Es wird sehr viel diskutiert über die Existenz eines kanonischen Rechts, das heißt eines Systems von Gesetzen in der Kirche. Man geht dabei so weit, daß man jedes Bemühen der Kirche um Regelung irgendeiner Sache tadelnd und ironisch als "Juridismus", als Verrechtlichung anprangert und vom kirchlichen Leben ausschließen möchte, gleich als ob fehlerhafte Maßnahmen kirchlicher Gesetzgebung die Verwerfung und Abschaffung solcher Tätigkeit rechtfertigen würden, wobei man sich zwar noch auf bestimmte Stellen der Schrift beruft (vgl. Gal 2,16.18; Röm 4,15), diese aber ungenau auslegt. Man bedenkt nicht, daß "eine Gemeinschaft ohne Gesetz hier auf Erden nach wie vor nur eine Gemeinschaft nach Willkür wäre, ganz abgesehen davon, daß sie keine Gemeinschaft der Liebe wäre oder jemals eine solche sein könnte" (L. Bouyer, L'Eglise de Dieu, S. 596). Heute ist man zwar wohl wie noch nie dem Kirchenrecht gegenüber ziemlich reserviert, und zwar aufgrund einer fehlerhaften Auslegung des letzten Konzils, als ob dieses die rechtlichen und hierarchischen Bande in der Kirche ihrem Wesen nach gelockert hätte. Aber andererseits übersieht man die fortschreitende Tendenz, für alle Ebenen in der Kirche mit Berufung auf ein dringendes Bedürfnis die unterschiedlichsten Neuerungen, die einander bisweilen sogar widersprechen, auch rechtlich festzulegen. Ohne Zweifel steht hinter diesem Vorgehen auch die Absicht nach gesunden Reformen und wünschenswerter Anpassung. Dann stimmt die Kirche heute nicht nur zu, sondern fördert sogar solche Bestrebungen. Doch besteht auch Anlaß zu Besorgnis, da diese rechtlichen Neuerungen mit der Lehre und mit der gültigen Norm in der Lehre der Kirche unvereinbar sein können. Diese Bedenken wiegen um so schwerer, als die Tendenz, die kirchliche Praxis nach neuen, fraglichen Grundsätzen zu verändern, leicht vom rechtlichen in den moralischen Bereich hinübergreift und ihn mit gefährlichen Gärstoffen übeschwemmt und so untergräbt. Zuerst wird dann der klare Begriff des Naturrechts angegriffen, danach die Autorität des positiven Gesetztes, und zwar sowohl im kirchlichen wie im staatlichen Bereich, denn beides steht der Autonomie des Einzelnen oder der Gemeinschaft entgegen. Auf diese Weise nimmt man dem Gewissen eine klare Erkenntnis und sittliche Annahme der objektiven moralischen Verpflichtung. So wird man, wie man sagt, frei und unabhängig. Ja, aber o weh! Zurück bleibt ein blinder Mensch, ohne Kriterium für sein menschliches Handeln. Er läßt sich dann einfach im Strom treiben und ist den Zufälligkeiten der einzelnen Situationen oder der instinktiven psychosomatischen Antriebe ausgesetzt, ohne jede echte Ordnung und ohne personale Selbstbeherrschung. Und das wird noch gerechtfertigt mit dem falschen Ideal einer Befreiung und mit dem sophistischen Hinweis auf die sich immer weiter ausbreitende sogenannte permissive Moral. Was bleibt dann noch vom Gespür für das Gute und das Böse? Was bleibt von der Würde und Größe des Menschen? Wie wahr ist es doch, daß der Mensch ohne Gesetz nicht mehr Mensch ist! Und nur zu wahr ist es, daß das Gesetz ohne eine Autorität, die es lehrt, interpretitiert und auferlegt, sich leicht verdunkelt, lästig wird und dann verschwindet! Wie muß sich doch unsere christliche Freiheit von jener unterscheiden, die der Apostel Petrus angriff: "Ihr seid wohl frei, aber ihr habt die Freiheit nicht, um sie als Deckmantel für die Bosheit zu gebrauchen, sondern handelt als Diener Gottes" (1 Petr 2,16)! Auch nützt es nichts, gegen die Notwendigkeit eines Gesetzes an die Freiheit des Geistes zu appellieren oder an die "Freiheit (vom jüdischen Gesetz), zu der uns Christus befreit hat" (Gal 5,1). denn er selbst, Christus, hat uns doch gesagt: "Meinet nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen" (Mt 5,17). Diese Erfüllung nimmt alles wieder auf und überhöht es im Gebot der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten (Mt 22,37-40). Sie wird zum neuen Gebot, zum Vermächtnis Christi: "Liebet einander, wie ich euch geliebt habe" (Jo 13,34).
Papst Paul VI., 28. Januar 1972.
Aus: "Das Zeichen Mariens", 5. Jahrgang, Nr. 11, März 1972, S. 1540.
Samstag, Januar 13, 2007
Freitag, Dezember 15, 2006
Wer ist katholisch - Wer nicht? - Zum Zweiten
Christus hat Seine Kirche auf (den Apostel) Petrus als sichtbare, lebendige Person gegründet und nicht auf ein (sein) Bekenntnis: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will Ich Meine Kirche gründen (bzw. aufbauen), und Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben." (Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regis coelorum.) (Jo 1,42) Simon Bar Jonas = Simon, Sohn des Jonas, Bruder des Andreas, Fischer aus Bethsaida, wurde von Jesus "Petrus", bzw. "Kephas", d.h. "Stein", "Felsen" genannt, weil er ihn zum Grundstein, zum Fundament der Kirche setzte, weil Er ihn als menschliche Person zu Seinem Stellvertreter berief in der Hirtenaufgabe über Seine Schafe, zum Hohenpriester mit umfassender Binde- und Lösegewalt, mit Voll-Macht: "ALLES, was du auf Erden binden/lösen wirst, wird auch im Himmel gebunden/gelöst sein"! (Mt 16,18f.) "Stärke deine Brüder!" (Lk 22,32) "Weide Meine Lämmer... Meine Schafe!" (Jo 21,15 f.) Und ihm wurde damit der Leitungs- oder Regierungsvorrang (der Primat) über die ganze Kirche Gottes von Christus dem Herrn unmittelbar und direkt verheißen und übertragen. Unter den Zwölfen wurde also Einer erwählt, damit alle ein Haupt haben und so aller Anlaß zur Spaltung behoben sei.
R.H. Benson schrieb in seinen "Bekenntnisse eines Konvertiten": "Der Anspruch Petri bedarf keines Schürfens (in der Heiligen Schrift); wie ein funkelnder Diamant liegt er vor uns, sobald wir uns einmal den Staub antikatholischer Voreingenommenheit aus den Augen gerieben haben... Ich fand im ganzen 29 Stellen in der Heiligen Schrift, später noch einige mehr, aus denen der Vorrang Petri jedenfalls hervorging, und ich entdeckte nicht eine, die dem Auftrag entgegengestanden hätte oder mit ihm unvereinbar gewesen wäre."
R.H. Benson schrieb in seinen "Bekenntnisse eines Konvertiten": "Der Anspruch Petri bedarf keines Schürfens (in der Heiligen Schrift); wie ein funkelnder Diamant liegt er vor uns, sobald wir uns einmal den Staub antikatholischer Voreingenommenheit aus den Augen gerieben haben... Ich fand im ganzen 29 Stellen in der Heiligen Schrift, später noch einige mehr, aus denen der Vorrang Petri jedenfalls hervorging, und ich entdeckte nicht eine, die dem Auftrag entgegengestanden hätte oder mit ihm unvereinbar gewesen wäre."
