von Bischof und Neupriestern laut gesprochen, so daß es sich um eine wirkliche Konzelebration handelt. Am Ende der gemeinsamen Opferfeier legt der Neupriester sein Glaubensbekenntnis ab und empfängt hierauf durch eine abermalige Handauflegung die Gewalt der Sündennachlassung.
Die Feier endet mit dem Treugelöbnis des jungen Priesters an seinen Bischof und dem feierlichen Segen des Hohenpriesters an seinen neuen priesterlichen Mitarbeiter.
Die Kirche - ihre Sakramente
Die Taufe, das Sakrament des neuen Lebens in Gott
Abkehr von Satan, Hinkehr zu Gott leitet symbolisch dieses Geheimnis ein. Öffnung der Augen und Ohren für das lebenspendende Glaubenslicht, heilige Salbung zum Gottesstreit gehen voran, und dann naht der große Augenblick, da im heiligen Bad des Taufwassers die Erbschuld der Stammeltern aus der Seele des Täuflings getilgt wird. Im Wasser wird begraben, was sündhaft und irdisch war; aus dem Wasser hervor geht ein neuer Mensch, ein Träger göttlichen Lebens, ein Glied an Christi mystischem Leib, geheiligt durch jenes Gnadengeschenk Gottes, das ihm Anteil an der göttlichen Natur selber verleiht. Nicht mehr Gottes Feind und irdisch begrenzter Mensch ist der Täufling, der da aus dem Wasserquell emporsteigt; nein, neugeboren ist er zur Gotteskindschaft; Glied Christi ist er geworden; königliche Würde umstrahlt sein Haupt; Anteil hat er nun am Reich des Lichtes. Daher jetzt die Königssalbung mit dem hochheiligen Chrisam, das die Kirche sonst nur über die Häupter ihrer Könige und Hohenpriester ausgießt; daher das blütenweiße Festgwand des neuen Lebens; daher die brennende Kerze; daher aber auch der Kirche feierliche Mahnung am Schluß der heiligen Handlung: "Custodi Baptismum Tuum", "Bewahre Deine Taufe".
Eucharistia, Speise des Lebens
Jedes außergöttliche Leben verlangt nach steter Erneurung und Ergänzung von außen her. Gottes Wesen aber ist es, daß er "Ens a se" - "Sein aus Sich" - ist, sein Leben damit nie einer Ergänzung und Erneuerung bedarf. Ganz anders beim Menschen. Göttliches Leben schenkte uns die Taufe. Wahrte aber unser Menschtum; Menschtum jedoch ist Beschränkung, Wachsen sollte daher in uns dieses Leben, sich stets erneuern. Dazu gab uns Christus die heilige Euchariste als Speise des Lebens. "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brote ißt, wird leben in Ewigkeit."
"Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esset und sein Blut nicht trinket, wedet ihr das Leben nicht in euch haben. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage" (Joh. 6,51-55).
Speise des Lebens wird Christus für seinen mystischen Leib. Mysterium der Liebe! Die Menschheit lebt in Wahrheit aus Gott.
Kommunion wird uns diese Speise, Gottvereinigung. Mit Christus, in Ihm und durch Ihn, entfaltet sich unsere Gotteskindschaft, erneuert sich unser Leben Tag für Tag, dem Adler gleich.
Nicht mehr der Mensch lebt. Christus lebt in ihm!
"Wo gibt es ein Volk, das so begnadet ist wie wir, da der allmächtige Gott selbst zu uns kam und unsere Speise wurde." (St. Thomas.)
Und das ist zu allen Zeiten der Kirche großes Geheimnis gewesen: je tiefer ihre Glieder in der eucharistischen Christuskommunion lebten, um so leuchtender strahlte dann auch aus dem Leben der Völker Christus selbst hinein ins Dunkel der Welt.
Ging aber der Weg der Gläubigen fern vom eucharistischen Tische, hungerte das Volk, so mußte auch sein Glaubensleben verkümmern. Stagnation, Kälte und sittlicher Niedergang waren immer und immer wieder Folgen dieser seelischen Not und Christusferne.