Die Peterskirche in ihrem abgebrochenen Zustand
"Als ich die Peterskirche in ihrem abgebrochenen Zustande sah und wie so viele Geistliche auch an dem Werk der Zerstörung arbeiteten, ohne daß es einer vor dem andern öffentlich wollte getan haben, da empfand ich solche Betrübnis darüber, daß ich heftig zu Jesus schrie, Er solle sich erbarmen. Und ich sah meinen himmlischen Bräutigam vor mir, wie einen Jüngling, und Er sprach lange mit mir. Er sagte auch, dieses Wegtragen der Kirche bedeute, daß sie scheinbar ganz sinken werde; daß sie aber auf diesen Trägern (den 12 neuen Aposteln) ruhe und aus ihnen wieder hervorgehen werde; wenn auch nur ein katholischer Christ noch übrig sei, könne die Kirche wieder siegen."
Anna Katharina Emmerich, Pater C.E. Schmöger, C.ss.R., 1870, Band III, Seite 511
PS: Interessant ist, und es paßt sehr gut, gerade heute, am Todestag, bzw. Tag ihres Eingangs in den Himmel (15.12.1904) der hochbegnadeten Mélanie Calvat darauf hinzuweisen, daß auch in den Aufzeichnungen der Seherin von La Salette bezüglich der Regel für Töchter und Söhne des von der Heiligsten Jungfrau für die Zukunft verheißenen neuen "Ordens der Mutter Gottes" die Rede von "neuen Aposteln" ist!
Anna Katharina Emmerich, Pater C.E. Schmöger, C.ss.R., 1870, Band III, Seite 511
PS: Interessant ist, und es paßt sehr gut, gerade heute, am Todestag, bzw. Tag ihres Eingangs in den Himmel (15.12.1904) der hochbegnadeten Mélanie Calvat darauf hinzuweisen, daß auch in den Aufzeichnungen der Seherin von La Salette bezüglich der Regel für Töchter und Söhne des von der Heiligsten Jungfrau für die Zukunft verheißenen neuen "Ordens der Mutter Gottes" die Rede von "neuen Aposteln" ist!
Montag, Dezember 04, 2006
Wer ist katholisch? Wer nicht? - Zum Ersten
KATHOLISCH ist, wer JESUS CHRISTUS als Mensch und GOTT bekennt, Ihn als (einzigen, alleinigen) Retter und Erlöser annimmt und ALLE Seine Gebote und Lehren ohne Einschränkungen (nach Maßgabe seiner Fähigkeiten) hält. Seine Gebote und Lehren sind in der Heiligen Schrift festgehalten oder dort grundgelegt. Aber die Bibel enthält nicht das ganze (explizite) WORT Gottes.
Joh 16,12-15: "Noch VIELES habe Ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht (er)tragen. Wenn aber Jener kommt, DER GEIST DER WAHRHEIT (der Heilige Geist), wird Er EUCH in die GANZE Wahrheit führen. Denn Er wird nicht aus Sich selbst heraus reden, sondern Er wird sagen, was Er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird Mich verherrlichen; denn Er wird von dem, was Mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist Mein; darum habe Ich gesagt: Er nimmt von dem, was Mein ist und wird es euch verkünden."
Wer also die GANZE Wahrheit, bzw. ALLE Wahrheit aus den Heiligen Schriften ALLEIN erkennen wollte, wäre nicht katholisch. Mt 28, 19-20: "Darum gehet hin und LEHRET alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und LEHRET sie halten alles, was Ich euch geboten habe. Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt".
Wer nun nicht auf diejenigen hört, die Christus zu Seinen Lehrern und Gesandten gemacht hat, der kann sich nicht katholisch nennen. Der Heilige Geist, also die dritte Person in der Heiligsten Dreifaltigkeit, der also "von dem nimmt, was Christi ist", was nach Seiner Auferstehung und Himmelfahrt Seine Erwählten erst noch "in die GANZE Wahrheit einführt", vollendet folglich das Werk des HERRN im Laufe der Heilszeit(en), in der Zeit nach Christi Wandel auf Erden, in der Zeit, "die kommen wird". Die Kirche Christi wird mithin "bis ans Ende der Welt" "in die GANZE (explizite) Wahrheit geführt". Wer deshalb die vom Heiligen Geist zu Aposteln und Hirten Bestimmten und Eingesetzten ablehnt, kann sich nicht katholisch nennen.
Joh 16,12-15: "Noch VIELES habe Ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht (er)tragen. Wenn aber Jener kommt, DER GEIST DER WAHRHEIT (der Heilige Geist), wird Er EUCH in die GANZE Wahrheit führen. Denn Er wird nicht aus Sich selbst heraus reden, sondern Er wird sagen, was Er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird Mich verherrlichen; denn Er wird von dem, was Mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist Mein; darum habe Ich gesagt: Er nimmt von dem, was Mein ist und wird es euch verkünden."
Wer also die GANZE Wahrheit, bzw. ALLE Wahrheit aus den Heiligen Schriften ALLEIN erkennen wollte, wäre nicht katholisch. Mt 28, 19-20: "Darum gehet hin und LEHRET alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und LEHRET sie halten alles, was Ich euch geboten habe. Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt".
Wer nun nicht auf diejenigen hört, die Christus zu Seinen Lehrern und Gesandten gemacht hat, der kann sich nicht katholisch nennen. Der Heilige Geist, also die dritte Person in der Heiligsten Dreifaltigkeit, der also "von dem nimmt, was Christi ist", was nach Seiner Auferstehung und Himmelfahrt Seine Erwählten erst noch "in die GANZE Wahrheit einführt", vollendet folglich das Werk des HERRN im Laufe der Heilszeit(en), in der Zeit nach Christi Wandel auf Erden, in der Zeit, "die kommen wird". Die Kirche Christi wird mithin "bis ans Ende der Welt" "in die GANZE (explizite) Wahrheit geführt". Wer deshalb die vom Heiligen Geist zu Aposteln und Hirten Bestimmten und Eingesetzten ablehnt, kann sich nicht katholisch nennen.
Samstag, November 04, 2006
Gehorsam in der Kirche
Wer an einen lebendigen Gott als Schöpfer und Herrn des Lebens glaubt und mit ihm in Einklang sein will, kann sich nicht gegen seinen Willen stellen und darf seinen Absichten nicht entgegenwirken oder gleichgültig gegenüberstehen.
Es ist das Gott zugeschriebene Wesen, daß er aus sich selbst ist, unabhängig, allmächtig, "totalitär", wie man heute zu sagen beliebt. Wer nicht mit ihm ist, ist gegen ihn.
Von daher leitet die Theologie alles Recht ab und alle Teilhabe daran. Wie die Kirche hierarchisch aufgebaut ist, so scheint es die ganze Schöpfungsordnung zu sein.
Ein solches "System" erfordert als tragendes Prinzip den Gehorsam. Ohne Norm und Gehorsam (sei es auch erzwungenem) ist das Zusammenleben der Menschen nicht denkbar. So ist es erst recht in der Kirche, daher wird von den Gläubigen williger Gehorsam geleistet, der auf Gott als der höchsten Autorität hingeordnet ist. Ungehorsam gegen Gottes Willen und Hinderung seiner Absichten bedeuten Trennung von Gott.
Was ist nun Gottes Wille, welche sind seine Absichten mit uns Menschen? Aus dem Dekalog, aus den Vaterunserbitten und aus dem Liebesgebot läßt sich leicht erkennen: Gott will von uns erkannt und geliebt sein. Mit der Offenbarung seiner Gebote erhielten wir unabänderliche Richtlinien für unsere Beziehungen zu ihm und zu den Mitmenschen.
Aus dem Heilsplan Gottes erkennen wir seine Absichten mit uns Menschen. Das ewige Wort ist Fleisch geworden zu unserem Heil, für die Rettung unserer Seelen. Welch unerhörter Preis für unsere Seligkeit! Ganz klar ergibt sich: Gott setzt alles daran, unsere Seelen zu retten.
Es geht also um die Verherrlichung Gottes und um die Rettung der Seelen. Dies ist der einfachste Nenner, das A und das 0, Gottes Wille und Plan. Alles was dem entgegensteht, muß von Gott wegführen.
Alle großen Dinge sind einfach. Einfach ist es sogar für den Geringsten unter uns, zu erkennen, was die Ehre Gottes mehrt und dem Heil der Seelen dient, oder was diesem abträglich ist. Das Gewissen sagt es uns.
Wir haben gehört, das Gewissen sei die Stimme Gottes und wir würden einst danach gerichtet werden, wie wir unserem Gewissen gefolgt seien. Die Kirche hat das Gewissen allezeit höher gewertet als den Gehorsam, wobei sogar festgehalten wurde: nicht das Austreten aus der Kirche, sondern das Verbleiben in ihr wäre Sünde, sobald jemand im Gewissen zur Überzeugung käme, dies sei nicht die wahre Kirche Christi. Auch die Regel des hl. Franziskus stellt das Gewissen über den Gehorsam.
Verherrlichung Gottes und Rettung der Seelen haben wir als Gottes Wille und Plan erkannt. Kann nun etwas von Gott (oder seiner wahren Kirche) sein, was die Verherrlichung Gottes mindert oder dem Seelenheil abträglich ist? Undenkbar! Solches kann nur vom Menschen mit seiner Fleischeslust und Hoffart oder vom Widersacher kommen.
Wenn wir uns auch nicht in allen theologischen Dingen ein rechtes Urteil zutrauen dürfen und daher Zurückhaltung üben wollen, so können wir uns doch den einfachen Entscheidungen, die jeder Verstand treffen kann und treffen muß, nicht entziehen, wo es für oder gegen Gott und sein Gebot, für oder gegen Gottes Willen und Plan geht. Solche Entscheidungen müssen getroffen werden. Das Abschieben der Qual dieser Entscheidung und womöglich der Verantwortung auf andere, auf zuständige Amtsträger, auf Vorgesetzte und Obere, die Ausrede mit dem Gehorsam, sie retten nicht. "Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube." Harte Worte des Evangeliums. Wir werden also zusehen müssen, daß wir nicht "im Gehorsam" einem Blinden folgen und dann mit ihm in die Grube stürzen.
Oder ist etwa die kirchliche Obrigkeit unfehlbar und kann uns keine falschen Wege führen? Darauf scheinen sich nicht wenige zu verlassen und zu glauben, so könnte man sich die heute notwendig gewordene selbstverantwortliche Prüfung und Entscheidung ersparen. Gewiß ist die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen zum Dogma erhoben worden und wir wollen daran nicht zweifeln. Alles andere aber ist menschlicher Irrtumsfähigkeit unterworfen. Die Kirchengeschichte belehrt uns darüber in geradezu schauerlicher Weise. Gottes Mühlen mahlen langsam. So auch wenn er seine Kirche korrigiert. Ein Papst wurde nach seinem Tode als Irrlehrer erklärt und exkommuniziert. Ein anderer hielt es mit den Arianern, welche nicht mehr an die Gottheit Christi glaubten. Ein treu gebliebener Bischof, der hl. Athanasius, Kirchenlehrer, wurde verbannt und seine Getreuen wurden aus den Kirchen ausgesperrt. Man denke an den Fall Galilei, an die Hexenverbrennungen und Folterungen usw. Konnten die Prälaten damals irren, warum sollten sie dann nicht auch heute irren können?!
Müssen wir uns nun auch den Irrtümern im Gehorsam fügen? Prof. G. May, Ordinarius für Kirchenrecht, schreibt: "Die Aurorität hat das göttliche und menschliche Recht ... zu beachten. Verletzt sie eines von beiden, so besteht grundsätzlich keine Pflicht, ihr zu gehorchen." Thomas von Aquin: "Mitunter aber sind die Befehle der Vorgesetzten gegen Gott. Darum darf man den Vorgesetzten nicht in allem gehorchen." Der hl. Robert Bellarmin: Wie jemand dem Papst Widerstand leisten darf, wenn er einen leiblich angreift, so auch wenn er die Seelen angreift oder den Staat in Verwirrung bringt, und noch mehr, wenn er die Kirche zu zerstören sucht. Ich sage, man darf ihm Widerstand leisten, indem man seine Befehle nicht vollzieht und indem man ihn an der Durchführung seines Willens hindert." Der hl. Antonius von Florenz: "Wenn jemand dem Gebot des Oberen aus einem gerechten Grund nicht nachkommt, so kann man von ihm nicht behaupten, er lehne sich auf."
Wir können gegen eine irrige Weisung eines Oberen Vorstellungen erheben, müssen ihr aber bei ihrer Aufrechterhaltung Gehorsam leisten, wenn sie nicht gegen göttliches oder menschliches Recht verstößt. Hier können wir wieder jene einfache Unterscheidung anwenden, in der unser Gewissen nicht versagen kann. Ist das, was die Kirchenoberen von uns verlangen oder erwarten, zur größeren Ehre Gottes und zum vermehrten Heil der Seelen oder mindert es diese? Dient es dazu, die Welt zu überwinden wie Jesus sie überwand, oder zielt es auf die Gewinnung der Welt ("Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens") ab? Es ist selbstverständlich, daß wir eine Minderung der Ehre Gottes und eine Vernachlässigung des Seelenheils "im Gehorsam" nicht mitmachen können. Diese Prüfung dürfen wir - besonders heute - nicht unterlassen, und es muß eine genaue und strenge Prüfung sein, gerade so streng und genau wie einstens Gottes Gericht mit uns sein wird. Wir werden erkennen, was wir zu tun und zu lassen haben, und wo der verlangte Gehorsam aufhören muß, weil er sonst zur Untat würde, zur Auflehnung gegen Gott.
Ein kirchliches Amt schützt weder vor Irrtum noch vor menschlichen Schwächen. Auch eine Mehrheit bürgt nicht für den richtigen Weg und die Wahrheit. Ganz England wurde im 16. Jahrhundert geschlossen in Häresie und Schisma geführt. Desgleichen die nordischen Länder in den Protestantismus. Das war ein Werk der Hirten. Heute, da Irrlehren wie ein Pilzgeflecht den Leib der Kirche durchziehen und die Medien jede Manipulation ermöglichen, ist die Gefahr des falschen Weges, den man unbemerkt geführt wird, größer denn je. Modernisten und Liberalisten haben die Macht in die Hand bekommen, und die Kirche ist nicht mehr die, die sie war. Die früheren Todfeinde der Kirche bestätigen uns, daß eine Revolution in der Kirche stattgefunden habe, eine "kopernikanische" (d.i. weltbildverändernde) Revolution.
Es ist das Gott zugeschriebene Wesen, daß er aus sich selbst ist, unabhängig, allmächtig, "totalitär", wie man heute zu sagen beliebt. Wer nicht mit ihm ist, ist gegen ihn.
Von daher leitet die Theologie alles Recht ab und alle Teilhabe daran. Wie die Kirche hierarchisch aufgebaut ist, so scheint es die ganze Schöpfungsordnung zu sein.
Ein solches "System" erfordert als tragendes Prinzip den Gehorsam. Ohne Norm und Gehorsam (sei es auch erzwungenem) ist das Zusammenleben der Menschen nicht denkbar. So ist es erst recht in der Kirche, daher wird von den Gläubigen williger Gehorsam geleistet, der auf Gott als der höchsten Autorität hingeordnet ist. Ungehorsam gegen Gottes Willen und Hinderung seiner Absichten bedeuten Trennung von Gott.
Was ist nun Gottes Wille, welche sind seine Absichten mit uns Menschen? Aus dem Dekalog, aus den Vaterunserbitten und aus dem Liebesgebot läßt sich leicht erkennen: Gott will von uns erkannt und geliebt sein. Mit der Offenbarung seiner Gebote erhielten wir unabänderliche Richtlinien für unsere Beziehungen zu ihm und zu den Mitmenschen.
Aus dem Heilsplan Gottes erkennen wir seine Absichten mit uns Menschen. Das ewige Wort ist Fleisch geworden zu unserem Heil, für die Rettung unserer Seelen. Welch unerhörter Preis für unsere Seligkeit! Ganz klar ergibt sich: Gott setzt alles daran, unsere Seelen zu retten.