Verstehen wir, weshalb die betende Kirche gerade in unseren Tagen wiederum so weit die Tabernakel öffent? Verstehen wir, weshalb gerade unsere Zeit, die Neues bauen will, wieder eine eucharitische Prägung tragen muß?
Das Brot der Märtyrer, das einst als tägliches Brot der Urkirche jene Kämpfer schuf, die dann ein Labarum zum Siege führte, es wird und muß auch unserer Zeit die alte Quelle neuer Kraft und neuen Sieges werden.
Die Firmung des Heiligen Geistes: Ruf zur katholischen Aktion
Nichts nützt dem Menschen adelige Geburt, wenn seine Seele nicht durch adeligen Geist veredelt ist. So gilt es auch beim Gottesadel der Gnade, beim Glied der Kirche, beim Glied an Christi mystischem Leib. Nichts nützt aber auch das Gliedsein an Christi Leib, wenn dieses Glied nicht aktiv in Christus mitwirkt an der großen Aufgabe, die der ewige Vater seinem Sohn und allen, die mit ihm in der Gnade geeint sind, gestellt hat.
Einem neugeborenen Kindlein gleicht daher der Neugetaufte; nur schemenhaft weiß er um das Geheimnis, das er in seiner Seele birgt.
Da kommt der bischöfliche Hohepriester. Mit heiligem Chrisam prägt er der Seele des Christen das Siegel Christi auf; durch Handauflegung ruft er Gottes Geist auf ihn hernieder. Kraft des Heiligen Geists nimmt nun von ihm Besitz. Emporgehoben ist der Täufling damit zum Vollalter des Glaubens, zum Mannesalter Christi. Nicht mehr einfach Glied an Christi mystischem Leib ist er jetzt. Christi Geist, der seine Seele mit übernatürlicher Kraft angefüllt, hat diese auch zur Reife geführt; diese Geisteskraft will nun all sein Tun gestalten und ihn zu einem aktiven Streiter für das Gottesreich machen. Deshalb empfängt der volljährig gewordene neue Geistträger nun auch den heiligen Ritterschlag und damit Weihe und Sendung ins Leben hinaus, um mannhaft einzustehen und zu kämpfen für Christus und die Ehre seiner Kirche.
So wird die Geistessalbung dem Christen in Wahrheit zu einer Firmung, d.h. Stärkung, aus deren Kraft heraus er nun befähigt ist, ein aktives Christenleben zu führen im Rahmen der großen Aufgaben unserer katholischen Aktion.
Die Buße - ein Ostermysterium
Ein Ostergeschenk gab Christus seiner Kirche am Tag des neuen Lebens. Das Sakrament der Sündentilgung.
Zu gut wußte der Meister, daß er schwache Menschen zu Trägern göttlicher Gnade berufen habe. Wußte um das zerbrechliche Gefäß, in dem die Menschheit jene Gande birgt. Wußte, wie Satan uns die Gotteskindschaft neidet, uns Schlingen legt und in der Sünde jedweden Seelenadel raubt.
"Empfanget den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden nachlaßt, dem sind sie nachgelassen, doch wem ihr sie behaltet, dem sind sie auch behalten" (Joh. 20, 22).
Durch die Jahrtausende hallt dieses Wort. Klingt machtvoll feierlich bei jeder Priesterweihe. Auferstehung, neues Leben ist sein Inhalt. Erfüllung wird es, so oft ein geistig Toter seine Seelennot dem guten Hirten offenbart, aus Priestermund als frohe Kunde das Wort vernimmt:
"Absolvo te! - Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."
Die heilige Ölung, das Sakrament des Krankentrostes
Gänzlich will das Mysterium der Kirche den Menschen in seinen Bann ziehen. Höchsten Gottesdienst leistet sie daher in ihren Sakramenten. Immer und immer wieder fließt dieser siebenfache Gnadenstrom, durchpulst die Gottesstadt mit immer neuer Gnade, Licht und Leben.
So tritt die Kirche auch ans Krankenbett. Da geht sie aus dem Heiligtum heraus; trägt ihren Gottesdienst hinein in den Palast und in die ärmste Hütte; bringt abermals nichts anderes als Gnade und höchste Lebensfülle.
"Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Priester der Kirche. Die sollen über ihn beten und ihn salben mit Öl im Namen des Herrn. Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken Heil verleihen; der Herr wird ihn wieder aufrichten; und wenn er in Sünden ist, so werden ihm diese verziehen" (Jak. 5, 14-15).
Was hier der Apostel vor nahezu 2000 Jahren seiner Gemeinde gebot, erleben wir heute noch am Krankenbett eines jeden gläubgien Katholiken. Als Glied Christi hat der Mensch seine Tage verbracht. Ehe er aber nun hinübergeht in die ewige Heimat, salbt ihm der Prieste noch einmal Augen, Ohren, Nase, Mund und Hände und Füße. Was er sah in seinem Leben, was er hörte, was er sprach und was er fühlte, was er erlebte und wohin er immer ging, mannigfaltig war dieses sein Erleben. Oft führte es zu Gott. Oft aber auch mag es der Frohbotschaft und Gotteskindschaft unwürdig gewesen sein, befleckte seine Seele und der Seele gottgeweihte Sinne. Da kommt nun der Priester, bezeichnet die armen Menschenglieder mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, salbt sie mit der Kirche heiligem Öl. "Durch diese heilige Salbung und sein gütiges Erbarmen verzeihe dir der Herr, was du gefehlt", spricht er bei jeder der heiligen Salbungen und tilgt damit jedes Sündenüberbleibsel; wenn der Kranke nicht mehr beichten kann, sogar die schweren Sünden.
Symbol und Priesterwort haben das Sakrament formiert. Wiederum fließt Erbamen, Gnade, Gottesleben in die scheidende Seele. Rein mag sie nun hinübergehen, licht und edel, zum Lichtgestade der Ewigkeit. Rein ist ihr Leib, rein ihre Sinne, geheiligt vor der großen Fahrt durch das machtvolle Sakrament der Todesweihe, die heilige Ölung.
(Fortsetzung: Die heilige Priesterweihe, Ruf zum Mittleramt)
Samstag, April 01, 2006
Die Kirche - ihr Wesen
Im Jahre 1933 ist beim Fr. Bohnenberger-Verlag in Zürich das Werk "CHRISTI REICH AUF ERDEN - Ein Gang durch die katholische Kirche der Gegenwart - Zum Heiligen Jahre 1933" , ein Folio-Band von 562 Seiten, erschienen, und zwar "unter Mitwirkung Hoher Kirchenfürsten und Prälaten, von Ordens- und Weltgeistlichen, Professoren und anderen Gelehrten, herausgegeben von Dr. Karl Heinrich Schäfer, Archivrat und Mitglied des Reichsarchivs, mit 2 Vierfarbenbildern, 24 Kupfertiefdrucktafeln und über 400 Textbildern", wofür "Seine Heiligkeit Papst Pius XI. in besonderer Audienz dem Herausgeber und den Mitarbeitern seinen Segen erteilt" hat.
Aus diesem Werk bringen wir in mehreren Folgen die uns für unsere Zeit wichtig und beteutend erscheinenden Abschnitte. Wir beginnen hier mit dem Beitrag von Pater Maurus Münch O.S.B., St. Matthias in Trier: "Die Kirche, ihr Wesen, ihre Sakramente, ihr Gotteslob".
Es war eine große Stunde an jenem denkwürdigen Morgen des ersten Karfreitages, als sich im Prätorium zu Jerusalem Christus und Pilatus gegenüberstanden.
"Mein Reich ist nicht von dieser Welt" (Joh. 18, 36), Offenbarung des Gottesreiches vor dem Repäsentanten Roms!
Ob Pilatus sich wohl der Größe jener Stunde bewußt war? Nur ein Ahnen dämmerte auf in der Seele des skeptischen Römers. Des Christuswortes Tiefe jedoch blieb vor ihm verborgen.
Das war ja auch etwas ganz Neues: Ein Reich, nicht von dieser Welt!
Unbegreiflich für den Heiden und Römer. Uns aber im Lichte des Glaubens Wahrhheit, Mysterium, voll Gnade und Leben!