Es geht also um die Verherrlichung Gottes und um die Rettung der Seelen. Dies ist der einfachste Nenner, das A und das 0, Gottes Wille und Plan. Alles was dem entgegensteht, muß von Gott wegführen.
Alle großen Dinge sind einfach. Einfach ist es sogar für den Geringsten unter uns, zu erkennen, was die Ehre Gottes mehrt und dem Heil der Seelen dient, oder was diesem abträglich ist. Das Gewissen sagt es uns.
Wir haben gehört, das Gewissen sei die Stimme Gottes und wir würden einst danach gerichtet werden, wie wir unserem Gewissen gefolgt seien. Die Kirche hat das Gewissen allezeit höher gewertet als den Gehorsam, wobei sogar festgehalten wurde: nicht das Austreten aus der Kirche, sondern das Verbleiben in ihr wäre Sünde, sobald jemand im Gewissen zur Überzeugung käme, dies sei nicht die wahre Kirche Christi. Auch die Regel des hl. Franziskus stellt das Gewissen über den Gehorsam.
Verherrlichung Gottes und Rettung der Seelen haben wir als Gottes Wille und Plan erkannt. Kann nun etwas von Gott (oder seiner wahren Kirche) sein, was die Verherrlichung Gottes mindert oder dem Seelenheil abträglich ist? Undenkbar! Solches kann nur vom Menschen mit seiner Fleischeslust und Hoffart oder vom Widersacher kommen.
Wenn wir uns auch nicht in allen theologischen Dingen ein rechtes Urteil zutrauen dürfen und daher Zurückhaltung üben wollen, so können wir uns doch den einfachen Entscheidungen, die jeder Verstand treffen kann und treffen muß, nicht entziehen, wo es für oder gegen Gott und sein Gebot, für oder gegen Gottes Willen und Plan geht. Solche Entscheidungen müssen getroffen werden. Das Abschieben der Qual dieser Entscheidung und womöglich der Verantwortung auf andere, auf zuständige Amtsträger, auf Vorgesetzte und Obere, die Ausrede mit dem Gehorsam, sie retten nicht. "Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube." Harte Worte des Evangeliums. Wir werden also zusehen müssen, daß wir nicht "im Gehorsam" einem Blinden folgen und dann mit ihm in die Grube stürzen.
Oder ist etwa die kirchliche Obrigkeit unfehlbar und kann uns keine falschen Wege führen? Darauf scheinen sich nicht wenige zu verlassen und zu glauben, so könnte man sich die heute notwendig gewordene selbstverantwortliche Prüfung und Entscheidung ersparen. Gewiß ist die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen zum Dogma erhoben worden und wir wollen daran nicht zweifeln. Alles andere aber ist menschlicher Irrtumsfähigkeit unterworfen. Die Kirchengeschichte belehrt uns darüber in geradezu schauerlicher Weise. Gottes Mühlen mahlen langsam. So auch wenn er seine Kirche korrigiert. Ein Papst wurde nach seinem Tode als Irrlehrer erklärt und exkommuniziert. Ein anderer hielt es mit den Arianern, welche nicht mehr an die Gottheit Christi glaubten. Ein treu gebliebener Bischof, der hl. Athanasius, Kirchenlehrer, wurde verbannt und seine Getreuen wurden aus den Kirchen ausgesperrt. Man denke an den Fall Galilei, an die Hexenverbrennungen und Folterungen usw. Konnten die Prälaten damals irren, warum sollten sie dann nicht auch heute irren können?!
Müssen wir uns nun auch den Irrtümern im Gehorsam fügen? Prof. G. May, Ordinarius für Kirchenrecht, schreibt: "Die Aurorität hat das göttliche und menschliche Recht ... zu beachten. Verletzt sie eines von beiden, so besteht grundsätzlich keine Pflicht, ihr zu gehorchen." Thomas von Aquin: "Mitunter aber sind die Befehle der Vorgesetzten gegen Gott. Darum darf man den Vorgesetzten nicht in allem gehorchen." Der hl. Robert Bellarmin: Wie jemand dem Papst Widerstand leisten darf, wenn er einen leiblich angreift, so auch wenn er die Seelen angreift oder den Staat in Verwirrung bringt, und noch mehr, wenn er die Kirche zu zerstören sucht. Ich sage, man darf ihm Widerstand leisten, indem man seine Befehle nicht vollzieht und indem man ihn an der Durchführung seines Willens hindert." Der hl. Antonius von Florenz: "Wenn jemand dem Gebot des Oberen aus einem gerechten Grund nicht nachkommt, so kann man von ihm nicht behaupten, er lehne sich auf."
Wir können gegen eine irrige Weisung eines Oberen Vorstellungen erheben, müssen ihr aber bei ihrer Aufrechterhaltung Gehorsam leisten, wenn sie nicht gegen göttliches oder menschliches Recht verstößt. Hier können wir wieder jene einfache Unterscheidung anwenden, in der unser Gewissen nicht versagen kann. Ist das, was die Kirchenoberen von uns verlangen oder erwarten, zur größeren Ehre Gottes und zum vermehrten Heil der Seelen oder mindert es diese? Dient es dazu, die Welt zu überwinden wie Jesus sie überwand, oder zielt es auf die Gewinnung der Welt ("Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens") ab? Es ist selbstverständlich, daß wir eine Minderung der Ehre Gottes und eine Vernachlässigung des Seelenheils "im Gehorsam" nicht mitmachen können. Diese Prüfung dürfen wir - besonders heute - nicht unterlassen, und es muß eine genaue und strenge Prüfung sein, gerade so streng und genau wie einstens Gottes Gericht mit uns sein wird. Wir werden erkennen, was wir zu tun und zu lassen haben, und wo der verlangte Gehorsam aufhören muß, weil er sonst zur Untat würde, zur Auflehnung gegen Gott.
Ein kirchliches Amt schützt weder vor Irrtum noch vor menschlichen Schwächen. Auch eine Mehrheit bürgt nicht für den richtigen Weg und die Wahrheit. Ganz England wurde im 16. Jahrhundert geschlossen in Häresie und Schisma geführt. Desgleichen die nordischen Länder in den Protestantismus. Das war ein Werk der Hirten. Heute, da Irrlehren wie ein Pilzgeflecht den Leib der Kirche durchziehen und die Medien jede Manipulation ermöglichen, ist die Gefahr des falschen Weges, den man unbemerkt geführt wird, größer denn je. Modernisten und Liberalisten haben die Macht in die Hand bekommen, und die Kirche ist nicht mehr die, die sie war. Die früheren Todfeinde der Kirche bestätigen uns, daß eine Revolution in der Kirche stattgefunden habe, eine "kopernikanische" (d.i. weltbildverändernde) Revolution.
Bischof Graber in 'Athanasius'
Aus: «DAS ZEICHEN MARIENS», 21./22. Jahrgang, Nr. 10, Februar A.D. 1989, Seiten 7096 und 7107
Mittwoch, November 01, 2006
Die Askese - Der Weg zu Gott
"Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist". (Mt. 5, 48.)
In diesen Worten hat uns der Gottessohn Jesus Christus den Lebensweg gezeigt. Wir kommen von Gott und müssen zu Gott zurückkehren. Unser Leben ist also ein Weg zu Gott. "Du hast uns für dich geschaffen, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir" (Hl. Aurelius Augustinus, Bischof und Kirchenlehrer, 354 bis 430), Conf. 1, 1). Mit unwiderstehlicher Gewalt zieht es unser Herz zu Gott. Aber wie müssen wir auf unserem Lebenswege wandern, damit dieser ein Weg zu Gott ist und damit wir am Ende der Laufbahn bei Gott, unserem Ziele, ankommen?
Die Aksese
Das Wort Askese kommt vom Griechischen und heißt durch Übung stählen, trainieren. Auf das Religiöse angewendet, ist die Askese die Kampfübung zur Erringung der christlichen Vollkommenheit. Wer die Askese aufrichtig übt, heißt Asket. Die Anleitung zur Askese ist die Asketik. Der Asket will ernsthaft auf dem rechten Wege mit Hilfe geeigneter Mittel die ungeregelten Leidenschaften und Neigungen als Hindernisse der Vollkommenheit durch Selbstbezwingung unterjochen, sich die nötigen Tugenden erwerben und so zur Vollkommenheit und Heiligkeit gelangen. Wer nach Vollkommenheit strebt, führt nicht nur den Kampf gegen die Sünde selbst, sondern auch gegen alles, was zur Sünde führt und die christliche Vollkommenheit hindert. Solche Hindernisse kommen von der eigenen durch die Erbsünde verdorbenen Natur, von der Welt und vom bösen Geist.
Die Asketik lehrt uns, was die Vollkommenheit oder Heiligkeit ist, sie erweckt das Verlangen darnach, führt auf dem Wege zu ihr, nennt die Heilmittel, beleuchtet die Hindernisse, leitet zu den nötigen Tugenden an und verkündet das Ziel und den Lohn.
Die Askese ist die praktische Ausführung der Asketik. Das Ziel der Askese ist Gott. Sie selbst ist der Weg zu Gott. Ihr Beweggrund ist die Liebe zu Gott. Folgerichtig geübt, führt sie zur Heiligkeit, in den Himmel, zu Gott.
Als Stand ist das asketische Leben im Ordensstand verkörpert.
Zu den besten Schriften zur Erlernung der Askese und zur Anregung zu ihr zählen: "Die Heilige Schrift"; "Das Leben Jesu", "Das Leben der Heiligen"; "Die Nachfolge Christi" von Gerhard Groote (1340-1384); "Philothea" vom heiligen Franz von Sales (1567-1622), Bischof und Kirchenlehrer; "Der geistliche Kampf" (vorgeblich) von Lorenz Scupoli (1530-1610); "Die geistlichen Übungen" oder geistlichen Exerzitien vom heiligen Ignatius von Loyola S.J. (1491-1556), und überhaupt die einschlägigen Schriften über Heilige, z.B. "Geschichte einer Seele" der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, O.Carm. (1873-1897).
In diesen Worten hat uns der Gottessohn Jesus Christus den Lebensweg gezeigt. Wir kommen von Gott und müssen zu Gott zurückkehren. Unser Leben ist also ein Weg zu Gott. "Du hast uns für dich geschaffen, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir" (Hl. Aurelius Augustinus, Bischof und Kirchenlehrer, 354 bis 430), Conf. 1, 1). Mit unwiderstehlicher Gewalt zieht es unser Herz zu Gott. Aber wie müssen wir auf unserem Lebenswege wandern, damit dieser ein Weg zu Gott ist und damit wir am Ende der Laufbahn bei Gott, unserem Ziele, ankommen?
Die Aksese
Das Wort Askese kommt vom Griechischen und heißt durch Übung stählen, trainieren. Auf das Religiöse angewendet, ist die Askese die Kampfübung zur Erringung der christlichen Vollkommenheit. Wer die Askese aufrichtig übt, heißt Asket. Die Anleitung zur Askese ist die Asketik. Der Asket will ernsthaft auf dem rechten Wege mit Hilfe geeigneter Mittel die ungeregelten Leidenschaften und Neigungen als Hindernisse der Vollkommenheit durch Selbstbezwingung unterjochen, sich die nötigen Tugenden erwerben und so zur Vollkommenheit und Heiligkeit gelangen. Wer nach Vollkommenheit strebt, führt nicht nur den Kampf gegen die Sünde selbst, sondern auch gegen alles, was zur Sünde führt und die christliche Vollkommenheit hindert. Solche Hindernisse kommen von der eigenen durch die Erbsünde verdorbenen Natur, von der Welt und vom bösen Geist.
Die Asketik lehrt uns, was die Vollkommenheit oder Heiligkeit ist, sie erweckt das Verlangen darnach, führt auf dem Wege zu ihr, nennt die Heilmittel, beleuchtet die Hindernisse, leitet zu den nötigen Tugenden an und verkündet das Ziel und den Lohn.
Die Askese ist die praktische Ausführung der Asketik. Das Ziel der Askese ist Gott. Sie selbst ist der Weg zu Gott. Ihr Beweggrund ist die Liebe zu Gott. Folgerichtig geübt, führt sie zur Heiligkeit, in den Himmel, zu Gott.
Als Stand ist das asketische Leben im Ordensstand verkörpert.
Zu den besten Schriften zur Erlernung der Askese und zur Anregung zu ihr zählen: "Die Heilige Schrift"; "Das Leben Jesu", "Das Leben der Heiligen"; "Die Nachfolge Christi" von Gerhard Groote (1340-1384); "Philothea" vom heiligen Franz von Sales (1567-1622), Bischof und Kirchenlehrer; "Der geistliche Kampf" (vorgeblich) von Lorenz Scupoli (1530-1610); "Die geistlichen Übungen" oder geistlichen Exerzitien vom heiligen Ignatius von Loyola S.J. (1491-1556), und überhaupt die einschlägigen Schriften über Heilige, z.B. "Geschichte einer Seele" der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, O.Carm. (1873-1897).
P. August Ackermann OSFS, Salesianum Fribourg, 1956
Donnerstag, September 14, 2006
Prüfet alles (auch das Neue)! - Das Gute (auch des Neuen) behaltet!
Der folgende Artikel ist erschienen im "Zeichen Mariens", 23. Jahrgang, Nr. 11, März 1990. Da gerade jetzt wieder Verhandlungen der Priesterbruderschaft St. Pius X. mit Papst Benedikt XVI. bezüglich einer "Versöhnung mit Rom" im Gange sind, mag es viele interessieren, welches meine Stellungnahme zur ganzen Problematik damals, also vor 16 Jahren, war.Die katholischen sogenannten "Traditionalisten" oder "Integristen" gehören ganz allgemein zu denjenigen, die dem wahren Glauben am treuesten sind. Sie bekennen sich am mutigsten und selbstlosesten und unverbrüchlichsten zum ganzen, unverkürzten katholischen Glauben aller Zeiten, d.h. zur Tradition, zum Glaubenserbe, zum Depositum Fidei! Sie haben nicht nach (äußerlichen) Reformen gerufen. Vielmehr leiden sie darunter, weil diese Reformen in großem Ausmaß rein kosmetische und sogar entstellende sind. Innere, geistig-seelische Verbesserungen sind dabei ja fast durchwegs ausgeblieben, ja das Gegenteil ist eingetreten: das Niveau ist schrecklich gesunken! Gewiß, man kann nicht sagen, daß solches beabsichtigt war, jedenfalls nicht von der Kirchenleitung. Aber von Anfang an wollte man auch an höchster Stelle die (kompeteten) warnenden Stimmen nicht (mehr) ernst nehmen. Man hatte sich nun einmal in der Überzeugung fixiert, daß das katholische Haus einer Generalüberholung, einer umfassenden Außen-Renovation, einer Modernisierung bedürfe, und man ging ziemlich hastig und radikal ans Werk. Sobald die schon lange wartenden Handwerks- und Abbruchleute das Signal bekamen und wahrnahmen, zögerten sie keinen Augenblick mehr. Wie es mit unzähligen Kirchenbauten aus Stein und Holz ging, so geschah es mit dem geistigen Kathedralbau "Römisch-Katholische Kirche"! Unsachverständig, verächtlich oft, erbarmungslos mitunter wurde da Altes, Ehrwürdiges relegiert, entfernt, niedergerissen, "kurz- und kleingeschlagen" und auf den Schutt geworfen oder verbrannt. Wieviele Tränen der besten Gläubigen sind da geflossen, und wieviele sind in Hälsen würgend, in Herzen - sie (beinahe oder gänzlich) brechend - steckengeblieben!? Und an die Stelle des (gewachsenen) Alten, Ehrwürdigen, Stillen, Armen, Heiligen, kam (künstliches) Neues, Funkelndes, Prangendes, Protzendes.