Und das ist ja der katholischen Kirche tiefstes Wesen, daß sie Mysterium ist. Mehr als ein bloßes Reich! Mehr denn Macht und Organisation. Etwas Göttliches ist sie; göttliches Leben; geheimnisvolles Sein; "Corpus christi mysticum", Christi geheimnisvoller Leib.
So lehrt uns ja St. Paulus: "Brüder, die Kirche ist Christi Leib, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt" (Eph. 1, 23).
Organische Wesensverbindung ist es also, was Christus und die Kirche eint.
Als göttliches Leben - Christi mystischer Leib - Fortsetzung seines Erdenwallens muß Christi Reich gewertet sein, soll seine Tiefe sich dem Auge unsres Geistes ganz erschließen.
Ja, Mysterium ist die Kirche - göttliches Leben selbst, das erdgebundene Sterbliche durchflutet.
Und das müssen wir uns stets vor Augen halten, wenn wir der Kirche heiliges Tun und Beten recht verstehen wollen.
Weil die Kirche Mysterium ist, stellt auch ihr Gottesdienst mehr dar als bloße Zeichen, Erbauung, Gefühl, Ästethik und subjektives Erleben.
Weil die Kirche Mysterium ist, trägt ihr Gottesdienst in sich göttliche Wirklichkeit, Ewigkeit, Verklärung.
Weil die Kirche Mysterium ist, sind all ihre Gebete und Formen für uns heilige Symbole, d. h. wirklichkeitsgeladene Zeichen, die in sich bergen Gnade und göttliches Leben.
Freitag, März 31, 2006
Wer ist ein Christ? Wer nicht? - Zum Vierten
Da Christus also, wie hinreichend nachgewiesen, identisch mit GOTT ist, eines Wesens mit der höchsten unerschaffenen und allschöpferischen Ewigen Wesenheit, ist jeder Mensch ein (mindestens anonymer) Christ, der den Willen GOTTES (wenigstens implizit) (nach Maßgabe seines Erkennens und seiner Willenskraft) erfüllt oder (grundsätzlich) zu erfüllen trachtet. Um Christ zu sein, ist also weder das konkrete Wissen um Christus, noch das explizite Bekenntnis zu Ihm, noch die materielle Taufe etc. unabdingbare Voraussetzung. Das alles gab es einmal nicht. In den Zeiten vor Christus. Im Alten Bund. Und doch waren - schon vor Christi Geburt - ALLE "Gerechten" jener frühen Epochen eigentlich auch CHRISTEN, d.h. in Christus (Vor-)Erlöste, nämlich Menschen, die an den GOTT glaubten, der dann "in der Fülle der Zeit" in Jesus Christus Mensch und damit sichtbarer, "greifbarer" Retter, Erlöser geworden ist, an den Gott, der schon damals Seinen Willen, Seine Gesetze (durch die Propheten) den Menschen zur Erfüllung und damit zu ihrem Heil auftrug, und schon damals ALLES auf CHRISTUS hin schuf und ordnete. Adam und Eva, Noah, Abraham, Moses, Esther und Judith, Anna und Joachim, etc. sie alle waren und sind also Erlöste, Gerettete, Heilige und darum auch CHRISTEN! Sie ohnehin. Aber nicht nur sie, sondern auch ALLE HEIDEN, die ohne eigene Schuld nichts (oder nicht Hinreichendes) von der wahren Gottesoffenbarung, nichts (oder nicht genügend Überzeugendes) von Jesus Christus als dem Gott-Menschen und Erlöser, nichts (oder nur Bruchstückhaftes) von seinem Evangelium (oder schon von seinem Protoevangelium), nichts (oder mehr Negatives) von seiner Kirche erfahren haben und erfahren, und die nach bestem Wissen und Gewissen ihr Leben an ihrem entsprechend dunklen, wenigstens aber aufrichtigen Glauben ausrichten. Alle, die "in unüberwindlicher Unwissenheit" hinsichtlich der göttlichen (Voll-)Wahrheit "in Finsternis und Todesschatten" sitzen, die unschuldigerweise falschen Philosophien und Religionen und Weltanschauungen anhangen und so ihr kümmerliches, aber ehrliches, "gutartiges", "gerechtes" Seelenleben fristen.