Die "Traditionalisten" - übrigens eine ganz schlechte Bezeichnung für die Treugläubigen - haben dies nicht gewollt. Kein Heiliger der ganzen Heilsgeschichte hat jemals nach solchen Reformen gerufen. Aber das, was wir in unserer Kirche bis unmittelbar vor dem Konzil hatten, das waren Zeugnisse und Zeugen heiligen Glaubens und heiligmäßiger Gläubiger! Wenn ich an unsere - jetzt vielerorts verunstalteten, wenn nicht zweckentfremdeten oder gar zerstörten - Kapellen und Kirchlein und Kirchen und Dome und Kathedralen unserer Jugendzeit und der Zeit unserer Eltern und Großeltern denke und sie mit den konziliaren und postkonziliaren Gemeindezentren, Mehrzweckgebäuden und Versammlungshallen vergleiche, dann fährt mir ein eisiger Schauer durch Knochen und Mark! Schon allein an diesen Äußerlichkeiten erkennt man den Geist, sowohl den guten derer, die das einstmals verwirklichten, was wir heute -weil malträtiert oder mißbraucht, entfernt oder zerstört - betrauern, wie den schlechten derer, die das Moderne, Minderwertige eigenmächtig an seine Stelle setzten. Zum Glück gibt es auch heute noch die vielen erhaltengebliebenen materiellen Zeugen der Vergangenheit. Nur dank diesen aber sieht an so vielen Orten das, was die "Konzilskirche" heute tut, noch einigermaßen "katholisch" aus! Wäre manchenorts der katholische Raum, das katholische Gebäude, der katholische Rahmen (als Kleid, als Hülle oder Maske) nicht noch von früher her vorhanden, dann könnte kein von den Toten zurückkehrender Vorkonziliarer das Tun seiner heutigen "Glaubensbrüder" auf den ersten Blick als wahrhaft katholisches erkennen. Noch nicht überall, aber wohl an den meisten religiösen Stätten, ist von dem, was einst auf der ganzen Welt als der schönste, herrlichste, sublimste Kult galt, nicht mehr viel übriggeblieben! Und das ist das Werk einer Generation von Kirchenfürsten!
Und wenn ich an unsere ehemalige Organisationen, Vereine, Gesellschaften, Orden, Missionen denke, und sie mit dem Erbärmlichen, dem Ausgemergelten, dem Skelettösen vergleiche, was heute davon noch geblieben oder an ihre Stelle getreten ist, dann durchfährt ein stechender Schmerz mein ohnehin betrübtes und beinahe untröstliches Herz.
Wäre es nun nicht an der Zeit, Rom würde sich darauf besinnen, all die guten noch existierenden bewahrenden Kräfte zu unterstützen, statt sie zu verleugnen, zu verdrängen und sogar in die Abkapselung, in die Ein-Igelung zu treiben (und dann dort zu belassen)? Diejenigen, die (auch im Äußeren, Sinnfälligen) beim Alten, beim Allzeitigen, beim Immergewesenen bleiben wollen, können nicht im Fehler sein. Wenn Rom neue, bisher ungewohnte unvorstellbare Wege geht oder mitgeht, dann hat es (auch vor Gott) kein Recht, daß ihm alle blind oder vertrauensselig folgen. Der Mensch ist kein Herdentier (sollte es aufgrund Gottes Bestimmung und Berufung nicht sein!). Der gläubige Mensch kennt vor allem einen Hirten, und das ist JESUS CHRISTUS, das ist GOTT selbst. Jeder Gläubige hat das Recht, ja die Pflicht, Menschen, selbst religiösen Führern, selbst einem Papst, nicht zu folgen, wenn er (zurecht oder zu unrecht) die ehrliche Überzeugung hat, daß diese von dem abweichen, was JESUS, was GOTT will. Die Herde ist ihnen nicht (zum Besitz) ausgeliefert. Sie ist ihnen (als Verwaltungsgut) anvertraut! Und ihre Herden sind nicht Herden von vernunftlosen Tieren, sondern von vernunftbegabten, mit freiem Willen ausgerüsteten Menschen, von Seelen, von mitdenkenden, mitverantwortlichen, mitentscheidenden ewigen Geist-Wesen! Keine Seele kann sich vor Gott auf einen schlechten Hirten berufen, auf ihn die persönliche Schuld abwälzen, wenn sie verlorengeht oder (vielleicht für längere Zeit) ins Purgatorium muß, auch nicht auf einen (hohen, höchsten) Stellvertreter Christi!
In vielem von dem nun, was unsere Oberhirten (die Bischöfe) unter der Leitung, bzw. Nicht-Leitung des Vatikans, der Konzilspäpste, geändert haben, erblicken Treugläubige (schwere) Gefahren für ihren Glauben. Und deshalb haben sie vor Gott das Recht, sich entsprechend zu schützen. Oberstes Gebot für einen Christen ist ja, alles zu tun, den Glauben nicht zu gefährden, nicht aufs Spiel zu setzen. Und so folgt, daß wenn ein Gläubiger in seiner Pfarrei durch das moderne, modernistische Treiben seiner "Geistlichkeit" einer Neuinterpretation seines Glaubens ausgesetzt wäre, er das Recht und sogar die Pflicht hat, sich dieser Gefahr zu entziehen. Und daraus folgt wiederum, daß er das Recht und die Pflicht hat, sich mit seinen (von ihm als solche erkannten) wahren Glaubensbrüdern zusammenzutun und den Gottesdienst und das Glaubensleben so zu gestalten, wie er es vor Gott als richtig, als am besten erkennt, und nicht so, wie es eine neue Wege diktierende Kirchenführung will!
Wer also etwas Zentrales unserer heiligen Religion markant reformiert, bzw. deformiert, was allzeit gleiche Gestalt und gleichen Gehalt hatte, der hat keinen Anspruch auf Gefolgschaft, auch wenn er mit dem höchsten Führungsamt betraut ist. Die katholische Meßliturgie (das Herzstück unseres Glaubens) nun ist durch den ganzen von uns Heutigen einigermaßen einsehbaren verflossenen Zeitraum bis zum II. Vatikanum (bis auf Nebensächlichkeiten) stets gleich geblieben! Deshalb gibt es keine menschliche Autorität auf der ganzen Welt, die eine Legitimation hätte, die Gläubigen und die Seelsorger, die Laien und den Klerus, von dieser höchstgeheiligten göttlichen Liturgie zwangsweise abzubringen. Paul VI. hat einen kapitalen, katastrophalen Fehler begangen, hat sich objektiv schwer verfehlt, als er den Novus Ordo Missae zwingend vorschrieb. Sowenig wie er z.B. den (unierten!) Orthodoxen je hätte befehlen können, daß sie ihre jahrhundertealte Liturgie modernisieren, an den lateinischen Ritus anpassen oder gar (jetzt) gänzlich zugunsten des postkonziliaren aufgeben, sowenig kann ein Papst den Angehörigen des Lateinischen Ritus den neuen, in fast allem geänderten und modernisierten befehlen! Und Johannes Paul II. als sein Nachfolger, begeht denselben schlimmen, verhängnisvollen Fehler, wenn er weiterhin darauf besteht, daß alle sich diesem liturgischen Diktat zu beugen haben, (abgesehen von ein paar Ausnahmen auf der Grundlage von schäbigen "Indulten")! Solange er die alte, altehrwürdige, aufs höchste kanonisierte ("tridentinische") Opferliturgie nicht völlig freigibt und damit wieder zu der ihr gebührenden Anerkennung und Ehre und möglichen Bevorzugung bringt, besteht der vorhandene Widerstand der sogenannten Traditionalisten, in welcher (angemessenen, christenwürdigen) Form auch immer, auch derjenige der Sedisvakantisten, zurecht. Und GOTT duldet ihn nicht nur, sonern er SEGNET ihn, Er erhält ihn und vermehrt ihn, bis dem Papst, irgendeinem Papst einmal, die Augen aufgehen, was wir alle hoffen und warum wir alle BETEN!
Das war die eine Seite der Problematik. Die andere aber ist das Neue, wie es sich inzwischen konsolidiert und etabliert hat. Wie ist es zu werten? Wie haben wir uns ihm gegenüber zu verhalten? Auch darin herrscht für die meisten keine Klarheit. Ich möchte dieser Seite darum diesmal mehr Gewicht geben. Wie stehe ich persönlich zu den konziliaren und postkonziliaren offiziellen Reformen?
Nun, was meine Wenigkeit betrifft, ich "schlucke", ich akzeptiere sie, insofern sie anhand der traditionellen katholischen Lehre und Praxis theologisch und pastoral (einigermaßen) zu rechtfertigen sind. Es ist nach meiner persönlichen Überzeugung nicht alles Neue schlecht, einfach weil es neu, noch nie dagewesen ist. Und es ist demgemäß auch nicht alles Alte gut oder immer noch gut oder immer noch besser, nur weil es früher gang und gäbe war oder als unübertrefflich galt. Viel Gewesenes bedurfte einer Reform. Viel Zeitbedingtes konnte (mit Vorteil) und viel Anachronistisches mußte (um - auf die Länge - Schaden zu vermeiden) an die neuen Gegebenheiten angepaßt werden. Es war nicht verboten, eine Liturgie zu schaffen und anzubieten, die dem besonders Rechnung trägt, was den heutigen Menschen allgemein (mehrheitlich) besser anspricht. Die Kirchenführung hat fraglos das Recht, ja sogar die Pflicht vor Gott, "die dem Wechsel unterworfenen Einrichtungen den Notwendigkeiten unseres Zeitalters besser anzupassen, zu fördern, was immer zur Einheit aller, die an Christus glauben, beitragen kann, und zu stärken, was immer helfen kann, alle in den Schoß der Kirche zu rufen" und deshalb "sich um Erneuerung und Pflege der Liturgie zu sorgen." (Konstitution über die hl. Liturgie", II. Vatikanum Einleitung) Aber sie hat kein Recht, einen jahrhundertelang von ganzen Völkern und Generationen ununterbrochen bis in unsere Zeit hinein segensreichst praktizierten und noch dazu (in der lateinischen Ritus-Kirche) (sozusagen) exklusiv vorgeschriebenen, natürlich und übernatürlich gewachsenen Ritus durch ein päpstliches Dekret und Bischofskonferenz-Erlasse zu verbieten! Sie mag Priester und Volk dazu einladen, die Liturgie nach (erprobten!) approbierten neuen Formen zu vollziehen. Aber sie kann und darf die geheiligten alten Formen nicht außer Kraft setzen und nicht verbieten und die ihr treu Verbundenen nicht ächten, bzw. ächten lassen! Hätte sie so gehandelt: hätte sie es jedem (Priester wie Laien) freigestellt, am Neuen teilzunehmen und/oder am Alten, je nach seelischem Bedürfnis, dann wäre das nicht geschehen, was jetzt geschehen ist. Die Besten hätten keine Veranlassung gehabt, das Vertrauen in die Vorgesetzten zu verlieren und das Neue zu beargwöhnen und sogar zu verurteilen. Da man das Neue zwangsweise an die Stelle des Alten gesetzt hat, war es vielen allein deswegen schon verdächtig. Einheit aber erwächst nicht aus Einheitlichkeit, aus Uniformität, aus Gleichschaltung. Einheit erwächst aus Geistes-Weite und Geistes-Tiefe, aus (gegenseitiger) Achtung alles Positiven!
Aber ist dies Neue nun nicht doch solcherart, daß man es als etwas Schlechtes, etwas Schädliches, ja den Glauben Zerstörendes betrachten muß? Ist die Messe, die Eucharistiefeier nach dem Novus Ordo Missae nicht intrinsisch (ihrer Wesensnatur nach) schlecht, wenn eventuell auch (mitunter) gültig?
Ich habe in Antworten auf Leserbriefe bereits mehrmals angedeutet, daß ich eine solche Auffassung nicht teile. (Vgl. auch meine Entgegnung auf den Brief von Bernhard Zaby in dieser Ausgabe!) Das vom Konzil, von Paul VI. und auch von Johannes Paul II. offiziell gutgeheißene und promulgierte Neue kann nach meiner persönlichen Überzeugung zurecht als etwas in vielem (leicht bis schwer) Mangelhaftes, aber nicht als etwas in sich Schlechtes, Negatives also Gottwidriges betrachtet werden. Sonst hätten die Konzilspäpste tatsächlich aufgehört, Päpste zu sein, bzw. wären es gar nicht erst geworden. Und somit wäre die Kirche Gottes (in ihrem sichtbaren Teil) seit 25 Jahren "kopflos"! Nein, hier muß man sich nun wirklich hüten, ins (andere) Extrem zu verfallen. Mißtrauen gegenüber dem Neuen, wohlan, das ist begreiflich und aufgrund aller notorischen Mißstände auch vertretbar. Sollen die die neuen Formen pflegen, die nach ihnen gerufen haben, die sich damit unschwer abfinden können oder sich in ihnen gar wohlfühlen. Aber sie allen einfach aufdrängen und aufzwingen, nur um einer so ohnehin nicht möglichen Einheit, bzw. Einheitlichkeit willen, nein, tausendmal nein! Wenn die Bischöfe unter der Leitung Roms dazu nicht imstande sind, den an den Hochformen der Liturgie hangenden besten Gläubigen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, dann haben sie eben ihren Kredit verspielt, sie und es! Das tut mir selber furchtbar leid. Aber ich vermag nichts dagegen. Wenn ich vor mir und vor aller Welt so täte, wie wenn ich ein Herz und eine Seele mit der Hierarchie wäre, es würde nichts fruchten. Ich will kein Heuchler sein! Und unsere Hirten, unsere Oberhirten sollten es auch nicht sein. Unsere Kardinäle, Bischöfe, Priester und führenden Laien zelebrieren aber vornehmlich Einheit mit dem Papst (soweit der Papst ihnen willfährt!). Sie haben keinen Mut, ihr eigenes Denken und Empfinden - wenn es (zugunsten der Traditionsverbundenen) abweicht von dem seinigen - zu verkünden. Sie haben keinen Mut, ihm ins Angesicht zu widerstehen, wenn sie selbst vor ihrem Gewissen, vor GOTT erkennen, daß sie es tun müßten. Sie verschanzen sich lieber hinter der bequemen Ausrede, "der Heilige Vater muß es ja besser wissen". Nein, der Heilige Vater muß es nicht besser wissen. Er hat von Christus nicht das Charisma empfangen, immer alles besser zu wissen. Sondern er hat von ihm die Sondergabe erhalten, mit höchster Autorität zu lehren und zu regieren. Aber natürlich nicht wie ein HERR, wie ein HERRSCHER, wie ein DESPOT (Willkürherrscher), sondern wie ein DIENER! ("Wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht." Matth. 20, 26, Markus 10,43, "Wer der Größte unter euch ist, werde vielmehr wie der Geringste, der Vorgesetzte wie der Diener." Lukas 22,26!)
Nun glaube ich, daß sie, daß Johannes XXIII., Paul VI. und auch Johannes-Paul II., das schon auch woll(t)en. Ich erkenne klar, daß sie DIENEN und nicht herrschen wollen. Ich empfinde die Art des Umgangs vor allem auch Johannes Pauls II. mit seinen Untergebenen, mit Klerus und Volk und allen Menschen weltweit, als wohltuend (entkrampft), als erfrischend unkompliziert, absolut nicht als herrscherisch. Aber genau das müßte nun auch übergreifen auf den Teil der Herde Christi, der seit dem Konzil so stiefmütterlich behandelt worden ist. Natürlich ist Erzbischof Lefebvre mit seinen Mitverantwortlichen rein kirchenrechtlich im "Unrecht" dem Heiligen Vater gegenüber. Die Exkommunikation hat er, der Papst, tatsächlich auch nicht (mutwillig) über sie verhängt. Er hat nicht "den Bannfluch gegen sie geschleudert", sondern er hat einfach öffentlich und amtlich festgestellt, daß er, daß sie durch ihre Tat sich selbst die Exkommunikation zugezogen haben. Und ihn ehrt (persönlich), daß er dies (bis zuletzt) einigermaßen zu verhindern trachtete. Aber er (mit seinen nächsten Mitarbeitern) hat nicht genug getan,vor allem offenbar nicht das Richtige zu richtigen Zeit. Aber es ist müßig, moralische Schuld zu verteilen. Ich habe schon wiederholt das Bekenntnis abgelegt, daß ich glaube, daß sie, sowohl Johannes Paul II., wie auch Erzbischof Lefebvre, moralisch absolut integer, ja heiligmäßig sein können, und daß es GOTT dennoch zulassen kann, daß sie einander in der Sache (lange Zeit) nicht näherkommen, ja meinen, einander Widerstand leisten und sogar bekämpfen zu müssen. Sie können auch beide tatsächlich gleichzeitig im Recht sein. Der Menschen Erkennen und Handeln ist Stückwerk! Der Papst hat Erzbischof Lefebvre voraus, daß er die höhere, die höchste Autorität hat. Erzbischof Lefebvre hat dem Papst voraus, daß er nichts anderes will, als das allzeit Gewesene bewahren, d.h. es sich (und den Seinen) nicht durch (verblendete) Amtswillkür entreißen zu lassen!