Christ ist also nicht nur, wer sich bewußt zu Christus bekennt und seine Lehre annimmt und erfüllt, sondern auch, wer sich unbewußt, eben implizit, d.h. einschlußweise, zu all dem bekennt und all das annimmt, und all das erfüllt, was GOTT direkt und indirekt in jedes Menschen Herz "verkündet". So ist denn tatsächlich JEDER Mensch, sind ALLE Menschen ohne Ausnahme erlöst oder vorerlöst.
Es gibt also eine wahre "Allerlösungslehre". Aber sie darf nicht mißverstanden und mißdeutet werden.
Wären wir alle unschuldig wie Kinder, wie (noch) unwissende und unvermögende Kleinkinder, dann bräuchten wir um unser ewiges Seelenheil keine Bedenken zu haben. Wir kämen alle in den Himmel. Und effektiv: ALLE Menschen, ALLE, auch die Ungetauften, also auch alle Heidenkinder, die gezeugt und empfangen werden, die nicht geboren oder geboren werden, die sterben oder getötet werden, ohne zum Vernunftsalter (und damit zur Fähigkeit des Sündigens, zur Auflehnung wider Gott) gelangt zu sein, sie ALLE sind notwendigerweise in Christus Erlöste und wie die Unschuldigen Kindlein von Bethlehem in Christus Geheiligte und Heilige. Und sie genießen ALLE die ewige Glückseligkeit. Um ihr Heil müssen wir also nicht fürchten. Das Kapitalverbrechen der Abtreibung (z.B.) ist nicht deshalb so entsetzlich und verabscheuungswürdig, weil die Dahingeschlachteten ewig verlorengingen, sondern weil sich die sie Abschlachtenden mit höchster Wahrscheinlichkeit zur Hölle verdammen. Und wohlverstanden: die Unschuldigen Kindlein von Bethlehem sind nicht deshalb Selige, weil sie etwa Judenkinder (also Kinder des "auserwählten Volkes") waren, und auch nicht, weil sie wegen Christus (um Christi willen) getötet wurden. Sie wären es auch, wenn sie völlig ohne Zusammenhang mit Jesus Christus irgendwo auf dieser Welt von einem Rohling oder einer ganzen Horde von Schlächtern gemordet oder von Krankheit oder Naturkatastrophen oder Unfällen aus dem Leben gerissen worden wären. Sie sind ganz einfach Selige, weil sie unschuldige Kindlein waren und als beseelte Geschöpfe Gottes in Christus Erlöste sind, solange sie sich nicht bewußt gegen Gott richten!
Noch einmal mit anderen Worten und ganz kurz gesagt: Gotteskind und damit in Christus Erlöster und damit Christ ist JEDER ins Dasein gerufene MENSCH, der nicht wissentlich und willentlich gegen seine Natur, gegen sein Gewissen, gegen Gott und damit gegen Christus steht.
Daraus folgt, daß ALLE jene keine Christen sind, die sich wider bessere Erkenntnis, d.h. schuldhaft, d.h. sündhaft gegen Christi Lehre und damit gegen GOTTES GESETZ oder gegen Gottes Gesetz und damit gegen CHRISTI LEHRE auflehnen. Und so wie ein Mensch, der ganz einfach die in allem grundgelegten Gesetze Gottes erfüllt, ein Christ ist, auch wenn er nicht getauft ist und vom christlichen Glaubensbekenntnis überhaupt nichts, oder nichts Ausdrückliches, oder nur Unzureichendes weiß, so ist kein Christ derjenige Mensch, der in irgendeiner Form wesentlich wider diese Gesetze handelt, auch wenn er getauft ist, auch wenn er ein höchster Kirchenfürst ist. Kein Christ ist, wer "aus seinem Herzen eine Mördergrube macht", wer also die Gnade(n) Gottes verschmäht, mit Füßen tritt, wer das Licht, das in ihn einfließt, mutwillig auslöscht, wer die Flamme erstickt, wer die Finsternis mehr liebt als das Licht. Kein Christ ist, wer, wenn er über Gott, über Christus Wahres erfährt, dieses Wahre dauernd, hartnäckig abweist, wer sich auf jeden spürbaren Gnaden-Anruf hin verschließt, wer im Seelischen fortgesetzt wider seine Natur handelt.