Nun hat Johannes Paul II. allerdings etwas getan, was seinen (unser aller) Forderungen entgegenkam: Er hat als erster Papst nach Vatikanum II und nach Inkraftsetzung der Liturgiereform die hl. Messe nach vorkonziliarem (tridentinischem) Ritus ein gutes Stück weit wieder erlaubt. Aber eben: wie oben bereits gesagt: dieses Entgegenkommen hat die Zweifel und den Argwohn (noch) nicht auszuräumen vermocht, weil es eindeutig zuwenig weit ging. Niemals kann es genügen, diese altehrwürdige Liturgie nur in einer "Nische", in einem "Verlies", in einer "Katakombe" zu "dulden", mit schäbigen, beschämenden Auflagen und Restriktionen! Niemals kann es akzeptiert werden, diesen Ritus zugestanden zu bekommen, "um ihn auslaufen zu lassen", wie es Kardinal Ratzinger einmal sagt. Das war der Kapitalfehler in seinem Pontifikat bisher, daß er es noch nicht eingesehen hat, daß für einen Großteil der katholischen Christenheit das heilige Meßopfer nach tridentinischem Ritus etwas so Unverzichtbares, etwas so Wesentliches bedeutet, daß sie alle, die vielen Tausenden, es sogar voziehen, ohne ihn, den Stellvertreter Christi, auszukommen, in der (Kirchen-)Verbannung zu leben, als diese Gottesdienstform aufzugeben! Und man glaube nur nicht, daß dies etwa wegen Erzbischof Lefebvre und seiner Priesterbruderschaft so sei. Auch wenn es ihn und sie nicht gäbe, wäre dem so. Hundertausend auf dieser Erde sind und bleiben dem altehrwürdigen Ritus treu verbunden. Da wird kein noch so hohes kirchliches Amt etwas dagegen vermögen, auch eine ganze Reihe von Päpsten nicht, auch ein eventuelles (gleichgeschaltetes) nächstes Konzil nicht! Es ist aber auch himmelschreiend ungerecht, daß Rom in dieser Zeit alles erlaubt und sogar fördert, was es da an Riten und Neuriten und Unriten weltweit gibt, sogar die abartigsten "Inkulturationen", und nur den einen, ausgerechnet den einen und einzigen heiligsten seit dem Konzil so verächtlich, so wegwerfend behandelt! Warum nur, warum!? Haben sie angt, ihr Reformwerk könnte hinweggeblasen werden, so wie um das Jahresende 1989 das mehr als 70jährige Reformwerk (Revolutionswerk) der (marxistischen) Kommunisten wie ein Dominospiel gefallen ist? Seht, so geht es, wenn man die Natur, die Natur der Dinge und der Menschen vergewaltigt! Die Liturgiereform war - so wie sie durchgeführt wurde - in weiten Teilen nichts anderes als eine Vergewaltigung der Gläubigen!
Vielleicht wird uns die Tatsache, daß jetzt der "Eiserne Vorhang" gefallen ist, zu Hilfe kommen. Die Liturgien der Kirchen des Ostens, ihre Einrichtungen und liturgischen Bräuche, ihre Überlieferungen und ihre christliche Lebensordnung sind ja zum Glück weitgehend unangetastet geblieben. "In diesen Werten von ehrwürdigem Alter leuchtet ja eine Überlieferung auf, die über die Kirchenväter bis zu den Aposteln zurückreicht. Sie bildet ein Stück des von Gott geoffenbarten und ungeteilten Erbgutes der Gesamtkirche. Für diese Überlieferung sind die Ostkirchen lebendige Zeugen" (Dekret über die katholischen Ostkirchen, Art. 1)
Und wenn man versuchen sollte, nun auch diese in den konziliaren Reformprozeß einzubinden und damit auch ihre altehrwürdigen Liturgien zu moderniesieren (umzufunktionieren), dann bleiben - zur Verhinderung einer Gleichschaltung - immer noch die Bastionen der nicht-unierten Ostkirchen, der vorchalkedonensischen und der chalkedonensischen Orthodoxie, die "kanonischen orthodoxen" Kirchen (die "autokephalen" und die autonomen" Kirchen) und schließlich die orthodoxen Kirchen, deren Kanonizität nicht überall anerkannt wird.
Aber ich unterstelle dem Papst und seinen Mannen eine solche Absicht nicht. Vielmehr habe ich soviel auf Gott abgestütztes Vertrauen auch in ihn und in sie, auch jetzt noch, auch noch nach allem, was bereits geschehen ist, daß ich nicht aufhöre zu hoffen, daß eine alle Seiten befriedigende Lösung möglich, realisisierbar ist. Dazu wären m.E. zwei Stoßrichtungen der Kirchenführung erforderlich: zum einen müßte der Heilige Vater seine Kommission "Ecclesia Dei" mit traditionsverbundenen Kräften verstärken und nochmalige, diesmal aber weitergehende, intensive Verhandlungen mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. zwecks einer Versöhnung anberaumen. Zum zweiten müßte er gleichzeitig weltweit vor allem die Bischöfe und Priester zu einer Neubesinnung auf die vorkonziliare, auf die allzeitige Liturgie aufrufen, jedenfalls müßte er sie energisch, und das heißt mit persönlichem vollem Engagement, dazu anhalten, jene nicht mehr zu ächten, die zu dieser Liturgie halten. Die minimalste Lösung aber wäre die, daß er der Priesterbruderschat St. Pius X. freizügig einen Status verleihen würde, dem ähnlich, den jetzt die Priesterbruderschaft St. Petrus bereits besitzt, mit dem gewichtigen Unterschied allerdings, daß er dafür Erzbischof Lefebvre und seine Anhänger nicht dazu zwingt, das Konzil und die Konzils- und Postkonzilsreformen tels quels zu anerkennen und damit innerlich mitzuvollziehen und damit sich dafür (vor Gott und den Menschen) mitverantwortlich zu machen. Er müßte ihnen den notwendigen (und möglichen!) Differenzierungsspielraum zugestehen. Solange er mit seinen zuständigen Mitarbeitern in Rom darauf beharrt, daß alle alles, so wie es ist, und so wie sie es interpretieren, und so wie es bisher praktiziert wurde, anerkennen müssen, wird es keine Lösung geben. Je länger dieser trostlose Zustand dann aber dauert, desto schlimmer wird er werden.
Aber ich sehe noch die Möglichkeit, daß - wider allen Anschein - doch alles noch zu einem guten oder wenigstens passablen Ende kommt. Es sind ja letztendlich nicht die Menschen, die das abschließende Sagen und Entscheiden haben. Über ihnen waltet GOTT. Und ER hat uns die wunderbare Verheißung gegeben: "Fürchtet euch nicht"! "Die Pforten der Hölle werden SIE (die Kirche) nicht überwältigen"!
In diesem Sinn wollen wir weiterhin beten und wirken.
Paul O. Schenker, März 1990
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