Und noch einmal anders ausgedrückt: Christ ist, wer nach dem Maße seiner Einsicht und seiner Fähigkeiten und seiner Mittel und seines Handlungsspielraums sich als Geschöpf und Kind GOTTES fühlt und benimmt und deshalb alles Gute anstrebt und alles Böse meidet und flieht und bekämpft.
(P.O.S.)
Dienstag, März 28, 2006
Wer ist ein Christ? Wer nicht? - Zum Dritten
Das letzte, das entscheidende Verständnis Seiner Person kann uns nur Jesus Selbst aufschließen. Es hat nie Menschenworte gegeben, die es an Würde und Machtgefühl aufnehmen könnten mit den Worten und Gesten, in denen das göttliche Selbstbewußtsein Jesu aufblitzte. Nie hat ein Mensch mit solchem Bewußtsein vor der Welt gestanden. Keine natürlichen Entwicklungen können einen Menschen auf jene Höhe führen, auf der Jesus steht. Die Natur baut keine Jakobsleiter zu dem Thron hin, auf dem der Messias thront. Man versuche es einmal und streiche alle Worte aus Christi Mund, aus denen ein Schimmer übermenschlicher Größe und Macht leuchtet, alle Aussprüche, welche von Seiner eigenen Erhabenheit und Gottheit handeln, alle Taten, die als Wunder und Erfüllung der Weissagungen bezeichnet werden: was bleibt dann von Seinen Worten überhaupt noch übrig? Und so bestimmt, so selbstverständlich, so natürlich, wie Er von Gott als Seinem Vater sprach, konnte nur der reden, der Gott in dem Lichte Seiner eigenen Seele schaute, der nicht uns andern gleich nur durch äußere Vermittlung zu einem tieferen Gottesbewußtsein eingeführt wurde. Es gibt nichts Hohes und Heiliges im Alten Bund, nicht einmal seinen Tempel, nicht einmal seinen Sabbat, ja nicht einmal sein Gesetz, was nicht Seinem Willen und Seiner Vollmacht unterstünde. In dem einen kleinen Wort vom Menschensohn, in dem Schlichtesten, was Er von Sich aussagen konnte, in dem Namen "Mensch" verbargen Sich Ihm die ungeheuersten Spannungen Seines Selbstbewußtseins. Bis zum Himmel weiß Sich Jesus erhöht, und in den Staub der Erde sieht Er Sich hinabgestoßen. Er ist gekommen zu herrschen. Er ist gekommen zu dienen, zu sterben. König des Himmels ist Er und Mensch, ja Sklave der Menschen zugleich. Wer hier erschrickt, wer nicht mehr weiter kann und an dem Paradox zusammenbricht: Gott, der Allvollkommene, Allheilige, der Unendliche ist ein Mensch, ein Jude, ein Zimmermann, ein Verurteilter, ein Gekreuzigter: solch ein Schiffbrüchiger mag doch wohl noch gläubiger und frömmer sein als einer, der all das gelassen zur Kenntnis nimmt und teilnahmslos sein Credo spricht, oder gar als einer, der sich erfrecht, Jesu Selbstaussagen als unschuldige Floskeln, als harmlose Übersteigerungen eines exzentrisch frommen Gemüts auszugeben und vor der edlen Menschlichkeit Jesu seine Verbeugung zu machen.
Jesus starb, Jesus mußte sterben, weil die Menschen zu klein und zu eng, zu stumpf und zu niedrig waren, um Sein Hohes, Himmlisches zu erfassen. "Entweder ist Jesus Christus wirklich wahrer Gott oder die christliche Religion ist in ihrem innersten Kerne gotteslästerlicher Trug, und ihr Stifter selbst war ein Bösewicht oder Wahnwitziger; das ist aber für alle, die denken können und wollen, ein vollgültiger Beweis sowohl für die Gottheit Christi als auch für die Wahrheit und Göttlichkeit des Christentums." (Kleutgen, Theol. d. Vorzeit 3,17)
